Jülich - Dienstleistungszentrum: Zurück zur alten Mitte?

Dienstleistungszentrum: Zurück zur alten Mitte?

Von: Volker Uerlings
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Jülicher Bürger für das Alte Rathaus: Ein Bündnis hat im Sommer 2010 gefordert, auch das Alte Rathaus auf seine Eignung als Dienstleistungszentrum zu untersuchen. Die Studie liegt jetzt vor: Es geht. Foto: Uerlings

Jülich. Mehr Auswahl ist schwer vorstellbar. Der Jülicher Kommunalpolitik liegen seit Donnerstag sieben verschiedene Modelle eines Dienstleistungszentrums an zwei Standorten vor. Sie allen sollen die Einrichtungen von Stadt und Kreis in Jülich aufnehmen und ein neues Bürgerbüro als zentrale Anlaufstelle beinhalten.

Der Stuttgarter Architekt Jörg Aldinger hat nach dem Neuen Rathaus, wo er vier sinnvolle Varianten sieht, nun auch drei für das Alte Rathaus präsentiert. Wie berichtet, hatte ein Bündnis aus Jülicher Bürgern und Vereinen gefordert, auch für den Verwaltungssitz am Markt eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Diesem Wunsch kam der Rat nach, zumal sich der Verein Stadtmarketing an den Kosten beteiligte.

Zwei große Unterschiede zeigte Aldinger auf: Ein Zentrum mit länglichem Anbau an das Neue Rathaus würde am Schwanenteich auch die Polizeiinspektion Jülich aufnehmen können. Zudem befinden sich alle benötigten Flächen im Besitz der Stadt. Beides wäre im Bereich Marktplatz/Düsseldorfer-/Kapuzinerstraße nicht der Fall. Um die benötigten Flächen zu schaffen, reicht der Platz im Alten Rathaus auch nicht aus, wenn man den heutigen Innenhof überbaut.

Die Stadt hat aber das vertraglich zugesicherte Recht, den „Luftraum” über der Rathauspassage zu bebauen. Wenn das gewünscht wäre, könnte sie dort über dem Parkdeck ein Hochhaus mit fünf Etagen errichten. Das sei aber von der Stadtplanung her inakzeptabel. Der Architekt hat ein Modell entwickelt, das einen dreigeschossigen Flachbau über dem Parkdeck vorsieht. Der Experte hält diese Lösung (Variante F) für machbar, aber auch „statisch schwierig”.

Er favorisiert eine andere Lösung (Variante G): Die Stadt müsste das Nachbar-Grundstück (Rathaus-Passage) kaufen und auf dieser Fläche einen Anbau mit drei Etagen hochziehen. Das habe mehrere Vorteile: Das Dienstleistungszentrum verfügte über zwei Eingänge (Markt und Kapuzinerstraße), rettete vom Innenhof ein begrüntes Atrium und gewänne Flächen in bester Lage. Neben dem Bürgerbüro und einer Cafeteria könnte so im Obergeschoss ein großer Mehrzweckraum entstehen, der auch Bürgern und Vereinen zur Verfügung stünde und in dem der Stadtrat unterkäme. An der Kapuzinerstraße wäre sogar Raum für Ladenlokale.

Parkflächen sind laut Aldinger nicht vorzusehen, weil sich Parkdeck und Tiefgarage nur wenige hundert Meter entfernt befinden. Mit einem solchen Verwaltungszentrum in der Kernstadt kehrte Jülich zu seiner alten Mitte zurück. Denn Aldinger sagt: „Der Marktplatz ist nicht mehr die Mitte von Jülich. Die Stadt hat sich in andere Richtungen entwickelt.” Der Planer sieht am Ende zwei seiner sieben Varianten in Konkurrenz: „G” am Markt und den langen Nebenbau zum Rathaus am Schwanenteich (Variante D).

Seine neuen Vorschläge fanden im Planungsausschuss unter Vorsitz von Erich Gussen schon Freunde. Martina Gruben (SPD) hatte sich eine „so schöne Lösung” wie Variante G nicht vorstellen können.

Letztlich hat die Politik die Wahl, aber nicht viel Zeit. Will sie frei entscheiden und nicht vom Sanierungsstau im Neuen Rathaus überrollt werden, ist Eile geboten.

Drei neue Varianten im Vergleich

Variante E sieht einen Bau im heutigen Hof des Alten Rathauses vor, liefert aber dennoch mit 3505 m2 nicht die benötigte Mindestfläche (4625 m2). Kosten: 9,23 Millionen Euro.

Variante F geht von einer statisch schwierigen dreigeschossigen Überbauung der Rathauspassage mit Parkdeck aus, wäre mit 4727 m2 Nutzfläche groß genug und 12,47 Millionen Euro teuer.

Variante G wäre nur mit dem Ankauf des Grundstücks Rathauspassage möglich und beinhaltet an dieser Stelle einen Anbau ans Alte Rathaus. Größe: 5022 m2, Kosten: 13,67 Millionen Euro.
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