Die Zitadelle als Kulisse für großes Kino

Von: Guido Jansen
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Alles spielt sich im Inneren der Schule ab: Mit zwei Hubsteigern, auf denen Lampen aufgebaut sind, wird das Konferenzzimmer von außen angestrahlt. Foto: Guido Jansen
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Er drehte in Jülich: David Kross, hier in Begleitung auf dem roten teppich bei den Filmfestspielen in Cannes im vergangenen Jahr. Foto: dpa

Jülich. In der Zitadelle wurde wieder großes Kino gemacht. Mit Starbesetzung. Nur wissen sollte das keiner.

Der junge Mann lächelt, als er die Frage hört. „Was wird denn hier gedreht?“ Er schüttelt mit dem Kopf. „Das darf ich nicht sagen“, sagt er und schleppt das Gestänge weiter, das vermutlich zum Gestell einer fahrbaren Filmkamera gehört. Rein in den Lieferwagen damit, raus mit dem nächsten Ding, das nach Film aussieht. Das gedreht wird, war in den vergangenen Tagen nicht zu übersehen. Zwei große Hubsteiger, die sonst meistens von Fensterreinigern benutzt werden, wenn sie weit oben sauber machen, stehen vor der Südfront der Schule.

Oben auf der Plattform befinden sich zwei große Scheinwerfe, die durch große Filter in die Fenster leuchten. Die Fenster gehören zum Lehrer-Konferenz-Zimmer. Und das ist einer von zwei Tatorten. Darauf weißt ein Zettel hin, der am Eingang unterhalb des Zimmers klebt. „Set“ steht darauf. Hier wird also gedreht.

Aber was? „Sorry, keine Auskunft“, sagt der nächste junge Mann, der fleißig Gerätschaften durch die Gegend wuchtet. Dabei ist die Antwort überall. Unsichtbar wabert sie durch den Raum. Ein Blick auf das Mobiltelefon verrät den Filmtitel. „Boy7“ heißt das Signal für das drahtlose Internet. „Boy7“ – also Junge7 – heißt auch der Kinofilm, der gerade gedreht wird. Zwei Tage lang war das Film-Team in Jülich. Ein paar Einstellungen haben sie im Konferenzzimmer gedreht, andere in der Turnhalle. Denn dort klebte der andere Set-Zettel.

Jugendthriller

All das, was vor Ort keiner verraten wollte, erzählt das Internet. Boy7 ist ein Jugendthriller, den die Niederländerin Mirjam Mous geschrieben hat. Die Handlung beginnt damit, dass ein Junge auf einer Wiese wach wird und sich an nichts erinnern kann. In seinem Rücksack findet er ein Mobiltelefon, in dem keine Nummern gespeichert sind. Nur ein einziger Anruf ist registriert. Es die Benachrichtigung der Mailbox. Der Junge stellt fest, dass er sich selbst eine Nachricht geschickt hat: „Egal, was passiert: Ruf bloß nicht die Polizei an.“

Vor zwei Wochen ging die Meldung durch die Film-Presse, dass David Kross die Hauptrolle in Boy7 spielt. Der 23-Jährige ist einer der bekanntesten deutschen Jung-Schauspieler. 2008 spielte er an der Seite der Hollywood-Stars Kate Winslet und Ralph Fiennes eine Hauptrolle im Film „Der Vorleser“. Kross war in Jülich. Auch, wenn die Leute vom Film das nicht bestätigen wollten. Bis zum nächsten jahr wollen sie nichts sagen. „Sie können da gerne nächstes Jahr was drüber schreiben“, sagt die freundlich klingende Frau von der Produktionsfirma Action Concept am Telefon. Nächstes Jahr soll Boy7 in die Kinos kommen.

Welche Einstellungen in Jülich gedreht wurden – strenges Geheimnis. Fest steht, dass Schüler des Gymnasiums Zitadelle als Komparsen mitgewirkt haben. Die waren am Donnerstag genau so schweigsam wie die Leute vom Film. Auf die Frage, ob sie eine Erklärung unterschreiben mussten, dass sie nichts erzählen dürfen, sagt einer Schüler mit einem Lächen: „Ich weiß nicht.“

Sie alle tragen graue Overalls und graue Schuhe mit orangen Schnürsenkeln. Einheits-Aussehen, ein bisschen wie Häftlinge in amerikanischen Gefängnissen.

Bagger standen still

Die Zitadelle ist offenbar eine beliebte Kulisse für Filmemacher. Vor zwei Jahren wurden Teile des Films Rubinrot in Jülich gedreht, damals allerdings in den alten Gemäuern. Diesmal war die Festung vermutlich attraktiv, weil die hohen Außenmauern die Blicke auf das verwehren, was im Inneren vor sich geht.

Die Leute vom Film waren nicht die einzigen, die in den vergangenen Tagen in der Zitadelle gearbeitet haben. Bekanntlich laufen dort derzeit auch groß angelegte archäologische Ausgrabungen. Wissenschaftler und Filmemacher mussten miteinander auskommen. Immer dann, wenn Szenen gedreht wurden, standen die Bagger still.

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