Dr. Thomas Kreßner: Öffentlicher Mensch und „Arbeitstier”

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Dr. Thomas Kreßner
Sein Abschiedsgottesdienst beginnt am Sonntag um 14 Uhr: Pfarrer Dr. Thomas Kreßner vor dem Eingangsportal der Jülicher Christuskirche. Foto: Schenk

Jülich. Mit dem Mindestalter, das man als Pfarrer haben kann, nämlich an seinem 30. Geburtstag wird Dr. Thomas Kreßner 1978 in Jülich zum Nachfolger von Pfarrer Manfred Keller gewählt. Seither hat sich der Herzens-Kölner in der Herzogstadt einen Namen als Prediger, Ökumeniker und kritisch-engagierter Christ gemacht. Jetzt feiert er seinen Abschied.

Um „11.30 Uhr, bei bedecktem Himmel” wird Thomas Kreßner als Sohn eines Juristen im sächsischen Zwickau am 2. September 1948 geboren. Angesehene Leute waren die Kreßners in Sachsen: Der Großvater Direktor der Eisenbahn, der Vater promovierter Rechtsanwalt mit politischen Ambitionen: Gründungsmitglied der FDP-Vorgängerpartei LDPD, der keine Nazi-Vergangenheit hatte und darum Bürgermeister werden durfte, und ohne Kommunisten-Zukunft, was das Schicksal des Flüchtlings mit sich brachte.

All das prägte den Wahl-Rheinländer, der über Umwege durch Hannover und Lüneburg schließlich in Köln ankam. Die Familie bezieht Quartier in Rodenkirchen, als der Vater Verwaltungsbeamter im Kreissiedlungsamt wird. Derweil raucht dem Pennäler im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium - „jetzt fast jeden Tag im Fernsehen, weil es genau gegenüber dem Stadtarchiv in Köln liegt” - der Kopf.

Eine tiefe Zuneigung hat Dr. Thomas Kreßner seither zu dieser Stadt: „Im Sommer muss ich alle 14 Tage an den Rhein fahren, Schiffe gucken und Steine in den Fluss werfen. Das ist völlig irrational. Ich muss auch das Siebengebirge gucken können - aber das kann man auch von der Sopienhöhe aus.”

Als der Vater als Kämmerer und 1. Beigeordneter nach Langenfeld wechselt, zieht die Familie mit, und Sprößling Thomas baut sein Abi am Benrather Schlossgymnasium - von dort aus ist es ein Katzensprung nach Wuppertal. Drei Semester ist der Theologiestudent dort zu Hause, ehe er - der Philosophie wegen - vier Semester bei Georg Picht und Hans-Georg Gadamer in Heidelberg studiert. „Damals waren das noch Weltstars”, erklärt Dr. Kreßner.

Fürs Examen wechselt der umtriebige Student nach Bonn. Es folgt die Promotion auf Staatskosten: Per Gesetz war ein Stipendium zu haben, aber „nachdem ich fertig war, ist es wieder abgeschafft worden.” Das gehört mit zu seinem Leben als Glückskind, das Dr. Thomas Kreßner gern zitiert. Promoviert hat er „über den lieben Gott”, wie es ihm Peter Beier in den Mund legte. Der genaue Titel „Verantwortete Rede von Gott - ein Vergleich der Theologie Wolfhart Pannenbergs und Herbert Brauns.”

Das Ziel von Bonn aus war eigentlich Köln, die Wahlheimat. Aber Ehefrau Martina - die der angehende Pfarrer übrigens vor der selbstverständlich evangelischen Trauung zur „Genehmigung” beim Landeskirchenamt vorstellen musste - erhielt eine Anstellung in Geilenkirchen. Erst der Blick auf die Karte belehrte das Paar, wo sich dieser Ort befand. Sie fanden das erste Heim im Linnicher Land, in Brachelen. Hier wurde Tochter Christina 1975 geboren - eine Schwester und ein Bruder sollten die Familie später vervollständigen.

Im benachbarten Schwanenberg bei Erkelenz absolvierte der frisch Promovierte sein Vikariat, ehe er in Übach-Palenberg Pastor im Hilfsdienst wurde. „Das hieß wirklich so”, amüsiert sich Pfarrer Kreßner noch heute.

„Abgeworben”, so schmunzelt der Theologe, hätten ihn die Jülicher 1978 aus Übach-Palenberg. Zu seinem 30. Geburtstag, dem frühesten Datum für die Wahl zum Pfarrer, wurde Dr. Thomas Kreßner um 18 Uhr in der Christuskirche unter Leitung von Peter Beier zum Nachfolger von Manfred Keller gewählt. „Ich habe immer alles als Erster gemacht - früher war ich immer der jüngste, jetzt bin ich überall der Älteste”.

Kein Scherz: Am 1. April beginnt nach 30 Dienstjahren für Pfarrer Kreßner die Altersteilzeit. Seine Weggefährten und Gemeinde verabschieden ihn in einem Festgottesdienst am Sonntag, 29. März, um 14 Uhr in der Christuskirche an der Düsseldorfer Straße.

Dennoch bleibt er den Jülichern erhalten - er hat sich an der Bahnhofstraße ein „schönes Haus mit Garten” gekauft.

Einen Blick zurück aufs Berufsleben wirft Dorothee Schenk im Interview, spricht mit Dr. Kreßner über Dinge, die er auf den Weg gebracht hat („Man ist ein bisschen so wie ein Hausarzt, der die Menschen auf den Stationen des Lebens begleitet.”), über Kanzel, Kabarett, Kino und den Drang eines Pfarrers zur Selbstinszenierung („Man hat auf der Kanzel eine exponierte Position. Natürlich ist das eine Bühne. Ich liebe die Bühne. Wenn ich eine Bühne sehe, möchte ich auch drauf springen, weil ich so eine Freude habe, etwas darzustellen.”).

Sie plaudert mit ihm über offen gebliebene Wünsche und Projekte, an denen er gescheitert ist („Ich hätte gerne die Christuskirche, wenn ich das so sagen darf, schöner. Ich hatte vor, einen Bilderzyklus mit abstrakten Bilder anzukaufen. Ich bin daran gescheitert, dass Presbyterium und Kirchengemeinde gesagt haben: Wir wollen das Geld den Armen geben.”) und auch über seine Pläne für die Zeit nach dem 29. März („Was ich aufgegeben hatte, nachdem ich 40 Sendungen gemacht hatte, war Rundfunk. Meine Redakteurin hat mir gesagt, ich könnte sofort wieder anfangen, und das werde ich als erstes wieder machen.”).
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