Drewermann spricht in Jülich über Bewahrung der Schöpfung

Von: ptj
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Still und scheinbar betreten lauscht das Publikum: Der Autor, Kirchenkritiker und Psychotherapeut Professor Eugen Drewermann referiert in der gut gefüllten Christuskirche. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich hatte von Anfang an einen Klos im Hals“ – so brachte eine Zuhörerin die Wirkung des freien Vortrags auf den Punkt, den der bekannte Autor, kirchenkritische Theologe und Psychotherapeut Professor Eugen Drewermann in der Christuskirche hielt.

Sein Thema „Bewahrung der Schöpfung – was bedeutet das für den Umgang mit Tieren?“ war eingebettet in die Themenreihe der Evangelischen Kirchengemeinde und der Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Jülich, die den würdevollen Umgang mit Tieren behandelt. „Wir haben uns entschlossen, hinzugucken, weil Weggucken fast schon Sünde ist“, bekräftigte Pfarrer Udo Lenzig die Motivation.

„Ich möchte Ihnen zeigen, dass wir kein gutes Recht haben, zu bleiben, wie wir sind, denn alles, was wir tun, basiert auf Zerstörung“, war die Schlüsselaussage von Drewermanns Referat, dem das Publikum still und scheinbar betreten lauschte. Es begann mit dem täglichen Sterben der Tierarten und der Vernichtung der letzten verbliebenen Naturreservate, bedingt durch die ungezügelte Vermehrung der Menschheit. Dennoch sei „Wachstum die eine Ideologie im Deutschen Bundestag“. Ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen habe die Qual der Wahl zwischen Lohndumping, Outsourcing oder einem möglichst billigen Zugriff auf die Ressourcen. Also machen „Wirtschaftsinteressen uns grausam“. Zudem stelle die Natur „keinen eigenen ökonomischen Wert dar“.

Drewermanns Stimme brach, als er über die Massentierhaltung leidensfähiger Mitgeschöpfe „als Betriebsbedingung“ sprach. „Sie sind in ihrer kurzen Lebenszeit nichts weiter als Maschinen zur Herstellung von Schlachtfleisch. Die Verarbeitung von Wurst und Fleisch würde das Entsetzen von Kindern hervorrufen, die eine essentielle Wahrnehmung für lebende Wesen haben“. Treffende Beispiele, etwa von Schweinekastrationen ohne Betäubung, lebendig geschredderten Küken oder Kälbern, die nie bei ihrer Mutter saugen durften, blieb Drewermann nicht schuldig.

„Ein Tier weiß nur, dass es leidet. Der einzige Unterschied zu uns ist, dass wir Abstand nehmen können. Wir sind in einen Teufelskreis geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt“, folgerte der Referent. Nur durch Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen könne der Mensch Leid mindern. „Wie grausam muss man sein, zu denken, ein Tier stirbt gerne?“, führte Drewermann seine Gedanken weiter aus.

Skrupel bei indigenen Völkern

Wiederholt führte er die Philosophen Arthur Schopenhauer und Albert Schweitzer an, die auf das Leid der Tiere hinwiesen, und zeigte Unterschiede etwa zwischen dem christlich/abendländischen und dem indischen Kulturkreis auf, wo man im Umgang mit Tieren „Erstaunliches“ erlebe. Auch indigene Völker hatten Skrupel und Schuldgefühle, weil sie etwa den Büffel zum Überleben töten mussten und beteten um Vergebung. „Wir gewöhnten uns jegliches Schuldgefühl ab.“

In der Bibel existiere „nicht ein einziges Gesetz zum Tierschutz“. In Genesis 1 werden den Menschen Pflanzen zur Nahrung gegeben, im neunten Kapitel erfolge „die Freigabe der Tiere als menschliche Nahrung“. Haben Tiere eine unsterbliche Seele? Eine Frage, die den Theologen erbost. Natürlich. „Dass nur Menschen eine unsterbliche Seele haben sollen, ist ihr Todesurteil“.

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