Drama um Tetzer Cannabisplantage: Bewährungsstrafen für Gehilfen

Von: Wolfgang Schumacher
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Ort des Geschehens: der Pickartzhof im Linnicher Stadtteil Tetz. Foto: Wolters

Aachen/Jülich. Mit „einem blauen Auge“ seien alle Beteiligten davon gekommen, sagte Richterin Melanie Theiner mit Nachdruck in der Urteilsbegründung gegen die Angeklagten im Fall der unterirdischen Cannabisplantage in Linnich-Tetz. 2015 fand ein SEK-Trupp der Polizei auf dem dortigen Pickartzhof eine professionell betriebene Hanfplantage in sechs Seecontainern.

Der Hauptangeklagte Helmut Ü. (68) und sein Schwiegersohn Frank J. (48) kamen deshalb beide mit einem blauen Auge davon, weil die 9. Große Strafkammer am Aachener Landgericht in ihrem Urteil den Verteidigern folgte und die beiden „nur“ wegen Beihilfe zum Drogenanbau und nicht wegen des ursprünglich angeklagten, großangelegten Handelns mit den Cannabisprodukten verurteilte.

So kam Helmut Ü. mit einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung davon, des Weiteren muss er 3000 Euro an soziale Vereine entrichten. Schwiegersohn Frank J. bekam ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung, er muss die Hälfte, also 1500 Euro, ebenfalls an soziale Einrichtungen bezahlen. Die ebenfalls mitangeklagte Ehefrau von Helmut Ü. wurde freigesprochen.

Am 19. Februar 2015 hatte sich der Eigentümer des Hofes bei der Stürmung durch die Polizei mit einer Pistole selbst in den Kopf geschossen, er starb später in einem Krankenhaus. Das Drama auf dem Pickartzhof hatte die Foge, so Richterin Theiner am Mittwoch, dass die Hauptbeweismittel, die zum Teil bereits im Jahre 2010 in der Erde vergrabenen Seecontainer, nicht gesichert wurden und Beweismittel verschwanden. Ob das nun gut oder schlecht für die gegenwärtigen Angeklagten war, sei dahingestellt.

Auf alle Fälle stellte die Kammer unmissverständlich fest, dass der als Heilpraktiker tätige Besitzer des Hofes solche Mengen an Haschisch und Marihuana erzeugt habe, dass man ihm die Behauptung, er benötige das Rauschmittel alleine für die Therapie krebskranker Patienten, nicht abnehmen könne.

So hatte er die beiden Männer als Helfer gewonnen. Ü. erledigte ab Ende 2013 die Bewässerung von rund 1300 Pflanzen, der Schwiegersohn half unregelmäßig aus. Die Anlage habe etwa 34 Kilo Rauschgift pro Ernte eingebracht, hatte die Kammer errechnet.

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