Broich - Doris Vogel und Nicole Rynders: „Seitenverkehrte“ Freundschaft

Doris Vogel und Nicole Rynders: „Seitenverkehrte“ Freundschaft

Von: ptj
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Früchte der ruhenden Städtepartnerschaft Jülich – Haubourdin: Sozialamtsleiterin Doris Vogel (l.) und Französin Nicole Rynders trafen sich über die Ostertage. Repro: Jagodzinska

Broich. Die 1964 vereinbarte Städtepartnerschaft Jülichs mit der nordfranzösischen Stadt Haubourdin ruht seit drei Jahren. Sie nicht weiter zu verfolgen, beschloss der städtische Ausschuss für Kultur, Integration und Soziales, weil die Städtefreundschaft primär aus finanziellen Gründen nicht mehr gepflegt wurde.

Früchte trägt sie dennoch. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die seit 45 Jahren andauernde Freundschaft von Sozialamtsleiterin Doris Vogel mit Nicole Rynders aus Haubourdin. Damals hieß die waschechte Broicherin noch Doris Lennartz, als sie am 26. März 1971 als Französisch-Schülerin der 2017 auslaufenden Realschule Jülich Nicole Rynders zum ersten Mal im Rahmen eines Schüleraustausches in der nordfranzösischen Stadt besuchte. Die dortigen Kleinstadtbewohner lernte sie als besonders herzlich und gastfreundlich kennen.

Damals führte der Reiseweg wegen fehlender Autobahnverbindung noch durch Brüssel und dauerte sieben Stunden, wie sich Doris Vogel erinnert, die heute in zweieinhalb Stunden ihr Ziel erreicht hat. Mit der ein Jahr älteren Französin flämischer Abstammung verstand sie sich sofort.

„Im Grunde sind wir seitenverkehrt“, sagt Vogel. Sie selbst habe eher französische Mentalität, „immer Zeit und gerne Leute um sich“, während ihre Freundin „Deutschland liebt“ und „immer sehr genau, sehr pünktlich ist und immer alle Daten im Kopf hat“. Damals wie heute unterhalten sich die Freundinnen in beiden Sprachen.

Schon im April 1971 erfolgte der Gegenbesuch der Französin in Broich, und nicht nur das. Eltern und sämtliche Familienangehörige waren stets hier wie dort ganz selbstverständlich willkommen, obwohl sie die jeweils andere Sprache gar nicht beherrschten, sondern „sich mit Händen und Füßen verständigten“.

Die Freundschaft festigte sich so sehr, dass die Väter der Freundinnen sogar in ihrer jeweiligen Sterbephase zum Abschiednehmen nach den Freunden aus dem Ausland verlangten. Die Beziehung wurde sogar gepflegt, während Nicole Rynders rund 20 Jahre im französischsprachigen Quebec/Kanada lebte. Man traf sich während der unregelmäßigen Besuche Rynders in Frankreich, nahm aber auch die rund 7000 Kilometer Luftlinie über die Kontinente hinweg in Kauf.

„Die Gegensätze haben sich über die Jahre angepasst“, erzählen Vogel und ihre Mutter Gertrud Lennartz lachend. So stellte man etwa in Frankreich einfach die Teller auf den ungedeckten Tisch, während in Deutschland immer „viel Gedöns“ gemacht wurde. Heute wird auch in Frankreich gelegentlich zum Tischtuch gegriffen, wenn die Broicher Familie zu Gast ist. Im Hause Lennartz sei Voreingenommenheit oder gar Fremdenfeindlichkeit nie ein Thema gewesen, selbst in Kriegszeiten war Mitmenschlichkeit im Alltag kein Fremdwort. „Sonst könnte ich den Job im Sozialamt heute nicht machen“, meint Doris Vogel, die sich mit viel Herzblut auch für Flüchtlinge engagiert und sich dafür einsetzt, dass sie nicht „unter Generalverdacht stehen“.

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