Drei Franzosen aus Jülich beteiligen sich an den Wahlen

Von: Volker Uerlings
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Französische Zeitungen und TV-Duelle gehören im Präsidentschaftswahlkampf zum festen Programm der in Jülich lebenden Franzosen: Emmanuel Kentzinger (v.r.) und Veronique Kentzinger. Foto: Uerlings

Jülich. Es gibt Parallelwelten, die vollkommen integriert sind. Das trifft auf ein Jülicher Trio mit französischem Pass zu. Veronique (47) und Dr. Emmanuel Kentzinger (48) sowie Catherine Wagner (70) leben und arbeiten in der Herzogstadt, die im 19. Jahrhundert zwei Jahrzehnte zum Département de la Roer gehörte und bis heute auch einen eigenen französischen Namen hat: Juliers.

Sie sind gut vernetzt, aber richten gelegentlich ihren Fokus sehr gezielt auf die alte Heimat. Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich am 23. April sind dafür ein aktuelles Beispiel, die nicht wenige für die spannendste seit Jahrzehnten halten. Diese Entscheidung elektrisiert auch die „Jülicher Franzosen“.

Nicht wenig als elf Kandidaten stehen zur Auswahl und bestimmen die politischen Diskussionen bei den Kentzingers in Lich-Steinstraß oder Catherine Wagner in Jülich. Wobei das Trio nicht wirklich diskutiert, sondern in einem Ziel einig ist: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, in den jüngsten Umfragen mit Emmanuel Marcon (unabhängiger Kandidat) gleichauf an der Spitze (rund 24 Prozent), wollen sie nicht im höchsten Amt der „Grande Nation“. Catherine Wagner sagt es deutlich: „Das ist eine Wahl gegen oder für Le Pen.“

Gleichzeitig macht die pensionierte Lehrerin deutlich, dass sie in einem Dilemma steckt: „Ich fühle mich von keinem Kandidaten wirklich repräsentiert und wähle nützlich.“ Also so, dass Le Pen verhindert wird. Das scheint mit Macron möglich, der aber die französischen Wähler vor ein anderes Problem stellt: Er ist unabhängig. Veronique Kentzinger erklärt: „Entweder man ist rechts oder links, ein Mittelweg ist für viele Franzosen schwierig.“ Sie habe durch ihre Heimat in Deutschland mit Koalitionen und Kompromissen auf allen Ebenen leben gelernt. „Ich bin da deutsch beeinflusst.“

Das Trio ist sich eigentlich sicher, dass Marine Le Pen wohl die Stichwahl erreicht, hier aber dann keine Chance haben dürfte, da sei die Einigkeit unter den demokratischen Kräften zu groß. Mit einer Ausnahme: In jüngster Zeit macht Jean-Luc Mélenchon (Linksbewegung) rasant Boden gut und hat den lange als Mitfavoriten gehandelten François Fillon (Les Républicains) überholt. Wenn er auch Macron abhängt, könnte es zur Wahl zwischen den extremen Positionen rechts und links kommen.

Frankreich erlaubt keine Briefwahl, so dass die Wahlberechtigten aus Jülich und Umgebung ein Wahllokal in Köln oder Düsseldorf am 23. April aufsuchen müssen. Familie Kentzinger und Frau Wagner sind dann auch auf Achse, zumal dieses Trio ja die europäische Idee lebt und weiter an sie glaubt. Das ist eine Frage der Überzeugungen, mitunter gibt es aber auch pragmatische Gründe. Veronique Kentzinger erinnert sich, als sie 1998 zunächst nach Aachen und ins Dreiländereck kam. „Da hatten wir vier Portemonnaies“ für die vier gebräuchlichen Währungen. Das ist heute deutlich einfacher.

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