Aachen/Tetz - Die unterirdische Cannabisplantage und ein Kopfschuss

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Die unterirdische Cannabisplantage und ein Kopfschuss

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Tatort Pickartzhof in Tetz: Hier befanden sich die Praxis eines Heilpraktikers, der sich beim Zugriff der Polizei eine Kugel in den Kopf jagte, sowie seine Drogenplantage. Vier mutmaßliche Helfer sind angeklagt. Foto: Wolters

Aachen/Tetz. Als das Spezialeinsatzkommando der Polizei am frühen Morgen des 19. Februar 2015 den Pickartzhof in Tetz stürmte, traf es dort auf den Besitzer des Hofes und das Drama begann. Denn der damals 68-Jährige hatte wohl ein schlechtes Gewissen.

Er hielt sich angesichts der Polizeiübermacht eine Pistole an den Kopf und drückte ab, obwohl ein Beamter noch versuchte, ihm die Waffe aus der Hand zu schießen.

Durch zwei Schüsse, der eigene Schuss drang in den Kopf ein, schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht. Später erlag er an den Folgen der Verletzungen.

Auslöser für den Einsatz war ein anonymer Anrufer, der bereits im Januar 2015 die Polizei auf die Spur jener ausgedehnten Drogenplantage direkt neben der Heilpraktikerpraxis des Hofbesitzers gebracht hatte. In fünf unterirdischen See-Containern wuchsen dort mehr als tausend Cannabis-Pflanzen unter der Erdoberfläche, aus der Luft völlig unsichtbar. Nur ein sechster Container stand abgeschirmt auf dem Grundstück und diente als Einstieg in das unterirdische Drogenanbaugebiet.

Seit Montag sind zwei Ehepaare vor dem Aachener Landgericht angeklagt, die dem ehemaligen Plantagenbesitzer beim Betrieb der unterirdischen Anlagen geholfen haben sollen. Bandenmäßiger Drogenhandel und Beihilfe dazu sind angeklagt.

Das ältere Ehepaar – sie ist 61, er 63 Jahre alt – sowie ihre Tochter (38) nebst Ehemann (48) sind angeklagt, dem verstorbenen Heilpraktiker beim Drogenanbau zur Hand gegangen zu sein. Wie am Montag ein Polizeiermittler vor der 9. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Melanie Theiner darlegte, habe man DNA-Spuren der Familie in der Container-Farm gefunden, entsprechende Chatverläufe auf den Handys der Angeklagten hätten die Verdachtsmomente gegen das Quartett erhärtet, die ansonsten anständigen bürgerlichen Berufen nachgehen.

Vor der Kammer sagten die Angeklagten am Montag auf Anraten ihrer Verteidiger bislang nichts zu den Vorwürfen aus, sondern nur zum jeweiligen persönlichen Werdegang. Spannend ist somit eher die Geschichte der Entdeckung der Plantage, auf der nach der Stürmung nur etwas mehr als 13 Kilogramm Marihuana – abgepackt in kleinere Tüten, also offenbar für den Straßenverkauf bestimmt – aufgefunden wurden. Nach der Fläche und der Zahl der bereits abgeernteten Pflanzen hätte es wesentlich mehr sein müssen.

Als am 13. Januar 2015 der anonyme Anruf bei der Polizei einging, hatte die Behörde zunächst Schwierigkeiten. Das Gelände sei nur schwer zu observieren gewesen, berichtete der Polizeibeamte im Zeugenstand. Überflüge über das Gebiet hätten auch keine entscheidenden Erkenntnis gebracht, nur der immense Anstieg des Strombezugs habe auf eine baldige Ernte schließen lassen.

Hauptteil der Ernte ist wohl weg

Von einem Hauptteil dieser Ernte fehlt jedoch bis heute jede Spur. Es möge sein, war von der Kripo zu hören, dass ein Privatflugzeug auf Merzbrück als Lastesel für die Drogen diente, denn ein Spürhund hatte in dem Fluggerät des Heilpraktikers Spuren von Drogen gefunden. Ob die Ware damit weggebracht wurde, sei allerdings bis heute nicht nachzuweisen. Der Prozess wird am 13. Februar fortgesetzt.

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