Dimitri gibt Tierschicksalen ein Gesicht

Von: ptj
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Jack-Russell-Mix „Dimitri” wurde an der Autobahnraststelle Ruraue „vergessen”. Margit Becker hat sich seiner angenommen. Foto: Jagodzinska

Jülich. Ein anscheinend ausgesetzter Jack-Russell-Mix, später auf den Namen Dimitri getauft, veranschaulichte die nackten Zahlen bei der Jahreshauptversammlung von Samt, dem sozialen Jülicher Verein „für Mensch und Tier”.

Ein Paar lieferte ihn im „Broicher Hof” ab. Der Hund, an der Autobahnraststätte Ruraue von einem Auto mit lettischem oder litauischem Kennzeichen „vergessen”, hielt sich stets junkend in Türnähe auf, obwohl er von Margit Becker sogleich in Pflege genommen wurde. Ein weiterer Hund und 14 Katzen sind zurzeit in Pflegestellen des Vereins untergebracht. 31 Katzen und ein Hund wurden bereits vermittelt.

Tätigkeitsbericht vorgelegt

In ihrem Tätigkeitsbericht informierte Vorsitzende Irene Launer-Hill zudem über 87 tierärztliche Behandlungen, 35 Katzenkastrationen, sieben Totmeldungen und 13 Operationen und Euthanasien seit Oktober 2010. Sie berichtete von 39 Beratungsgesprächen, davon waren zehn Mal die Tierhalter Beratungsobjekt, und zwei Belehrungen zum Thema Kastrationspflicht für Katzen. Die seit Oktober in Jülich bestehende Regelung streben auch die Gemeinden Aldenhoven und Niederzier an.

Das im Februar gestartete Kastrationsprogramm ist gut angelaufen. Sechs Mal musste die Behandlung durch den Verein abgelehnt werden, weil die Einkommensgrenze der Tierhalter überschritten war. Ebensoviele Male wurde die Haltung überprüft, vier Tiere wurden sogleich „einkassiert”. 35 Mal hieß das Arbeitsthema „entlaufene Katze”, sechs Mal „entlaufener Hund”. Rückvermittelt wurden neun Katzen und vier Hunde, letztere bedingt durch die Chippflicht.

Insgesamt sind acht Hunde und 63 Katzen zugelaufen, bei 20 Prozent der Katzenhalter unterstellte Launer-Hill Absicht. Rückvermittelt wurden insgesamt zwölf Hunde und Katzen. Eingefangen wurden zudem 17 Katzen, die meisten in Aldenhoven. Alle 24 Abgabetiere, davon vier Hunde, wurden aufgenommen und zum Teil weitervermittelt. Samt verantstaltete zwei Infostände und vier Futteraktionen, weitere sind geplant. Etwa 20 „Sparkatzen” stehen in diversen Jülicher Geschäften.

Sechs Kontakte mit dem Ordnungsamt waren notwendig, vier mit dem Veterinäramt und einer mit der Polizei. Knapp 5000 Euro Spenden flossen ein, darunter 1800 Euro Privatspenden und 770 Euro durch Internet-Versteigerungen. Hierzu sind weitere Sachspenden willkommen. Mit fast allen Jülicher Vereinen trifft sich Samt regelmäßig am Runden Tisch, der sinnvolle Synergieeffekte bringe. Zudem gehört Samt einem inzwischen geschrumpften Netzwerk für Tiere an. Mitstreiter sind Ordnungsamt und Tierheim Düren, „Katzen in Not” Düren, „Tiere als therapeutische Begleiter” Jülich sowie fünf Tierärzte.

Auch gelungene Begebenheiten

Hervorgehobenen aus den vielen Zahlen und häufig traurigen Schicksalen wurden zwei besonders gelungene Begebenheiten: „Katzen in Not” vermittelte die Aufnahme einer „Attaxie-Katze”, die sechs Jahre in einer Küche eingesperrt war und an Lähmungserscheinungen leidet. Den an Katzenaids erkrankten Kater Hermann nahm die Aidsgruppe im Tierheim Aachen auf. Nach dem Besuch im Heinsberger Tierheim - Vertreter waren bei der Versammlung zugegen - steht der Besuch im Tierheim Aachen auf dem Plan.

Tierärztin Josi Reinartz bietet für Vorstand und Pflegestellen einen Fortbildungsabend an. Auf dem Jahresprogramm stehen ferner Vortragsabende bei der VHS: „Hilfe, meine Katze ist unsauber” und „Gewalt an Tieren heißt Gewalt an Frauen und Kindern”, womit sich Gleichstellungsstelle und Frauennetzwerk beschäftigen. Neben der Umsetzung der Kastrationspflicht und dem Aufbau einer Tiertafel in Jülich stehen Haussammlungen auf dem Plan.

Ferner liegt Launer-Hill am Herzen, „dass die Leute ihre Tiere registrieren lassen (z.B. beim größten Haustierregister tasso net oder den Tierarzt darum bitten”.
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