Niederzier - Dramatische Rettungsaktion: Besetzer aus Schacht gezogen

Dramatische Rettungsaktion: Besetzer aus Schacht gezogen

Von: dpa
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Rettungskräften und Polizei ist es am späten Freitagabend gelungen, den letzten Waldbesetzer im Hambacher Forst aus seinem Versteck in sechs Metern Tiefe zu retten. Anschließend nahmen die Beamten den jungen Mann fest. Foto: dpa

Niederzier. Der Umweltaktivist, der sich im Kampf gegen den Braunkohleabbau tagelang in einem Erdloch bei Kerpen verschanzt hat, ist nach einer Vernehmung bei der Polizei noch am Samstag wieder freigelassen worden.

Das bestätigten ein Polizeisprecher und eine Sprecherin des Umweltaktivisten. Er sei gesund, aber erschöpft. Dem 27-Jährigen aus Bayern werden Hausfriedensbruch und versuchte Körperverletzung während des Polizeieinsatzes zu seiner Rettung vorgeworfen. Ob er für den Großeinsatz zahlen muss, ist laut Polizei noch offen.

Der Mann war in der Nacht zum Samstag gegen seinen Willen aus dem Schacht gerettet worden und kam zunächst in Polizeigewahrsam, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Später habe die Staatsanwaltschaft Köln seine Freilassung angeordnet. Der 27-Jährige hatte sich tagelang in einen sechs Meter tiefen Erdschacht im Hambacher Forst zurückgezogen. Er war der letzte verbleibende Demonstranten in dem Waldstück. Die Räumung hatte dort bereits am Dienstag begonnen.

Mit erheblichem Aufwand hatte sich eine technische Einsatzeinheit der Polizei, unterstützt von Experten der Grubenwehr aus Herne, zu dem Versteck des Mannes vorgearbeitet. Das selbst gegrabene Loch im Erdreich galt als ungesichert und einsturzgefährdet. Nachdem die Einsatzkräfte einen Rettungsschacht gebaut hatten, gelang es in der Nacht zu Samstag, den Mann zu bergen und aus seiner Höhle an die Oberfläche zu transportieren. Dabei habe er sich heftig gewehrt, teilte die Polizei mit.

Aus Sicht der Polizei hat der 27-Jährige, der aus dem bayerischen Greifenberg stammt, die Retter massiv gefährdet. So habe er unterirdische Stützen, die das Tunnelsystem stabilisieren sollten, umgestoßen, so dass sich die Helfer selbst in Sicherheit bringen mussten. Eine Sprecherin der Umweltaktivisten wies diese Darstellung als unwahr zurück. Die Umweltinitiative will am Montag bei einer Pressekonferenz ihre Sicht der Ereignisse darstellen.

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