Die Welle der Hilfsbereitschaft für Judith, Teil 1

Von: Guido Jansen
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Hermann Josef Weres (v.l.) und Dieter Reisky haben bei der Aktion im FZJ mitgeholfen, Jonathan Hamacher und Angelina Hintzen haben sich typisieren lassen. Foto: Guido Jansen

Jülich. Vielleicht gibt es im Forschungszentrum bald einige Lebensretter mehr. Die prozentuale Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Sie liegt bei einem Prozent. Pro Person. Im Forschungszentrum haben sich am Freitag bis zum Zwischenstand am frühen Nachmittag schon über 600 Menschen im Rahmen der Aktion „Judith braucht Jülich“ für die Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren lassen.

Und da war die Schlange der Typisierwilligen noch lang. Typisieren, das ist das Feststellen der Gewebemerkmale des Blutes. Die Merkmale werden in eine Datenbank eingegeben und ständig abgeglichen mit den Merkmalen von leukämiekranken Menschen. In einem Prozent aller Fälle stellt sich raus, dass ein Typisierter zum Lebensretter für einen Leukämiepatienten werden kann.

Mittlerweile gibt es rund sieben Millionen typisierte Menschen in Deutschland. Die Zahl wächst ständig, weil es Aktionen wie „Judith braucht Jülich“ gibt. Judith ist ein sechsjähriges Mädchen, das die Leukämie schon einmal besiegt hatte, bei der die Krankheit aber zurückgekommen ist.

Damit Judith wieder gesund werden kann, braucht sie für die zweite Therapie einen Stammzellenspender. Deswegen die Aktion, die am Samstag in der Turnhalle der Katholischen Grundschule Jülich an der Linnicher Straße 69 stattfindet. Zwischen 11 und 16 Uhr können sich Frauen und Männer zwischen 17 und 55 Jahren typisieren lassen, um Judith und allen anderen, die auf eine Spende warten, zu helfen.

Das Forschungszentrum hat am Freitag vorgelegt. „Judith ist die Enkelin einer langjährigen, verdienten Mitarbeiterin“, sagte FZJ-Vorstand Prof. Harald Bolt. „Wir haben uns überlegt, wie wir in diesem Fall helfen können, der uns sehr nahe liegt“, erklärte Bolt weiter. Und deswegen konnten sich die FZJ-Mitarbeiter schon am Freitag typisieren lassen. „Uns war wichtig, auch den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, die am Samstag nicht zur Grundschule gehen können.“

Der Ursprung zu dieser Initiative liegt in einigen Mails, die den Betriebsrat des FZJ erreicht haben, wie Betriebsrat-Mitglied Hermann Josef Weres erzählte. Handzettel wurden im Forschungszentrum verteilt, die auf „Judith braucht Jülich“ hingewiesen haben. Daraufhin habe der Vorstand entschieden, die eigene Aktion ins Leben zu rufen.

Im Unterschied zur Typisierung am Samstag wurde im FZJ mit Stäbchen Speichelproben genommen. Am Samstag wird zur Typisierung eine kleine Menge Blut abgezapft. „Die Methode mit der Blutabnahme ist organisatorisch aufwendiger, geht aber schneller“, erklärte Annika May von der DKMS, die am Freitag im FZJ vor Ort war. Das klingt verwirrend, lässt sich aber einfach erklären: Für die Blutabnahme ist medizinisches Fachpersonal notwendig.

Für die Hauptaktion am Samstag konnten mit viel Vorlauf zahlreiche Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern gefunden werden. Für die kurzfristig ins Leben gerufene Aktion im FZJ wäre das schwieriger gewesen, deswegen war die Entscheidung für die Speichel-Methode gefallen. Der Vorteil: Es reicht, die freiwilligen Helfer über den Ablauf aufzuklären, dann läuft die Typisierung. Aufklärungsgespräch, Personalien erfassen, Speichelprobe nehmen und eintüten – das war‘s.

„Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man so die Chance hat, ein Leben zu retten“, sagte Angelina Hintzen nach ihrer Typisierung. Und Jonathan Hamacher erklärte, dass ihm die Stäbchen aufgrund seiner Aversion gegen Spitzen ohnehin sympathischer seien. „Ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, mich typisieren zu lassen“, erzählte Roman Stiller, der mit seinem Elektroniker-Kollegen Michael Moers gekommen war, um die Datei der möglichen Spender zu vergrößern. „Wenn man dann an das kleine Mädchen aus Jülich denkt, dann ist es schön, wenn man so helfen kann“, fügte Moers hinzu.

Geholfen hat auch der Verein der Freunde und Förderer des FZJ. Der hat sich nämlich bereiterklärt, die Finanzierung der Typisierung im FZJ mitzutragen. 40 Euro kostet jede Untersuchung der Gewebemerkmale. Teil eins der Welle der Hilfsbereitschaft für Judith war also groß.

Teil zwei ist am Samstag in der Turnhalle der Grundschule mit Rahmenprogramm für Kinder. Vor Ort gibt es die Möglichkeit zur Geldspende. Per Überweisung geht‘s auch: DKMS Spendenkonto, IBAN: DE05370502990000400642, Stichwort Judith.

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