Drei weitere Versuche in Jülich, Hunde zu vergiften

Von: Guido Jansen
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Glück im Unglück: Mandy hat den Vergiftungsversuch überstanden. Helene Offergeld und Frank Beginn können das Vorgehen des unbekannten Täters nicht nachvollziehen, sie wehren sich mit Flugblättern. Foto: Jansen

Jülich. Die Fälle von öffentlich ausgebrachtem Rattengift auf der Artilleriestraße in Jülich, an dem mehrere Hunde erkrankt und mindestens zwei eingingen, sind immer noch nicht geklärt. Jetzt gibt es in Jülich eine neue Serie mit vergifteten Hunden.

In mindestens drei Fällen haben unbekannte Täter Giftköder auf Privatgrundstücke in Stetternich, der Innenstadt und in Barmen geworfen. Alle drei Hunde haben nur überlebt, weil Frauchen oder Herrchen schnell reagiert haben.

„Hätte mein Freund das nicht direkt bemerkt, dann wäre Mandy jetzt möglicherweise tot“, sagt Helene Offergeld aus Barmen. Mandy ist eine Mischlingshündin unbekannten Ursprungs, die vielleicht ein knappes Jahr alt ist. So genau wissen Offergeld und ihr Freund Frank Beginn das nicht. Denn sie haben Mandy als Welpe im Sommer aus einer Tötungsstation im spanischen Valencia übernommen.

Rattengift

Am Abend des 14. Dezember verlässt Beginn mit der Hündin das Haus. Eine letzte Runde steht auf dem Programm. Mandy tollt über das große, eingezäunte Grundstück. „Was hat sie denn da im Maul“, fragt sich Beginn. Er sperrt der Hündin das Maul auf und entfernt eine halbe Frikadelle, die mit blauem Rattengift versetzt ist. Die andere Hälfte hat Mandy schon geschluckt. Beginn sieht sich auf dem Grundstück um, findet vier weitere Frikadellen, die alle mit den blauen Giftkugeln versetzt sind. „Wir haben dann die Polizei gerufen und sind mit Mandy noch zum Tierarzt gefahren“, berichtet Offergeld. In der Tierarztpraxis Reinartz wird der Hündin ein Brechmittel verabreicht, zusätzlich erhält sie ein Gegengift. Achtmal übergibt sich das Tier, dabei tritt blauer Schleim hervor.

Mandy hat Glück gehabt, dass ihr Herrchen sie beim Fressen des Giftes gesehen hat. Denn die tödliche Wirkung des Rattengifts setzt erst nach einigen Tagen oder erst nach einer Woche ein. Treten die Symptome auf, dann kommt jede Hilfe zu spät. Tiere, die das Gift gefressen haben, verbluten qualvoll innerlich. Offergeld und Beginn haben bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Außerdem haben sie in Barmen 250 Flugblätter verteilt, um auf die Vergiftungsversuche aufmerksam zu machen. Es war nicht das erste Mal, dass jemand versucht hat, ihren Tieren zu schaden. Vor vier Jahren hatte der andere Hund, ein Rüde namens Moritz, Hackbällchen gefressen, in denen halbe Rasierklingen eingearbeitet waren.

Schneckenkorn

„Jetzt habe ich hier schon ein so großes Grundstück, auf dem die Hunde laufen könnten. Und jetzt haben wir hier Angst, dass wieder was passiert“, sagt Offergeld. Beide sind sich sicher, dass die Giftköder von außen auf das Grundstück geworfen worden sind. Zumal Tierärztin Josefine Heckhausen-Reinartz berichtet, dass es zwei weitere Fälle ähnlicher Art gegeben hat. In Stetternich und auf ihrem eigenen Grundstück. Da haben die Täter Schneckenkorn genommen statt Rattengift. Das wirkt deutlich schneller.

Am 15. Dezember wurde die fünf Monate alte Labrador-Hündin der Reinartz‘ mit einem auf ihr Grundstück geworfenen Fleischköder vergiftet. „Wenn meine Mutter den Hund nicht gefunden hätte, wäre er tot“, sagt Heckhausen-Reinartz. Das Tier habe schon gekrampft, eine Atemlähmung habe kurz bevorgestanden. Mit einem Brechmittel wurde der Magen geleert, nach Verabreichen des Gegenmittels habe der Hund sich stabilisiert. „Auf unserem Grundstück haben wir dann noch mehrere solcher Köder gefunden“, sagt sie.

Der Fall aus Stetternich, der ebenfalls bei ihr zur Behandlung war, sei ähnlich abgelaufen. „So viele Fälle an vergifteten Hunden, wie wir jetzt in den vergangenen Wochen hatten, haben wir sonst über mehrere Jahre verteilt“, sagt die Tierärztin. Im Hause Offergeld/Beginn ist das Unverständnis groß. Klar, Hunde bellen auch schon mal. Darauf würden sie achten. „Wenn jemand ein Problem mit uns hat, dann soll er zu uns kommen und mit uns darüber sprechen“, sagt Helene Offergeld. „Aber doch nicht so!“

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