„Düsseldorfer Malschule“: Ein zarter Hauch selbst über schwerer Industrie

Von: Karl-F. Hesemann
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Leonhard Rauschs „Blick von einer Anhöhe auf eine Stadt (Kalksteinbruch bei Erkrath)“ ist gleichzeitig die Vorlage des Ausstellungsplakats.

Opladen/Jülich. Der Geschichtsverein Jülich und der Opladener Geschichtsverein zeigen in ihrer Veranstaltungsreihe „200 Jahre Preußen im Rheinland“ parallel in beiden Städten Landschafts-Gemälde der berühmten „Düsseldorfer Malschule“, die von den Preußen gegründet wurde.

Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Europa neu aufgeteilt, und das Rheinland dem Königreich Preußen zugeteilt. Im Rheinland bauten die protestantischen Preußen nicht nur den Kölner Dom zu Ende. Auch die Ruine des Altenberger Doms im bergischen Dhünntal wurde mit ihrer Hilfe restauriert. Der Künstler Carl Ludwig Fahrbach hat den „bergischen Dom“ kurz danach in seiner typisch Umgebung gemalt. Um das angebliche Kulturgefälle zwischen Berlin und dem Rheinland auszugleichen, wurde vom Preußischen König 1819 die Kunstakademie in Düsseldorf gegründet. Sie orientierte sich in ihrer Technik an den holländischen Malern.

Carl Friedrich Lessing und vor allem Johann Wilhelm Schirmer (aus Jülich) waren die treibenden Kräfte bei der Entwicklung der berühmten Düsseldorfer Landschaftsmalerei. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges waren die Bilder dieser Malschule in ganz Deutschland und Amerika heiß begehrt. Sie hielten an ihrer romantischen Sichtweise und dem peniblen Realismus fest – auch, weil ihre Bilder sich gut verkaufen ließen.

Einige Künstler nutzten den neuartigen Steindruck (Lithographie), um durch hohe Auflagen ihren Verdienst zu erhöhen. Berühmt ist die Ansicht der Opladener Wupperbrücke. In ihrer romantischen Verklärung ähnelt die Darstellung italienischen Landschaftsbildern – Opladen in Italien!

Die Gemälde in der Villa Römer widmen sich der Bergischen Landschaft – Bergisch nach den Grafen von Berg, mit Sitz auf Schloss Burg bei Solingen und später in Düsseldorf. Dazu kommen Bilde aus dem Umfeld von Düsseldorf und dem Niederrhein.

Die Landschaften in der Nähe der großen Ruhrmetropolen waren schon damals durchzogen von Industrie. Dennoch verklären die Künstler sie zu romantischen Ansichten. Leonhard Rausch hat mit seinem Gemälde „Blick von einer Anhöhe auf eine Stadt (Kalksteinbruch bei Erkrath)“ hierfür ein typisches Beispiel geschaffen. Selbst die Baustelle zeigt eine romantische Atmosphäre. Dieses Bild wird auch als Plakatmotiv für die beiden Ausstellungen verwendet.

Neben den Eifellandschaften steht in der Jülicher Ausstellung die verklärte Rheinromantik mit der Burg Stolzenfels im Mittelpunkt. Schon im 19. Jahrhundert war der Rhein ein beliebtes Touristenziel. Gemälde mit Rheinlandschaften gehörten in das Wohnzimmer des gehobenen Bürgertums. Aber auch die vielen Menschen, die nach Amerika ausgewandert waren, kauften diese Bilder zur Erinnerung an ihre alte Heimat. Die Gemälde entstanden immer im Atelier. Vorher besuchten die Künstler die Landschaften, um sich mit farbigen Skizzen Eindrücke zu verschaffen. Sie sind in der Ausstellung als impressionistische kleine Gemälde zu sehen. Nach vielen dieser Skizzen wurde im Atelier ein großartiges Gemälde komponiert, wie es den romantischen Vorstellungen entsprach.

Wenn wir den „roten Faden“ der Kunstgeschichte betrachten, findet diese Art der Landschaftsmalerei nach 1850 keine Erwähnung mehr. Doch die Künstler der Düsseldorfer Malerschule hielten an ihrer Technik fest. In der Kunstgeschichte stehen Maler wie Cezanne, Manet, Monet und van Gogh für diese Zeit. Doch gut verkauft wurden bis zum ersten Weltkrieg die Bilder der Spätromantiker von der Düsseldorfer Malerschule.

„Die Restaurierung der Gemälde für die beiden Ausstellungen war sehr aufwändig, besonders wegen der oftmals schlechten Firnis“, erklärte der Kurator der Ausstellung Marcell Perse, „aber durch die großzügiger Unterstützung unserer Sponsoren können wir die Kunstwerke in einem ausgezeichneten Zustand präsentieren“.

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