Drei Top-Nachwuchsforscher aus Koslar

Von: Laura Broderius
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Früh übt sich: Jens Modrynski (l.) und Oliver Jonas (r.) ermitteln den besten Papierflieger mit ihrer Wurfmaschine. Foto: Laura Broderius
Lukas Löken
Lukas Löken präsentiert das Hauptelement seines Versuchsaufbaus. Foto: Laura Broderius

Koslar. „Das war total komisch“, erinnert sich Lukas Löken (9) an den Moment, in dem sein 2. Preis beim Landesentscheid „Jugend forscht - Schüler experimentieren“ in Essen verkündet wurde. Jens Modrynski (9) und Oliver Jonas (10) gewannen ebenfalls gemeinsam einen 2. Preis.

Keiner der drei Viertklässler konnte es fassen. Noch nie hatten Schüler der Grundschule Koslar zwei Preise auf einmal im Landeswettbewerb gewonnen. Bisher gab es nach etlichen Gewinnen auf Regionalebene erst einmal einen Preis auf Landesebene.

„Top Spin – welcher Tischtennisschläger ist am besten?“ lautet das Experiment aus dem Fachbereich Physik von Lukas Löken. „Ich wollte wissen, ob es gerechtfertigt ist, dass wir uns zu Hause immer um die teureren Schläger streiten, wenn wir Tischtennis spielen“, beantwortet der Neunjährige die Frage, wie er auf seine Idee gekommen ist. „Es geht darum, zu testen, wie sich die entsprechenden Schläger-Beläge auf die Bewegung des Balles auswirken.“

Dazu dreht der Viertklässler das flach auf dem Tisch angebrachte Rad eines Fahrrads mit der Hand an, so dass der an den Speichen befestigte Tischtennisschläger in Bewegung versetzt wird. An einer Stelle des Rads ist ein Magnet befestigt. Kommt dieser an einem unter dem Rad liegenden Magnetschalter vorbei, fließt Strom. Dieser veranlasst einen Elektromagneten auf einem aus Bauklötzen gebauten Turm, den an der Spitze befestigten Tischtennisball herunterfallen zu lassen.

Wenn dieser senkrecht auf die Oberfläche des Schlägers trifft, simuliert der durch das Rad bewegte Schläger die von unten nach oben ausgeführte Schlägerbewegung, die den Top Spin ausmacht. „Trifft der Ball zu früh oder zu spät auf den Schläger, muss ich entsprechend die Position des Magneten verändern, so dass es wieder passt“ sagt Lukas Löken. Mit einem Kilometerzähler kontrolliert er die Geschwindigkeit des Rades und kann mit einer Aufnahme in Zeitlupe genau sehen, wie oft sich der Ball nach dem Schlag dreht.

Teure Schläger besser

Dadurch macht er die verschiedenen Schläger exakt vergleichbar, indem er die Ballbewegung unter immer gleichen Bedingungen vergleicht. Am Ende sind es tatsächlich die teureren Schläger, die den besten Top Spin verursachen.

„Zwar springt der Ball bei billigeren Schlägern schneller in die Höhe, jedoch brauchen mehr Umdrehungen auch mehr Zeit – und umso mehr Umdrehungen, umso besser der Top Spin“ bemerkt der Jungforscher und beweist damit eine bemerkenswerte naturwissenschaftliche Denkweise für sein Alter. Er hat sogar schon eine Anfrage einer Firma bekommen, ober er Werbung für ihre Tischtennisschläger machen würde.

Auch Jens Modrynski und Oliver Jonas beweisen im Fachbereich Technik ein überdurchschnittliches Forschertalent. „Untersuchung Papierflieger: Welche Eigenschaften unterstützen den Weitflug?“ heißt ihre Forschungsarbeit. Da sie oft Papierflieger basteln, wollten sie herausfinden, welche Falttechnik am besten ist.

Mit einer selbst entwickelten Wurfmaschine schaffen sie gleiche Voraussetzungen für jeden Wurf, damit die Papierflieger unverfälscht verglichen werden können. Wie bei einem Katapult befestigen sie jeden Papierflieger an dem Wurfarm, den sie waagerecht am Startpunkt einrasten lassen. Wenn sie die daran befestigte Kordel ziehen, schnellt der Metallarm senkrecht nach oben und wird von einer Feder aufgefangen, während der Papierflieger herauskatapultiert wird. Um möglichst viele Modelle zu testen, bastelten Eltern und Schüler am Tag der offenen Tür Hunderte von Fliegern, die in der Turnhalle mit der Wurfmaschine getestet wurden. Das Siegermodell legte beachtliche 16,5 Meter zurück.

Es ist sehr selten, dass Viertklässler so weit in dem Wettbewerb kommen. Mit ihren 9 oder 10 Jahren sind sie die jüngsten Teilnehmer. Trotzdem sind es immer wieder die Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Koslar, die meisten Erfolge nach Hause bringen. In einer Jugend forscht-AG unter der Leitung von Andrea Rathmann werden sie motiviert, Ideen zu sammeln und Spaß am Forschen zu entwickeln.

„Die stecken sich gegenseitig an“, beobachtet Rathmann immer wieder bei ihrer Arbeit mit den Kindern. „Ich sage ihnen immer, sie müssen ihr Produkt richtig verkaufen. An Selbstbewusstsein gewinnen die Kinder in diesem Wettbewerb unglaublich viel.“ Auch wenn die Eltern bei der Arbeit viel mithelfen, gehe es um die Erfahrung und die Förderung der Kinder, die sie dazu animiere, die Welt genauer wahrzunehmen.

Preis für die Schule

Die GGS Koslar erhielt sogar den „Schüler experimentieren – Schulpreis NRW 2016“ für ihre hohe Beteiligung und ihr großes Engagement in der MINT-Förderung ihrer Schüler. Vor allem für eine Grundschule ist dieser Preis einzigartig. Sie ist eine von nur sehr wenigen Grundschulen, die überhaupt an Jugend forscht teilnehmen.

„Bei anderen Grundschulen kommt diese Art von Förderung etwas zu kurz, wenn man bedenkt, wie viel es den Kindern für ihre spätere Entwicklung bringt“, so Rathmann.

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