Die verwässerte Spargel-Saison endet am Freitag

Von: Thomas Mauer
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Nahezu die letzte Ernte in diesem Jahr: Die Kästen sind fast leer, die Saison endet am Freitag, 24. Juni. Foto: Thomas Mauer
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Ertrunken ist vielerorts die diesjährige Spargelernte. Da haben Folien nur wenig geholfen. Foto: Thomas Mauer

Jülich. Am Freitag ist Schluss! Dann endet die Spargelsaison 2016 traditionell am Johannistag. Eine kurze Übergangszeit, dann verschwindet das gefragte heimische Gemüse aus den Läden. Während wir dem Genuss des weißen Goldes nachtrauern, haben die Spargelbauern Tränen über wirtschaftliche Einbußen in den Augen.

Die Natur hatte in diesem Jahr der Landwirtschaft übel mitgespielt. Der eher milde Winter, die kühlen Frühlingsmonate und vor allem der Regen haben die Spargelernte nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Geschätzte 25 bis 30 Prozent weniger Ertrag ist die nüchterne Bilanz.

„Der Spargel hat es gern warm und trocken“, erklärt Heinz Steffens vom Merzbachhof. Dann wächst er aus seinem spinnenartigen Wurzelgeflecht in die Höhe. Sobald die Köpfe zu sehen sind, kann er „gestochen“ werden. Wenn es aber regnet oder zu kühl ist, stellt er sein Wachstum ein. Auf den Dämmen, aus denen er wächst, ist dann nichts zu sehen.

„Theoretisch könnten wir die Saison einfach verlängern“, sagt der Spargelbauer. „Dann würden wir uns aber nur selbst schaden, denn der Spargel braucht die folgenden Wochen für seine Regeneration. Die Pflanze wächst anschließend in die Höhe und fällt dann in sich zusammen. Im Herbst wird alles eingeebnet und für die Winterruhe vorbereitet.“

Also ist Ende Juni Schluss. Das Geschäft muss bis dahin gemacht sein. Diesmal gibt‘s aber lange Gesichter. Die Kunden haben davon kaum etwas gemerkt. „Die Preise waren mit denen vom letzten Jahr vergleichbar“, erklärt Steffens. „Uns fehlten einfach nur die Mengen. Den Schaden haben ausschließlich die Produzenten.“

Für den erfahrenen Landwirt war in diesem Jahr die Lage nicht besonders ungewöhnlich, da er sein Leben lang mit den Eigenheiten von Wetter und Natur zu kämpfen hat. Auf dem Merzbachhof hat man Vorsorge getroffen. Obst, Gemüse und Eier und Kartoffeln liegen in den Regalen, der Spargel ist nur ein Teil. „Für die reinen Spargelbauern war das Jahr ein Desaster“, vermutet Heins Steffens.

Die haben zumeist längst das diesjährige Geschäft eingestellt. Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt, Spargelstecher auf die verschlammten Felder zu schicken. Denn die zumeist aus dem östlichen Ausland kommenden Arbeiter sind auch teurer geworden. „Für uns nicht“, so Steffens. „Ich brauche für das Stechen gute Leute, wir kennen unsere schon seit Jahren und haben sie immer schon gut bezahlt.“

Die Bauern in der Region können mit der Qualität punkten. „Der Boden hier hat eine Bonität von 90 Prozent, die Kunden bekommen sehr gute Ware“, sagt der Merzbachbauer mit Selbstbewusstsein. Nun müssen sie bis zum nächsten Jahr warten. „Das macht nichts“, lacht Steffens. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nach dem 24. Juni niemand mehr Spargel will.“

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