Drogenmischer „Miraculix” bleibt Antworten schuldig

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Drogenmischer „Miraculix”, wie Szene-Insider den geständigen Karosseriebauer Günter R. (52) nach gallischem Comic-Vorbild nennen, konnte der hartnäckigen Staatsanwältin Jutta Breuer am Mittwoch vor der 2. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht nicht immer befriedigende Antworten geben.

So zum Beispiel, ob die beiden Kuriere, die mit auf der Anklagebank sitzen, denn gewusst hätten, ob die fünf im niederländischen Geleen sichergestellten Kanister tatsächlich mit dem Drogengrundstoff Amphetaminöl gefüllt waren.

Miraculix, der als Kronzeuge in dem Verfahren auftritt, wiegte bedenklich seinen lang bezopften Haarschopf hin und her. „Wissen Sie”, meinte er bedächtig, „der Kees ist kniepig. Der will überall Geld sparen”. Kees M. soll der niederländische Drogenpate sein, der den gesamten Ecstasy-Handel im Grenzgebiet organisiert. Er besorgte den eigentlichen Ecstasy-Wirkstoff, während die anderen „nur” Pillen drehten und für sich gesehen ungefährliche Grundstoffe ankauften oder weiterverarbeiteten.

Und an Löhnen für Drogenkuriere könne man durchaus sparen, meinte Experte Günter R. - dann nämlich, wenn man den Fahrern Glauben macht, dass das Transportgut kein wertvolles Amphetaminöl, sondern simples Reinigungskonzentrat ist. „Wir haben es hier mit der Spitze des Drogeneisberges zu tun”, bekundete Staatsanwältin Breuer beinahe resignierend. Was die Männer in Belgien, Holland und dem deutschen Grenzgebiet auf die Beine gestellt haben, ist beachtlich.

Auch der zweite Hauptangeklagte, der Speditionskaufmann Willi H. (55) aus Jülich, gestand am Mittwoch seine Tatbeteiligung an der schwunghaften Ecstasy-Produktion seit 2003. Der Käufermarkt dürfte nicht nur im hiesigen Grenzland gelegen haben. Denn aus den Grundstoffen zur Tablettenherstellung, die alleine der Jülicher besorgte und weiterverkaufte, konnten nach überschlägigen Rechnungen etwa 53 Millionen Ecstasy-Pillen hergestellt werden - eine gigantische Summe.

Die Pillen wogen nach einem Gutachten, das der Aachener Toxikologe Dr. Manfred Erkens erstattete, etwa 250 Gramm schwer und hatten einen tatsächlichen Wirkstoffgehalt von 60 bis 80 Gramm, durchaus eine anständige Ware. Das kann auch anders sein, wie Miraculix berichtete. Seine Glücksmacher werden in den Yuppiebars und Clubs etwa mit Logos wie Snoopy, der disneyschen Mickey Maus oder einem Marienkäfer vertrieben.

Das Logo „Leon”, also ein Löwenkopf, verriet Miraculix, habe Tabletten geziert, in denen der „Wirkstoff MDMA” gleich null war. „Das soll ich Ihnen glauben, das kann doch gefährlich werden”, wunderte sich die Staatsanwältin. Jene Ecstasy-Fakes seien nur auf Bestellung von außerhalb gemischt worden, meinte R. gelassen.

Er selbst betrieb eine Tablettenmaschine, in der Tonnenweise Vivapur, eine handelsübliche Tablettenbeimengung, und MDMA verarbeitet wurde. Kollege H. aus Jülich besorgte die Grundstoffe regelmäßig, wie er gestand. Der Prozess geht diesen Freitag weiter.
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