Jülich - Digitaler Fortschritt: Jülicher Forscher sprechen über neue Chancen

Digitaler Fortschritt: Jülicher Forscher sprechen über neue Chancen

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Sie diskutierten im voll besetzten Kulturbahnhof über die digitale Gesellschaft: Meteorologin Dr. Sabine Grießbach (l.) und unser Redakteur Volker Uerlings als Moderator. Foto: Jansen
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Den Erkrankungen des Gehirns mit digitaler Technik auf der Spur: FZJ-Forscherin Dr. Dr. Svenja Caspers.

Jülich. Emails im Urlaub, der Kurznachrichtendienst WhatsApp immer und überall, ein Konto bei Facebook sowieso: Das Smartphone in der Hosentasche und damit die digitale Gesellschaft sind überall. Die Stichprobe von Moderator Volker Uerlings hat es gezeigt.

Von den rund 100 Besuchern bei der 6. Auflage der „Kleinen Nacht der Wissenschaft“ im voll besetzten Kulturbahnhof, die unsere Zeitung und das Forschungszentrum Jülich (FZJ) veranstalten, machen nur vier nicht mit bei dieser digitalen Gesellschaft, weil sie kein Smartphone haben. Immer mehr Rechenleistung, immer mobiler, immer mehr Kommunikation im digitalen Raum: Das ist der Trend. Fakt ist, dass die digitale Gesellschaft den Wissenschaftlern aus dem Forschungszentrum Jülich riesige Fortschritte ermöglicht hat, die der Allgemeinheit zu Gute kommen.

Dr. Dr. Svenja Caspers erforscht am FZJ das menschliche Hirn. Auch heute noch werden Gehirne in hauchdünne Scheiben zerschnitten, um herauszufinden, wo, warum und wie sich Schäden und Krankheiten auswirken. „Solche Schnitte sind Unikate. Die verschickt man nicht gerne“, sagte Caspers. Trotzdem sei es heute möglich, das Material mit Forschern weltweit zu teilen, weil die Schnitte hochauflösend digitalisiert werden. Der Blick in das wichtigste, aber nach wie vor unbekannteste Organ sei mit Hilfe moderner Technik schärfer geworden. „Früher hatten wir eine Auflösung im Millimeter-Bereich. Heute reden wir von Mikrometern. So werden die Zellstrukturen sichtbar“, sagte Caspers. So sei es möglich, ständig neue Kenntnisse zu sammeln. Auch, weil die bildgebenden Verfahren dank digitaler Technik so weit vorangeschritten sind, dass der enorm aufschlussreiche Vergleich eines gesunden, funktionierendem Hirns mit einem toten, kranken möglich sei.

„Ganz klar: Nein!“ So antwortete FZJ-Meteorologin Dr. Sabine Grießbach auf die Frage, ob die Fortschritte in ihrem Fachbereich ohne das Wachsen der digitalen Technik möglich gewesen seien. Mit einem handelsüblichen Computer würden Wetter-Simulationen gerne sechs Wochen dauern. Mit einem Jülicher Super-Computer gehe das wesentlich schneller. „Da starte ich die Simulation am Abend. Und wenn ich am anderen Morgen zurückkomme, ist sie fertig“, sagte sie. Jeder Flugpassagier profitiert davon. Dank solcher Technik sei es nämlich erst möglich, die Ausbreitung von Asche in der Atmosphäre nach einem Vulkanausbruch vorherzusagen. Das ist wichtig, denn Aschepartikel sind schädlich für Turbinen und können einen Flugzeugabsturz verursachen. Grießbach gehörte übrigens zu den vier Anwesenden, die privat kein Smartphone besitzen. Ein Mobiltelefon hat sie trotzdem, aus ganz einfachem Grund. „Ich habe öfter mal eine Autopanne. Da ist es ganz hilfreich, wenn ich dann telefonieren kann.“

Forschung beeinflussen

Mit FZJ-Kommunikationswissenschaftler Prof. Hans Peter Peters sprach Redakteur Volker Uerlings über den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft und ob die neuen digitalen Kommunikationsformen diesen verändern. „Es geht um Steuergelder“, sagte Peters. „Deshalb ist es unstrittig, dass der Steuerzahler die Forschung beeinflussen kann.“ Peters riet dazu, das Recht auf Beeinflussung „mit einem gewissen Augenmaß“ auszuüben. „Sonst könnte die Gefahr zu groß sein, dass die, die Einfluss nehmen wollen, nur ihre eigenen Interessen verfolgen.“

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