DRK bricht im Jülicher Camp die Zelte ab

Von: Volker Uerlings
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Die Landesunterkunft für Flüchtlinge auf der Merscher Höhe wird nur noch bis Mitte November betrieben. Derzeit sind gut 200 Menschen hier untergebracht, allerdings sind die Flüchtlingszahlen so zurückgegangen, dass die Zeltquartiere nun abgebaut werden. Foto: Uerlings
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Sabine Günnel und Werner Lüttgen am inzwischen durch Firmenspenden eingerichteten Spielplatz. Foto: Uerlings

Jülich . Die Flüchtlings-Zeltstadt auf der Merscher Höhe wird Mitte November geschlossen und abgebaut. Der Vertrag der Bezirksregierung mit dem Kreisverband Jülich des Deutschen Roten Kreuzes läuft dann planmäßig aus und wird nach einem Jahr nicht verlängert, weil die Flüchtlingszugänge nach Deutschland deutlich zurückgegangen sind.

In Folge wurden auch beim RP Köln die Planungen geändert, wie die Behörde am Mittwoch mitteilt. Sie muss nun nicht mehr die Kapazitäten vorhalten, die sich noch im Oktober 2015 abzeichneten, als etwa 300.000 Hilfesuchende in einem Monat ankamen. Im Spätsommer des letzten Jahres war die Notunterkunft in Jülich binnen weniger Wochen förmlich aus dem Boden gestampft worden.

„Das ist eine Sachentscheidung, die ich gut verstehen kann“, sagte die Jülicher Campleiterin Sabine Günnel im Gespräch mit unserer Zeitung. Zunächst seien die Turnhallen wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben worden, jetzt würden die Zelte und Leichtbauhallen geschlossen, damit die Menschen in festen Gebäuden unterkommen können. Persönlich sieht sie die Entscheidung auch mit etwas Wehmut, denn „hier steckt jede Menge Herzblut von uns und mir drin“.

Das Jülicher Camp galt als Vorzeigeeinrichtung, bei der die Expertin des Roten Kreuzes ihr Know-how aus vielen Tätigkeiten weltweit eingebracht hat. Dieses Konzept, das stark auf Sozialbetreuung der Flüchtlinge setzt, ist unter dem Strich aufgegangen, denn mit einer Ausnahme – einer familiären Rangelei – hat es keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben. Die Leiterin erklärt: „Unsere Präventionssysteme haben gegriffen, lange bevor ein kleinerer Alltagsstreit eskaliert.“

Weil die Einrichtung – ausgelegt für 1000 Menschen – nie auch nur im Ansatz voll belegt war, sei die Zeit geblieben, sich sehr viel individueller um die Bewohner zu kümmern.

Der Belegungsspitzenwert lag bei knapp 270, derzeit sind genau 202 Frauen, Männer und Kinder im Camp untergebracht. Diese geringere Auslastung hat das DRK Jülich als Betreiber inklusive zahlreicher ehrenamtlicher Helfer aus der Stadt genutzt, um den Bewohnern zum einen mehr Privatsphäre einzuräumen und zum anderen die Betreuungsangebote zu intensivieren.

Sabine Günnel ist überzeugt: „Die Systeme sind deutlich leistungsfähiger. Die Unterkunft kann auch 1000.“ Werner Lüttgen von der Bezirksregierung, der die Einrichtung von Anfang an begleitet hat, pflichtet ihr bei.

In Jülich kursierende Gerüchte, wonach das DRK schon etliche Mitarbeiter „vor die Tür gesetzt“ haben soll, widersprach Günnel gestern kopfschüttelnd: „Die Identifizierung unserer Mitarbeiter ist sehr hoch. Als wir sie informierten, haben sie gleich gesagt: Wir haben zusammen angefangen, wir schalten zusammen auch das Licht aus.“

Sprich: Die Verträge des DRK mit dem Personal sind zeitlich an den Vertrag mit der Bezirksregierung gekoppelt. Die Laufzeit endet im November – und nicht früher. Rund 50 Kräfte sind in der Rotkreuz-Notunterkunft beschäftigt.

Sabine Günnel und Werner Lüttgen verdeutlichten gestern, dass niemand das Gefühl habe, auf gepackten Koffern zu sitzen. „Wir haben uns hier weiter um die Menschen zu kümmern.“

Vergangene Woche sind neue Flüchtlinge angekommen, für die derzeit Sprachkurse organisiert werden. „Auch unsere Ehrenamtler machen weiter wie bisher, und das tut den Menschen, die bei uns leben, gut“, sagt die Campleiterin.

In absehbarer Zeit werde die Verteilung der heutigen Jülicher Bewohner auf andere Einrichtungen organisiert und vorbereitet. Die Flüchtlinge sind mit ganz wenig gekommen und wurden mit gespendeten Kleidern versorgt, die sie dann auch mitnehmen. Von daher bitten Günnel und das DRK Jülich um weitere Sachspenden: nämlich Koffer und Reisetaschen, die spätestens im Herbst benötigt werden. Fahrräder für Erwachsene und Kinder sind weiterhin willkommen.

Bis Mitte November können immer wieder neue Flüchtlinge auf der Merscher Höhe ankommen. Die Bezirksregierung hat aber vorsorglich die Kapazitäten nun auch auf dem Papier begrenzt: Ab 15. August liegt die Grenze bei 600 Plätzen, ab Oktober bei 400. Und nach dem Abbau der Landesunterkunft bleibt die hergerichtete Fläche praktisch „auf Standby“, damit dort bei Bedarf schnell Leichtbauhallen oder Container aufgebaut werden können, wie die Bezirksregierung mitteilt.

In den letzten zehn Monaten hat sich auf der Merscher Höhe durch die Notunterkunft viel getan. Von außen sichtbar ist ein beleuchteter Radweg an der Landesstraße 241. Wesentlich wertvoller für die Stadt dürfte die Erschließung des Geländes sein, die alle wichtigen Rohre, Kabel und Leitungen enthält.

Während bis Mitte Mai die Tanks mit Camp-Abwässern mittels Pumpwagen mehrfach täglich entleert werden mussten, sind die Entsorgungskanäle seitdem voll funktionstüchtig. Und sie bleiben es, wenn auf dem großen Gelände das geplante interkommunale Gewerbegebiet realisiert wird.

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