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Drogen-Drama vom Pickartzhof: Prozess kurz vor Abschluss

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Tatort: Auf dem Pickartzhof hat ein Sondereinsatzkommando im Februar 2015 eine unterirdische Drogenplantage ausgehoben. Foto: Wolters

Aachen/Jülich. Am Dienstag ist der bereits mehr als zehn Verhandlungstage andauernde Prozess um eine unterirdische Haschplantage in Linnich-Tetz vor dem Aachener Landgericht auf seine Zielgerade eingebogen.

Dort in Tetz auf dem Pickartzhof kamen in den Morgenstunden des 19. Februars 2015 die Kräfte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei aus den Büschen und stürmten den Pickartzhof. Der Grund waren Informationen über eine großangelegte unterirdischen Cannabisplantage, die der Hofbesitzer dort auf seinem Grundstück in fünf vergrabenen Seecontainern angelegt hatte.

Mit der Stürmung des Hofes begann das persönliche Drama des in der Nachbarschaft doch recht angesehen Hofbesitzers und Heilpraktikers. Angesichts der Polizeiübermacht setzte sich der damals 68-Jährige eine Pistole an den Kopf und schoss, ein Beamter hatte noch geistesgegenwärtig versucht, dem Hofbesitzer die Waffe aus der Hand zu schießen, also Szenen wie in einem Western im ansonsten eher verschlafenen Ortsteil Tetz.

13 Kilogramm

Der Hofbesitzer erlag später im Krankenhaus den Schussverletzungen – und hinterließ die Plantage. Auf seinem Dachboden wurden rund 13 Kilogramm verkaufsfertiges Marihuana sichergestellt. Der Hofbesitzer war nicht mehr zur Rechenschaft zu ziehen. Anders allerdings seine mutmaßlichen Helfer, ein befreundetes Ehepaar sowie ihre Tochter und der Schwiegersohn, die sich einem Strafprozess wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln und deren Herstellung stellen müssen.

Entsprechende Aufmerksamkeit bekam der Prozessauftakt vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, bei dem sich seit Februar 2017 das 61 und 63 Jahre alte Ehepaar, ihre 38-jährige Tochter und der 48-jährige Schwiegersohn zu verantworten haben. Inzwischen wird nicht mehr gegen die Tochter verhandelt, die Beweisaufnahme für die anderen drei Angeklagten jedoch wurde am Dienstag geschlossen, es folgte das Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Staatsanwältin Yvonne Scholten ist während der Hauptverhandlung von dem Vorwurf des bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln abgerückt. Denn während des Prozesses stellte sich heraus, dass es eher ein Familienbetrieb zur Herstellung von Drogen waren, die der etwas verschrobene Heilpraktiker angeblich zu therapeutischen Zwecken in der Krebsbehandlung seiner Patienten verwenden wollte. Der 68-jährige sei gesundheitlich nicht mehr auf dem Damm gewesen, führte die Staatsanwältin aus, und habe deswegen die seit Jahrzehnten befreundete Familie um Hilfe in den unterirdischen Cannabisgefilden geben.

Die Angeklagten hätten bis dahin nichts mit Drogen zu tun gehabt, stellte die Anklagevertreterin klar, sie habe dann widerwillig und aus Freundschaft Hilfstätigkeiten wie „Bewässerung und Düngung“ übernommen, an der eigentlichen Ernte sei aber niemand beteiligt gewesen. So beantragt sie am Dienstag für den Hauptangeklagten Helmut Ü. Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll.

Auch Schwiegersohn Frank J. soll eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten bekommen, die Ehefrau soll freigesprochen werden. Am Mittwoch folgen die Plädoyers der Verteidiger. Möglicherweise wird im Anschluss bereits das Urteil gesprochen.

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