Eheleute Erven bauen neue Rinderherde auf

Von: Antonius Wolters
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Heinz Gerd Erven hat den Nasenring seines zutraulichen Zuchtbullen (siehe Bild unten) behalten. Wer dessen Nachfolge in der Herde antreten wird, ist noch unklar. Foto: Wolters
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Ziemlich verschmust: Heinz-Gerd Erven vor einem Jahr mit dem ehemaligen Zuchtbullen „Dream“ der Fleischrasse Blonde d‘Aquitaine, der als mit BHV-1 infiziertes Tier vergangenes Jahr geschlachtet worden ist. Foto: Wolters

Gevelsdorf. Wer vor einem Jahr den Hof von Monika und Heinz-Gerd Erven in Gevelsdorf betreten wollte, musste Gamaschen über seine Fußbekleidung ziehen, denn die knapp 100 Köpfe zählende Rinderherde befand sich in einem Sperrbezirk, da die Tiere mit dem Bovinen Herpesvirus Typ 1 (BHV-1) infiziert waren, von den Züchtern „Rindergrippe“ genannt.

Die BHV-1-Infektion hat letztlich beim Züchterpaar Erven, deren Hof vom Tiergesundheitsdienst als Vorzeigebetrieb in Tierhaltung und -gesundheit eingestuft worden war, zum Verlust der gesamten Rinderherde geführt. Das Problem: Die „Rindergrippe ist den Tieren zwar nicht anzumerken und für den Menschen ungefährlich, doch infizierte Tiere sind lebenslang Träger und damit auch Überträger dieses Virus‘. Ziel des Landes NRW ist es, als BHV-1-freie Region anerkannt zu werden, um beim Viehhandel innerhalb und außerhalb der europäischen Gemeinschaft konkurrenzfähig zu bleiben.

Da bei BHV-1 eine Anzeigepflicht besteht, hatte das Kreisveterinäramt per Ordnungsverfügung erlassen, alle infizierten Tiere aus dem Bestand zu entfernen. Dagegen hatte das Züchterehepaar in einem Eilverfahren Widerspruch eingelegt, den die 7. Kammer des Verwaltungsgerichtes Aachen indes abwies. Gegen diesen Beschluss wurde zwar Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster eingelegt, doch damit blieb der status quo zunächst unverändert. Zwar riefen täglich Kollegen aus den Niederlanden bei Heinz-Gerd Erven an, die ihm die komplette Herde abkaufen wollten, doch mochte der sich weder von seinen Tieren trennen noch die Rinderzucht aufgeben, zumal beim Verkauf der Herde finanzielle Abschläge drohten.

Letztlich hat sich das lange Warten auf das OVG-Urteil dahingehend gelohnt, dass Erven im Oktober im Rahmen eines Forschungsprojektes eine Vereinbarung mit dem Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen in Soest geschlossen hat. Thema: „Erarbeitung wissenschaftlich basierter Empfehlungen für die Vorgehensweise bei Wiedereinschleppung von BHV-1 in NRW-Bestände.“ Das sichert eine adäquate Entschädigung für das Schlachten aller Tiere und den Neuaufbau einer Herde unter wissenschaftlicher Begleitung.

„Die Nachfrage ist da“, sagt Heinz-Gerd Erven, der das Rindfleisch auch wieder selbst vermarkten möchte. So verfügt der Hof über Kühlhaus und Zerlegeraum, wo ein benachbarter Metzger die Fleischrinder in Steaks, Bratenstücke und Gehacktes zerlegt.

Geschlachtet wurden die Tiere der alten Herde in Prüm, Gerolstein, Eschweiler und Stolberg. Es ging den Eheleuten ziemlich an die Nieren, als am 15. Dezember die letzten Rinder abgeholt wurden. Den ersten Transport in die Eifel hatte Erven noch begleitet, doch das hat er sich später nicht mehr angetan. Von allen infizierten Tieren wurden die Köpfe zur Untersuchung eingesammelt.

Ansonsten ließen es die Ervens ruhig angehen. „So einen entspannten Winter haben wir noch nie gehabt.“

Die Projektpartner der FH waren zuletzt da, haben alle Stallungen desinfiziert, mögliche Schwachstellen fotografiert, bevor das Kreisveterinäramt den Betrieb freigegeben hat. Am Dienstag sind die neuen im Herdbuch eingetragenen Tiere angekommen: Sieben Kühe mit Kälbern, eine tragende Kuh und der neue Zuchtbulle „Belmondo“, der bis Mai Probezeit in Gevelsdorf absolvieren wird.

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