Barmen - Dreh am See: Kurzfilm über heikles Thema

Dreh am See: Kurzfilm über heikles Thema

Von: ptj
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Probe einer actionreichen Szen
Probe einer actionreichen Szene am Barmener Baggersee: Janna findet Niklas Scherz keineswegs lustig, sie wehrt sich und verletzt den Jungen. Foto: Jagodzinska

Barmen. „Achtung, wir drehen. Ton läuft” hieß es unzählige Male in den fünf Drehtagen im Naturschutzgebiet am Barmener Baggersee. Ein etwa 25-köpfiges Team aus hauptsächlich jungen Darstellern, Schülern, Studenten, Semiprofis und Profis, drehte den etwa 20-minütigen, einfühlsamen Kurzfilm „Janna”.

Hierbei handelt es sich um eine Produktion der Internationalen Filmschule Köln (ifs) und gleichzeitig die Abschlussarbeit des dortigen Bachelor-Studiengangs Film. Der See ist einer von sechs Locations, aufgezeichnet wird mit einer Hochleistungs-Digitalkamera. Hauptdarstellerin ist die 15-jährige Sinje Irslinger, Gymnasiastin in Köln, in ihrer ersten Rolle. Sie verkörpert das Mädchen Janna, das in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurde - inzwischen hat sie das traumatische Erlebnis total verdrängt.

Ihre Mutter Dorothe (Kathrin Waligura aus Berlin) will den Missbrauch hingegen „wegstreicheln”, obwohl sie merkt, dass dies nicht gelingt. Mutter und Tochter, beste Freundinnen, sind umgezogen, und nach einem Neustart immer in Action. Das Verborgene kommt wieder hoch, als Janna sich in den gleichaltrigen Niklas (Jasper Smets aus Grevenbroich) verliebt. Da Janna nicht darüber reden kann, teilt sie sich Niklas in der Weise vieler Missbrauchsopfer mit: Sie erniedrigt ihn und lässt ihn allein. Erst in der letzten Szene, die später im Freizeitpark Bestwig gedreht wird, wendet sich Dorothe ihrer Tochter zu und sucht das Gespräch.

Als Darstellerin der „kleinen Janna” agiert die neunjährige Luise Warda, die in einem Kornfeld in Euskirchen ein „subjektives Bild” entstehen lässt. Denn „Missbrauchsopfer träumen weg, sie denken nicht an den Missbrauch, sondern daran, was sie dabei geträumt haben”, sagt Filmproducerin und Produktionsstudentin Anna Knolle.

Düsteres Thema leicht erzählt

Ein zugezogener Vorhang und ein Gemälde mit einem Baum und einem Kornfeld in aufkommender Brise, das verfolgt Janna auch fünf Jahre später noch. „Es gibt keine Individuallösung, aber darüber zu reden, ist die wichtigste Aussage”, betont die Produzentin. „Wir spielen im Jetzt. Der Umgang mit dem Thema ist wichtig”, setzt sie nach. Nebensächlich seien hingegen Details wie die Missbrauchshäufigkeit durch den früheren Lebensgefährten der Mutter.

Das düstere Thema erzählt der sensible Film in einer gewissen Leichtigkeit: So spricht Janna Niklas bei ihrer zweiten Begegnung mit „Hallo Fischmörder” an. „Haha, ich heiß Niklas”, entgegnet er und schaut ihr verwundert dabei zu, wie sie in Unterwäsche in den See watet. „Is was?!” „Du vertreibst die Fische”. Janna, die mit den Händen das Wasser aufwühlt, sagt: „Ich rette sie”.

Dramatischer ist eine andere Szene: Janna und Niklas sitzen auf einer Decke am Ufer. Plötzlich springt er auf und zieht sie am Fuß in Richtung See. Was für ihn ein Scherz ist, findet sie keineswegs lustig. Sie wehrt sich und strampelt, tritt aus und verletzt Niklas dabei im Gesicht. „Lauf an ihr vorbei, Jasper. Ganz dicht. Sinje, komm noch mal zurück, setz dich”, lauten die Kommandos der Regisseurin Charlotte A. Rolfes (ifs) am Set, die nach jedem Dreh die Szene auf dem Bildschirm studiert. „Gut, Sinje, sehr gut”, lautet ihre Beurteilung der Newcomerin. „Man muss immer ein Teil der Rolle sein, sich Schritt für Schritt einfühlen”, sagt Sinje später auf Anfrage. „Teilweise fühle ich mich wie Janna”. Obwohl sie ihre erste Rolle absolut „cool” findet, will sie sich ihre berufliche Zukunft zunächst „offen halten”.

Schon über relativ viel schauspielerische Erfahrung verfügt Filmpartner Jasper, der unter anderem schon in „Rennschwein Rudi Rüssel” zu sehen war. Bisher hat ihm „alles Spaß gemacht”. Besonders gefällt ihm aber die anspruchsvolle aktuelle Rolle. „Ich präge den Niklas, nicht umgekehrt”, diesen Gedankengang will er nicht unerwähnt lassen. „Erst mal Abitur machen”, ist aber zunächst sein einziger beruflicher Plan.

Nettes Detail am Rande: Zwei Ortsansässige unterstützten die Filmaufnahmen am Barmener See: Norbert Hecker, Vorsitzender des ASV Barmen, und seine 23-jährige Tochter Linda, die Theaterwissenschaft studiert und zur „Sethilfe” avancierte.

Neuer Studiengang „Film” startet im Winter

Der Kurzfilm „Janna” wird gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW und dem Verein „Innocence in Danger”.

Das ifs-Budget beträgt 12.000 Euro plus Beistellung (Technik, die sonst zu zahlen wäre).

Start des neuen Studiengangs Film ist im Winter. Bei Interesse an einer Bewerbung gibt es nähere Informationen auf der Internetseite.

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