Doktorarbeit über J.R.R. Tolkien: Von Welldorf nach Mittelerde und zurück

Von: Guido Jansen
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Mit Sauron auf dem Schreibtisch schreibt es sich leichter: Dr. Julian Eilmann. Foto: Guido Jansen

Jülich/Welldorf. Viele Wege führen nach Mittelerde, in die Lande von Hobbits, Orks, Elben und Zwergen, die der englische Autor und Sprachwissenschaftler John Ronald Reuel Tolkien mit seinem Fantasy-Roman „Der Herr der Ringe” erschaffen hat. Julian Eilmann (36) sucht seinen eigenen Weg, seit er das wohl berühmteste Fantasy-Werk der Literatur-Geschichte im Alter von zwölf oder 13 Jahren erstmals in der Hand gehalten hat.

Das Ergebnis seiner Suche liegt jetzt vor, ist über 500 stark, trägt den Titel „ J. R. R. Tolkien – Romantiker und Lyriker” und ist der Grund, warum auf Eilmanns Ausweis jetzt der Namenszusatz Dr. vermerkt werden darf.

Der Mann, der in Würselen aufgewachsen ist und am dortigen Gymnasium das Abitur machte, an der RWTH Aachen und in Nottingham Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte studierte, seitdem am Inda-Gymnasium in Kornelimünster als Lehrer arbeitet und Anfang des Jahres nach Welldorf gezogen ist, hat einer Doktorarbeit über Tolkien vorgelegt.

„Das Buch ist für mich die Krönung meiner eigenen Tolkien-Forschung”, sagt Eilmann. Keinen Hehl macht er daraus, dass er Tolkien als Fan verfallen ist. Die Faszination, die der Autor auf ihn und Abermillionen Leser ausübt, hat der Neu-Welldorfer zum Anlass genommen zu forschen. Und da kommt der Wissenschaftler ins Spiel. „Tolkien ist Hochliteratur“, sagt Eilmann voller Überzeugung. Der Schreibstil sei nicht hochkomplex, sondern eher simpel, aber geschliffen.

Bekanntlich hat Tolkien, der Sprachwissenschaftler, eigene Sprachen erfunden und seine Romane – zu denen die Hobbit-Trilogie als Vorgänger zum Herrn der Ringe gehört – ersonnen, um seine Sprachen lebendig werden zu lassen. Seit der Jahrtausendwende wird Tolkien mehr und mehr zum Forschungsgegenstand der Literaturwissenschaft, genau wie Shakespeare oder Goethe.

Eilmanns Einordnung ist eine Denkweise, mit der man Tolkien einen Platz in der Galerie der großen Schreiber der Weltgeschichte einräumen kann. Er sieht den Autoren als Begründer und erfolgreichsten Vertreter des Genres Fantasy. „Natürlich gibt es im Fantasy-Bereich viel Trivialliteratur”, sagt Eilmann. Tolkien gehöre nicht dazu, Tolkien sei ein moderner Romantiker gewesen. Mit Romantik meint die Literaturwissenschaft kein seichtes Liebesgeflüster bei Kerzenschein, sondern eine Strömung in der Literatur, die als Antwort und Gegenbewegung auf die Aufklärung gilt.

Aufklärer konnten vor 200, 250 Jahren alles erklären. „Ich denke, also bin ich.” Peng! „Die Romantik hat wieder das Wunderbare und Transzendente in den Mittelpunkt gestellt”, erklärt Eilmann. Es ging nicht mehr um das Verstehen, sondern Empfinden. Goethe wurde mit seinem Spätwerk zu einem frühen Romantiker, es folgten Novalis oder E.T.A. Hoffmann. Mary Shelleys Frankenstein gilt als eines der bekanntesten Werke der frühen Romantik, Bram Stokers Dracula zählt zu den bekannten späten Werken.

Keine heile Welt verkauft

Die Romantik verschwand, wurde abgelöst von den großen Erfindungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zwei Weltkriege später trat Tolkien auf den Plan, schaffte romantische Fantasiewelten, in die die Leser sich flüchten konnten – allerdings ohne dem Leser eine heile Welt zu verkaufen.

Um den romantischen Gehalt bei Tolkien nachzuweisen, hat Eilmann die vielen Gedichte untersucht, die beispielsweise im Herrn der Ringe als Lieder oder Monologe zu finden sind. Und er will sie gefunden haben. „Wenn man selbst kein Romantiker ist, dann tut man sich da vermutlich schwer“, sagt der Deutsch-Lehrer. „Aber noch heute ist es so, dass die Menschen in Tolkiens Werk Fantasie-Welten finden, in die sie sich gerne flüchten.“ Das habe mit der Verfilmung des Herrn der Ringe und des Hobbits noch zugenommen.

„Neuseeland als Drehort der Filme ist für viele Menschen zu einer Art Sehnsuchtsort geworden. Davor profitiert Neuseeland heute stark“, weiß Eilmann. Und deswegen verteufelt er die sechs Filme nicht als profanes Popkorn-Kino. „Im Gegenteil, das Interesse an Tolkien und Fantasy-Literatur ist noch einmal gewachsen. Und die Filme haben viel für Schüler getan“, sagt der Lehrer. Am Inda-Gymnasium hat er eine eigene Tolkien-AG ins Leben gerufen, die Inda-Gefährten (www.indagefaehrten.de).

Er ist einer der Köpfe hinter dem Tolkien-Stammtisch, der sich an jedem letzten Freitag im Monat im Aachener Restaurant La Jeunesse trifft. „Da kann jeder hinkommen, egal wie alt, egal welcher Beruf. Wir reden einfach über die Faszination, die Tolkien ausmacht“, sagt Eilmann. Und über die zahlreichen Wege, die nach Mittelerde führen.

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