Jülich - Die unscheinbaren Töchter der Königin der Blumen

Die unscheinbaren Töchter der Königin der Blumen

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Robert Mohl und Alwin Reiche (v.l.) sind immer auf der Suche nach neuen Orchideenstandorten. Foto: Jonel
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Unscheinbar, aber weit verbreitet ist der breitblättrige Stendelwurz. Diese Orchidee findet sich auch in der Jülicher Innenstadt in öffentlichen Beeten. Foto: Jonel

Jülich. Wenn Alwin Reiche und Robert Mohl durch Jülich streifen, dann mit gesenktem Haupt oder zumindest mit Blick auf den Boden. Die beiden suchen etwas, was man in der Stadt kaum vermutet: Orchideen. Frei wachsende, natürliche, und nicht etwa solche, wie sie als Blumenschmuck in Gärtnereien und für 4,95 Euro in Baumärkten findet. Reiche und Mohl haben ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

Sie möchte möglichst umfassend das natürliche Vorkommen von Orchideen erfassen und dokumentieren.

„Wir werden uns bemühen, zunächst das Stadtgebiet aufzusuchen inklusive Sophienhöhe“, steckt Reiche das Feld ab. Für zwei Männer ist das schon ein beträchtlicher Bereich. Deshalb hätten sie gern Unterstützung. Sie suchen freiwillige Helfer, die nach Orchideen Ausschau halten und den beiden Standort und Zahl der Pflanzen meldet. Das wollen Reiche und Mohl zusammenführen zu einer Art Orchideenkataster.

Bis Oktober/November wollen möglichst viel sammeln, um eine erste Kartierung zu erstellen. Alwin Reiche denkt sogar an eine CD mit Fotos von den Orchideen. So sie auf privatem Grund wachsen, soll der Standort freilich nicht genannt werden. „Wir wollen ja keinen Vandalismus verursachen.“ Lässt sie diese erste Orchideensuche gut an, ließe sich der Suchradius durchaus erweitern, meinen die beiden Naturforscher. Alwin Reiche hat sogar Vorstellungen von Foto-Serien, die die gefundenen Pflanzen in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien im Laufe eines Jahres zeigt, oder über mehrere Jahre hinweg.

Das Kartierwerk, das sich Reiche und Mohl vorgenommen haben, hat einen konkreten Hintergrund. „Alle Orchideen stehen unter Naturschutz, und fast alle stehen auf der Liste der bedrohten Arten“, erläutert Robert Mohl.

Wer mit den beiden auf die Orchideensuche gehen möchte, braucht einen geschärften Blick. In Nordrhein-Westfalen gedeihen etwa 45 Orchideenarten. Etliche davon haben äußerlich wenig gemein mit Übersee-Verwandten, den mit verschwenderischer Blütenpracht ausgestatteten Epiphyten aus den Regenwäldern Amazoniens etwa.

Der breitblättrige Stendelwurz (Epipactis Helleborine) etwa, der in Jülich an erstaunlichen vielen Plätzen gedeiht, ist ein unscheinbares Pflänzlein. Von Blütenpracht ist jetzt im Hochsommer keine Spur. Dafür reiht sich Samenkapsel an Samenkapsel am Stengel. Im Vorfeld des evangelischen Friedhof, im Dauerschatten der Bäume ist der Stendelwurz deutlich kleiner im Wuchs als nur wenige Meter weiter in einem Sonne beschienenen öffentlichen Beet. „Den gibt es hier in Jülich wohl am häufigsten“, erwartet Mohl. 150, ergänzt Reiche, hätten sie schon gezählt. „Wir hoffen, bis zum Jahresende 500 zu finden.“

Manchmal hilft der Zufall, wie an der Meyburginsel, wo ein Orchideennest entdeckt wurde. Von den in NRW vorkommenden Arten werden beileibe nicht alle in und rundum Jülich gedeihen. „Sieben, acht Arten werden es wohl sein“, schätzt Mohl die Ausbeute in der hiesigen Region. Die prächtigste Art ist der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus), das Knabenkraut wächst beispielsweise am Blausteinsee. Und auf der Sophienhöhe hat Reiche schon das Große Zweiblatt entdeckt. „An der ist alles grün. Die würde man nie für eine Orchidee halten“, lächelt Reiche.

Wer Reiche und Mohl helfen will, wende sich mit seinen Entdeckungen an Alwin Reiche. Unter der E-Mail alwinreiche@web.de nimmt er die Angaben, Standort, Anzahl, Fotoaufnahme entgegen. Die botanischen Scouts können auch Termine mit Reiche oder Robert Mohl (E-Mail: robert-mohl@t-online.de) vereinbaren.

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