Düngen vor der Aussaat

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Die Frühjahrsbestellung ist im Gange: Mit Gülle, einem nährstoffreichen Urin-Kot-Gemisch, werden die Äcker gedüngt. Foto: imago/stock

Dürboslar/Düren. „Es kribbelt langsam wieder in den Fingern”, sagt Andreas Gehlen von der Landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Jülich. Es ist Zeit für die Frühjahrsbestellung.

Im Rübenlabor hat die Ausgabe des Saatgutes begonnen, Favorit unter den Sorten ist „Theresa”, gefolgt von „Pauletta” und „Beretta”. „Erst einmal nur abholen”, sagt Gehlen, denn ausgesät wird erst Ende März/Anfang April.

Wenn es den Bauern in den Fingern kribbelt, dann ist das auch zu riechen - wenn Mist und Gülle ausgebracht werden. Doch noch ist die Feldflur vielerorts durchnässt und noch nicht befahrbar. Die Bauern warten auf trockenes warmes Wetter.

Auf einem Acker an der B 56 bei Dürboslar fährt ein Bauer schon Festmist aus - mit einem Dungstreuer. Die Streuwalzen fräsen das Streugut ab und verteilen es gleichmäßig auf das Feld. Dieser Mist darf - wie Kompost und Champost, aber mit Ausnahme von Geflügelkot - das ganze Jahr über ausgebracht werden - nur nicht bei geschlossener Schneedecke. Sollte der Boden gefroren sein, darf Festmist nur bei einer gewissen Auftautiefe der Krume ausgefahren werden, sagt Jörg Klingenmaier, Berater für Acker- und Pflanzenbau an der Kreisstelle Düren der Landwirtschaftskammer NRW.

Startschuss zur Ausbringung der Gülle auf Ackerland und damit zur Frühjahrsbestellung war der 1. Februar. In der Zeit vom 1. November bis 31. Januar darf dieser Dung nicht auf den Feldern ausgebracht werden, weil der gefrorene oder schneebedeckte Boden nichts aufnimmt. Für Grünland läuft die Schonfrist zwei Wochen später - am 15. November - ab.

Ackerbauern sollten generall einen besseren Riecher für Wirtschaftsdünger entwickeln, hat Klingenmaier auch jüngst auf der Versammlung der LWK-Ortsstellen Jülich, Titz, Aldenhoven und Linnich in Dürboslar den Landwirten geraten. Denn Festmist, Jauche, Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen seien „deutlich preiswerter” als Mineraldünger aus Silos und Säcken.

Gülle ist ein hochwertiger Dünger. Denn das Kot-Urin-Gemisch aus Laufställen und Mastbuchten enthält zahlreiche Nährstoffe für den Boden wie Stickstoff, Phosphor und Kali, die die Fruchtbarkeit des Ackers erhöhen, weil sie den Humusaufbau fördern. Damit aber nicht überdüngt wird, müssen jährliche Düngebilanzen erstellt werden.

Die Bauern sollten, so der Landwirtschaftsberater „offene Ohren für die Belange der Bevölkerung” haben. Der stark riechende Dung sollte daher nicht in der Nähe von Ortschaften oder an Feldwegen gelagert werden, zudem sollte er zügig eingearbeitet werden, auch das reduziere die Geruchsbelästigung.

Und auch der Landtagsabgeorndete Josef Wirtz (CDU), Landwirt in Schophoven, appelliert an seine Berufskollegen, dass der Dung „nicht mehrere Wochen am Feldrand vergammelt.”

Kreislaufwirtschaft

Allerdings beziehen die hiesigen Bauern, die sich in der fruchtbaren Jülicher Börde meist auf Ackerbau spezialisiert haben, den organischen Dünger von auswärts, etwa aus Westfalen und den Niederlanden. Eine brabantische Milchkuh produziert im Jahr Dünger im Wert von 300 Euro, der - das ist (internationale) - auf der Aldenhovener Platte kleine Sommerweizen-Sprößlinge mit Nährstoffen versorgt.

Klingenmaier rät, stets auf die Aushändigung eines Lieferscheins zu bestehen und Proben zu nehmen, damit der Nährstoffgehalt exakt bestimmt werden kann. Während in den Niederlanden, so Klingenmaier, „strikt überwacht wird”, wo der Dünger bleibt, wird, wenn die Fracht nach Deutschland geht, der GPS-Sender „an der Grenze abgeschaltet”.

Dieser Gülle-Tourismus ist ein ein Problem, das nicht nur den Wasserwerken wegen der steigenden Nitrat-Belastung Kopfzerbrechen bereitet. Daher hat NRW-Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg (CDU) im Bundesrat eine Verordnung eingebracht, die die Dokumentations- und Nachweispflichten bis hin zur konkreten Verwertungsfläche regeln soll.

„Die Verordnung hilft, die Umwelt zu schützen und trägt der Entwicklung zu mehr Arbeitsteilung der landwirtschaftlichen Betriebe Rechnung”, sagt Uhlenberg.

Auch sein Parteifreund Wirtz fordert den fachgerechten Einsatz des Wirtschaftsdüngers: „Wenn alles in Ordnung ist, spricht nichts dagegen. Daddurch schließt sich auch der Kreislauf.”
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