Drei Stichwahlen: Was sollte ein Bürgermeister können?

Von: Volker Uerlings und Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Sicher eine der ungewöhnlichsten Tätigkeiten eines Bürgermeisters: Die Loswahl des ehrenamtlichen stellvertretenden Jülicher Bürgermeisters durch Heinrich Stommel im Jahr 2009. Foto: Uerlings (2), Kinkel
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Hermann Heuser (Niederzier)
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Jürgen Frantzen (Titz)

Jülicher Land. Das Bürgermeister-Bild ist vielfach geprägt von Männern in Anzügen, die bis vor kurzem meist den etablierten Parteien angehörten. Seit einigen Jahren gibt es auch parteilose Amtsinhaber. Spätestens beim ersten Durchgang der Wahlen 2015 wurde das Angebot deutlich bunter und vielfältiger.

Manche wurden auch belächelt – einige zu Unrecht: siehe 17 Kilometer Luftlinie von Jülich nach Geilenkirchen. Dort geht ein parteiloser ehemaliger Plattenladenbesitzer, der zudem einige Jahre eine Bar in Thailand (Phuket) betrieben hat und rasender Unfallreporter der Zeitung war, nun mit dem besten Vorergebnis in die Stichwahl! Und auch bei den Entscheidungswahlen in Jülich, Linnich und Inden morgen sind Überraschungen möglich bis wahrscheinlich.

Was sollte ein Bürgermeister „drauf haben“? Diese Frage haben wir bewusst umgangssprachlich und volksnah nicht nur uns gestellt, sondern auch einigen Männern, die den Job von innen und außen kennen. Aber auch Vertretern aus Vereinen und Wirtschaft. Dabei sind Kriterien herausgekommen, die Sie in den Kandidaten-Checks unten finden, der dort auch näher erläutert ist. Die Redaktion hat sie erweitert um Attribute, die der Wählerschaft auch wichtig sind (Sympathie!).

Daneben haben wir mit den Verwaltungschefs aus dem Jülicher Land gesprochen, die nicht zur Wahl stehen oder nicht mehr antreten. Sie finden Ihre Antworten hier nachfolgend und auf der 3. Lokalseite, die wie unsere 4. Lokalseite vornehmlich im Zeichen der Bürgermeister-Stichwahlen steht: also drei Stichwahlen – drei Schwerpunktseiten.

Also: Was muss ein Bürgermeister unbedingt „drauf haben“. Die Antwort des Niederzierer Bürgermeisters Hermann Heuser: „Die Aufgaben eines hauptamtlichen Bürgermeisters sind in der Gemeindeordnung geregelt (insbesondere Vorsitz im Rat, Leitung der Verwaltung, Führung eines Dezernats, gesetzliche Vertretung der Kommune, Repräsentant der Bürgerschaft, Ansprechpartner für die Bürger).

Da nach meiner Erfahrung die Leitung der Verwaltung bei schwieriger werdenden Rahmenbedingungen und einem breiten Aufgabenspek­trum 70 bis 75 des Arbeitsumfanges eines Bürgermeisters ausmacht, sollten Amtsinhaber „Verwaltung“ kennen und können, wozu auch Attribute wie Impuls- und Ideengeber, Motivieren, Moderieren, Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt Belastbarkeit bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 60 Stunden gehören.“

Der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen antwortet so: „Ein Bürgermeister hat grundlegend drei Aufgaben. 1. Er leitet die Verwaltung. 2. Er ist Repräsentant nach innen und außen. 3. Er ist Vorsitzender des Rates. Daraus ergibt sich, dass man Personalführungskompetenz braucht, sich in einer Verwaltung auskennen muss, kommunikativ gut ist, moderieren und – immer wichtiger – Menschen „mitnehmen“ kann.“

Wir haben auch gefragt, von welcher Erfordernis die Verwaltungschefs am Anfang ihrer Amtszeit überrascht wurden. Frantzen: „Kritik an Entscheidungen des Rates wird auch gern auf die Person des Bürgermeisters konzentriert. Das hat mich überrascht. Man muss lernen, das ernstzunehmen und damit umzugehen. Ansonsten ist das der schönste Job, den ich kenne.“

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