Die Verwöhnungsfalle: „Stehlt den Kindern die Probleme nicht!”

Von: ptj
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Jülich. Sehr große Resonanz erzielte der Neusser Erziehungswissenschaftler und Konfliktberater Dr. Albert Wunsch mit seinem Mut machenden Vortrag „Die Verwöhnungsfalle” im Pädagogischen Zentrum des Jülicher Mädchengymnasiums.

Als Einführung diente das auf eine Leinwand projizierte Bild einer Mutter, die vor ihrem Kind kniet, um ihm die Schuhe zuzubinden. Solch eine „kleine Sequenz gibt Auskunft über das Erziehungskonzept. Diese Mutter wird auch das vergessene Pausenbrot nachliefern”, da war sich der Vater zweier Söhne und Großvater dreier Enkel sicher.

Wunsch nahm das Tragen eines Kleinkindes von A nach B als Beispiel. Aus der passiven Beförderung sollte sich eine altersgerechte und zukunftsorientierte Förderung entwickeln, die das Kind durch motivierende Anreize oder Hilfestellungen in die Selbständigkeit führt, denn: „Unsere Erziehung sollte das Ziel haben, dass unser Nachwuchs mit 20 oder 25 Jahren eigenständig leben kann”.

Schon in den ersten fünf Lebensjahren sei das Erlernen einiger wichtiger Eigenschaften innerhalb der Familie unerlässlich: Zielstrebigkeit, Mut, Kraft, Geschick, Ausdauer, Ideenreichtum, Verantwortlichkeit und die Fähigkeit, „mit anderen gemeinsam zu handeln”. Denn was Sportler noch wissen, habe unsere Spaß- und Konsumgesellschaft verdrängt: „Wachstum geschieht durch Anstrengung”. Also „stehlt den Kindern die Probleme nicht, denn an ihnen werden sie wachsen”.

Arbeit in Kleingruppen

Phase zwei des Themenabends war die Auseinandersetzung der Zuschauer in Kleingruppen zu den beiden Fragen: „Was verstehen Sie unter Verwöhnung?” und „Weshalb verwöhnen Menschen?”

Im Prinzip hatten sowohl die Erzieher- als auch die Nachwuchsgeneration im Publikum erfasst, was Wunsch später noch einmal kurz zusammenfasste: „Verwöhnung beginnt, wo die Herausforderung ausbleibt. Nichtkönnen führt zur Abhängigkeit, daraus erwächst eine Anspruchshaltung: Verwöhnung schafft Menschen, die alles wollen, aber nichts geben”.

Lang war die Liste der negativen Folgen der Verwöhnung, darunter fehlende Zufriedenheit und Selbstwert, was wiederum Misserfolg und Frustration mit sich bringe.

Der Erziehungswissenschaftler warf dem Sozialsystem vor, es habe „versäumt, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten” und bezeichnete Werbespots wie das „Verwöhnaroma” schlicht als Unsinn. Verwöhnen im erzieherischen Sinn sei immer negativ besetzt.

„Sich und anderen nachweislich etwas Gutes tun”, sei hingegen eine situationsbezogene Sonderzuwendung und wichtige Herausforderung. Zu beachten sei: „Konsequenz ohne Wohlwollen ist Härte; Konsequenz ohne Vorleben ist Lüge; Wohlwollen ohne Konsequenz ist Feigheit”.

In den ersten Schritten zum Abbau von „Verwöhnfallen” gab er „eine dicke Portion Lebensmut als Polster” mit auf den Weg und bat, nicht zu vergessen: „Grenzenlosigkeit macht irre”, aber „Zu enge Grenzen töten!”
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