Drei Buchstaben managen Jülicher Zukunft

Von: Volker Uerlings
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Im Hintergrund links das Flüchtlingscamp auf der Merscher Höhe, weit davor die Tiefbauarbeiten zur Abwasserentsorgung zunächst des Camps und später des geplanten Gewerbegebietes. Frank Drewes (v.r.), Axel Fuchs und Jan Schayen nehmen das Bauprojekt unter die Lupe, das von der Stadtentwicklungsgesellschaft für die Bezirksregierung realisiert wird. Foto: Uerlings

Jülich. Klingt ein bisschen kitschig, ist aber wahr: Eine der städtischen Gesellschaften hat eine Aschenputtel-Entwicklung hinter sich – vom ungeliebten Stiefkind zum Hoffnungsträger der Jülicher Zukunft. Die Rede ist von der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG).

Sie wurde über Jahre mit Aufgaben überhäuft, die der städtische Haushalt nicht mehr hergegeben hat. Denn eine Kommune mit Bau- und Gewerbegebieten weiterzuentwickeln, kostet zunächst nur Geld, das über Jahre und Jahrzehnte vorfinanziert werden muss. Jeder Meter Kanal, jeder Quadratmeter Bürgersteig, jedes teure Gutachten, bevor Flächen vermarktet werden dürfen.

Ist die Nachfrage groß, kommt das Geld zurück – irgendwann. Ist sie es nicht, bleibt diese kommunale GmbH auf den Verbindlichkeiten samt Zinsen sitzen. Diese ungewisse Situation ist auch zu erwarten, wenn Jülich gemeinsam mit den Gemeinden Niederzier und Titz im Gewerbegebiet Merscher Höhe an den Start geht, wenngleich hier das „Leid“ (grob erklärt) durch drei geteilt wird. Das minimiert das Risiko für alle.

Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass die SEG nach fast einem Jahrzehnt in tiefroten Zahlen nun zum dritten Mal in Folge einen Überschuss erwirtschaftet hat. Die drei Buchstaben „SEG“ managen nun die Jülicher Zukunft. Die Politik hat dieser Entwicklung Rechnung getragen: Sie hat den Vertrag mit Geschäftsführer Frank Drewes vorzeitig ab 2017 um weitere fünf Jahre verlängert – zu „angepassten“, also besseren Konditionen.

Das schafft Planungssicherheit, denn das kleine Team um Drewes (zwei Mitarbeiter) muss neben der Merscher Höhe auch die Planung und Vermarktung des größten Jülicher Neubaugebietes stemmen: der alten Fachhochschulfläche. In Summe geht‘s um 250 Bauflächen.

„Die Leistung der Stadtentwicklungsgesellschaft ist vielen im Stadtrat gar nicht bewusst“, sagt Jan Schayen, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender (CDU). Die SEG habe bei der Ansiedlung des Flüchtlingsnotunterkunft eine Verquickung zwischen Camp und Campus Merscher Höhe durch geschickte Verhandlungen geschaffen.

Ganz konkret werden wollen weder Schayen noch Axel Fuchs. So viel sagt der Bürgermeister: „Herr Drewes hat ganz hervorragend verhandelt und das Beste für die Stadt rausgeholt.“ Gemeint ist die Infrastruktur (Kanal, Versorgungsleitungen), die derzeit von der Bezirksregierung für das Camp geschaffen wird, aber eben später auch dem Gewerbegebiet zur Verfügung steht. Das ist ein großer Batzen Geld, der später nicht mehr aufgewendet werden muss.

Die Gewerbeflächen sind objektiv sicher die größte „Baustelle“ der Stadt, wie Fuchs, Schayen und Drewes im Redaktionsgespräch darlegen. Drewes wird deutlich: „Wir haben seit 2011 fast keine Flächen mehr.“ Und das in einer Stadt mit dem größten Ausgründungspotenzial nach Aachen und Köln.

Das soll sich in Verbindung mit Forschungszentrum und FH ändern, denn ein Teil des neuen interkommunalen Gewerbegebietes wird als „Campus“ entwickelt, etwa drei bis vier Hektar. Während der größte Teil der Merscher Höhe klassischem Gewerbe in bunter Mischung zur Verfügung stehen wird, hat der „Campus“ ein Thema: Neue Energien.

(Aus-)Gründer der Jülicher Forschungsschmieden, Ingenieure, Dienstleister bis zum Einzelhandel sollen sich hier ansiedeln, wenn sie thematisch passen. Unter Umständen seien Gebäude zu schaffen, sagt Drewes. Wieder eine teure Vorfinanzierung. Er sagt: „Das ist für drei Kommunen allein nicht zu stemmen. Das ist aktive Regionalentwicklung. Wir brauchen alles an Verbündeten, was zu kriegen ist.“ Ob und inwieweit diese Idee tragfähig ist, soll ein Gutachten darlegen, das Mitte Juni erwartet wird. Mit (Hoch-)Spannung.

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