Drogenprobleme sind weiter in Jülich präsent

Von: Simone Dolfus
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Cannabis-Konsument raucht eine
Cannabis-Konsument raucht einen Joint: Der Drogenbericht für Jülich führt das Kiffen als eines der Hauptprobleme der Klienten an. Foto: imago/PanoramiC

Jülich. Finstere Typen, die in schmuddeligen Parks rumhängen und ihr Fixerbesteck offen herumliegen lassen - so etwas gibt es in Jülich nicht. Das heißt aber nicht, dass es in der Herzogstadt keine Drogenproblematik mehr gibt.

Das erläuterte Wilfried Pallenberg, Leiter der Sucht- und Drogenberatung des regionalen Caritasverbandes Düren-Jülich, in der jüngsten Sitzung des Jülicher Kulturausschusses in den Räumen der Stadtbücherei. Er ging dabei auf allgemeine Drogentendenzen ein und schilderte sehr ausführlich die Arbeit seiner Einrichtung mit Fokus auf Jülich.

„Die Drogenproblematik ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit stark zurückgegangen”, erklärte er, „verschwunden ist sie deshalb nicht.” Vor 30 Jahren habe das Thema Drogen und Sucht noch für einen Aufschrei des Entsetzens gesorgt, heute habe sich die Bevölkerung daran „gewöhnt”. Zudem werde vieles, beispielsweise das Kiffen, „banalisiert”.

In einer ländlichen Region wie dem Kreis Düren trete die Drogenszene ohnehin weit weniger zu Tage als in den Großstädten. In der Stadt Düren gebe es zwar eine offene Szene, in Jülich und Umgebung eher nicht. Im vergangenen Jahr hatte die Drogenberatung kreisweit mit rund 800 Personen zu tun, so Pallenberg weiter. In Jülich selbst wurden 133 Menschen betreut, 2009 waren es 122. Das Altersspektrum reichte von 13 bis 66 Jahren.

Den größten Teil der Hilfesuchenden machten Männer aus (106), 27 Frauen suchten die Unterstützung der Drogenberatungsstelle. Von den 133 Betreuten wiesen 57 eine so genannte „Doppeldiagnose” auf, das heißt sie litten z.B. zusätzlich unter einer Persönlichkeitsstörung, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. 16 Personen wurden in eine stationäre Therapie überwiesen, acht ins betreute Wohnen, 31 wurden substituiert (erhielten „Drogenersatzstoffe”) und psychosozial begleitet.

Ambulante Therapien favorisiert

„Wir arbeiten heute viel stärker mit ambulanter Therapie”, berichtete Wilfried Pallenberg. So lange die Klienten noch einen gewissen Halt im familiären, sozialen oder beruflichen Umfeld finden, sei die ambulante Behandlung die bessere Lösung. Auch sei es nicht mit der Behandlung der betroffenen Person getan, meist werden die Angehörigen mitbehandelt. Die Spitzensubstanzen, die in der Herzogstadt konsumiert werden, sind Cannabis und Amphetamine, Heroin ist stark rückläufig. Auch ist das Klientel in Jülich ein besonders junges. Dafür sei der Jugendalkoholismus rückläufig. Pallenberg: „Das hat in der Masse abgenommen, aber das Komasaufen hat zugenommen.” Woran das liegt, kann der Leiter der Drogenberatungsstelle nicht genau sagen. „Entweder sind die Jugendlichen vernünftiger geworden oder die Einstiegsdroge hat sich verändert.”

Neben der Behandlung von bereits Betroffenen kümmert sich die Beratungsstelle auch um die Prävention. Von insgesamt 248 gab es unter anderem 46 Schulveranstaltungen, 21 Fortbildungen für Lehrer und 46 Veranstaltungen für Eltern. Darüber hinaus wurde eine spezielle Haschisch-Sprechstunde eingerichtet, die stark frequentiert wird.

Als das Problem der Zukunft sieht Wilfried Pallenberg die Spiel- und Internetsucht. „Vor den PC-Spielen sietzen gerade die Jugendlichen, die im realen Leben noch nicht viel geschafft haben.” Das Problem sei, dass diese Süchtigen nicht kriminalisiert werden, weil sie einfach der Öffentlichkeit nicht auffallen. „Die sitzen daheim im stillen Kämmerlein”, so Pallenberg. Für Eltern hat er einen grundlegenden Tipp für alle Suchtprobleme: „Wichtig ist, dass man als Elternteil immer ansprechbar bleibt und nicht direkt mit Bestrafung reagiert.”

Der Kulturausschuss beschloss im Anschluss an den umfangreichen Bericht, der Beratungsstelle und der Endart in Düren im Herbst einen Besuch abzustatten.
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