Drei Hausmeister kümmern sich um alle Flüchtlingswohnungen

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Richten die Flüchtlingswohnungen ein und erklären die ersten Schritte in Jülich: Die Hausmeister Mohamad Khomassi, Sofiane Sghaier, Mohsin Sahme (v.r.) mit Doris Vogel, Leiterin des Sozialamtes. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Die Flüchtlinge kommen mit nichts in den zugewiesenen Kommunen an. Das, was sie zum Überleben brauchen, stellt die Stadt bereit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mohamad Khomassi, Sofiane Sghaier und Mohsin Sahme kümmern sich darum. Sie sind als Hausmeister angestellt, doch umfasst ihre Tätigkeit viel mehr.

Sie sind auch erste Ansprechpartner, Übersetzer, Integrationshelfer und manchmal Lebensratgeber – von allem ein bisschen. Sahme stammt aus Marokko, Sghaier hat tunesische Wurzeln, und Khomassi kommt aus dem Libanon. Alle drei leben seit vielen Jahren in Deutschland und sprechen neben Deutsch, Französisch, Englisch – Sghaier spricht zudem Italienisch – und natürlich Arabisch.

„Eigentlich war die handwerkliche Begabung Voraussetzung für den Job“, sagt Doris Vogel. Jetzt sieht sie das anders. Viel wichtiger seien die Sprachkenntnisse. So können die drei den Flüchtlingen sofort ihre Rechte und Pflichten erklären, sagt Doris Vogel. Und: Kommunikationsprobleme sind auf ein Mindestmaß reduziert.

Die Hausmeister statten die Wohnungen für die Flüchtlinge einzugsfertig aus. Sie richten sie mit dem Notwendigen ein, stellen Handtücher und Geschirr bereit. Auch kleinere Reparaturen gehören zu ihren Aufgaben. Mittlerweile sind sie für 60 Objekte über das Stadtgebiet verteilt zuständig. „Wir schauen, was die Familien brauchen“, sagt Khomassi, „gehen auch mit den Flüchtlingen Einkaufen, zeigen, wo sie was bekommen und was die Sachen kosten“.

Mohamad Khomassi kann sich gut in ihre Situation hineinversetzen. Seine Familie ist ebenfalls geflüchtet – aus dem Libanon. Damals war er acht Jahre alt. Auch er hat in einer Flüchtlingsunterkunft in Jülich gelebt. Mit dieser Erfahrung treffe er Entscheidungen anders, sagt Khomassi. Er kenne das Gefühl der Menschen, wenn sie einem Zimmer zugeteilt werden, indem sechs Personen untergebracht werden. „Dann kann ich sie beruhigen, auf sie einwirken und von eigenen Erfahrungen erzählen.“

Die Hausmeister lernen die Familien kennen, wissen was sie bewegt und in die Flucht getrieben hat. Sie kennen die Not der Menschen. Sie wissen auch, dass die aktuelle Diskussion um das Ende des Familienzuzugs Männer in Tränen ausbrechen ließ. Sie, die vorgeschickt werden, sollen die Familien retten. Nun ist die Verzweiflung wieder da, nachdem eine sichere Zukunft in Sicht schien.

„Meine Frau möchte nicht mehr, dass ich davon Zuhause erzähle“, sagt Sahme. „Sie muss sofort weinen.“ Auch Khomassi ergeht es so. So stützen sich die drei Hausmeister gegenseitig. „Zwischen uns harmoniert es, obwohl wir aus unterschiedlichen arabischen Ländern stammen. Dabei sind auch wir verschieden, selbst im Glauben“, verrät Khomassi, der sich heute eindeutig als Jülicher fühlt. Er sei Schiit und die anderen Sunniten, sagt er und lacht. Worauf Sghaier halb scherzhaft, halb ernst erwidert: „Du bist Schiit? Das wusste ich gar nicht!“ Und damit deutlich zeigt: Zwischen ihnen spielt das keine Rolle.

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