Die Zeiten der hohen Zäune sind vorbei

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
10877641.jpg
Er pflegt seit Mai die Liegenschaft des einstigen Welzer Warnamtes, das jetzt ein Flüchtlingsheim ist: Oumanou Abdou. Foto: Guido Jansen
10877647.jpg
Engagiert sich für die Notunterkunft in Linnich: Sonja Bischoff. Foto: Guido Jansen

Linnich. Die Liegenschaft, die bei den Linnichern immer noch Warnamt Welz genannt wird, war bis vor kurzem kein Ort der Begegnung. Sie war eine Art Frühwarnsystem im Kalten Krieg. Danach war die Bundespolizei dort stationiert, hinter hohen Zäunen und einem massiven Tor.

Das Warnamt war eine Kaserne, neben Welz, abgeschieden und meistens abgeschlossen. Seit dem 20. Mai steht das Tor offen, seitdem wohnen dort Flüchtlinge, die der Stadt Linnich zugeteilt worden sind. Und Oumanou Abdou (44), selbst Flüchtling, aber gleichzeitig Hausmeister im alten Warnamt.

Abdou, so rufen ihn alle Freunde, berichtet von einem anderen Warnamt, das keiner Kaserne gleicht. „Wir haben hier im Sommer ein Grillfest veranstaltet. Da waren insgesamt 90 Menschen hier“, sagt der Hausmeister. Viele seien aus dem Ort gekommen. Überhaupt habe sich viel geändert in den vergangenen Wochen und Monaten.

Abdou kann das beurteilen. Er lebt schon seit über 15 Jahren in Linnich, am 22. Juni 2000 war er aus seinem Heimatland Niger geflohen, aus Angst vor politischer Verfolgung. „Ich weiß nicht, ob ich noch leben würde, wenn ich noch im Niger wäre. Dafür, dass ich noch lebe, bin ich Deutschland sehr, sehr dankbar.“ Und für mehr.

Beispielsweise für die vergangenen Monate. Flucht habe es schon immer gegeben. Aber nicht in diesen Ausmaßen wie im Moment. „Das Klima hier hat sich sehr positiv entwickelt“, sagt er. Von all dem Hass auf Flüchtlinge, über den in den Nachrichten so oft berichtet wird, habe er persönlich nie etwas mitbekommen.

Früher, da sei er eben da gewesen und die Stadt Linnich habe ihm geholfen. Das war‘s. Heute, wo es ständig Neues zum Thema Flucht gibt, sei die Hilfsbereitschaft enorm. Sprachkurse werden angeboten, Fahrräder haben sie geschenkt bekommen. „Das hilf enorm bei der Integration“, sagt Abdou.

Er selbst habe sich das alles selbst beibringen müssen. Darüber beklagt er sich nicht. Vielleicht hat die Stadt Linnich ihm wegen seiner Selbstständigkeit im vergangenen Jahr eine Festanstellung als Hausmeister im Flüchtlingsheim angeboten. Diesen Job hat er auch schon früher gemacht, im größeren Flüchtlingsheim in Gevenich, in dem er 14 Jahre gelebt hat.

Damals war das gemeinnützige Arbeit, für die er sich freiwillig gemeldet hat, als die Stadt nach einer Person suchte, die im Heim Verantwortung übernimmt. Jetzt hat er einen festen Job und eine kleine Wohnung im Warnamt. „Und ich bin hier sehr glücklich“, sagt er. Er hat die Anlage, die nach dem Abzug der Bundespolizei verwildert war, auf Vordermann gebracht, jetzt kümmert er sich um die Sauberkeit in Küche und Toiletten.

Den 14 Männern, die im Moment im Warnamt untergebracht sind, würde ein Job auch gut tun. Arbeiten würden sie gerne, aber laut Abdou gibt es derzeit keine Chance. Das sei schade, denn auch das Arbeiten wäre wichtig für die Integration. „Wenn man Menschen kennenlernt, dann baut man Ängste ab“, sagt er. Mittlerweile habe er Freunde außerhalb der Flüchtlingseinrichtung gefunden, Menschen, mit denen er reden kann.

Ein Wunsch bleibt. Oumanou Abdou ist auch nach 15 Jahren ein geduldeter Flüchtling. „Die Angst davor, dass ich jederzeit abgeschoben werden könnte, ist da“, sagt er. Deswegen wünscht er sich eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. In den Niger zurück könne er nicht, aus Angst um sein Leben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert