Jülich - Die Schwäne kehren nach Jülich zurück!

Die Schwäne kehren nach Jülich zurück!

Von: Volker Uerlings
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Zwei schwarze Schwäne vor dem „Stapellauf“: Hexenturm-Ordensträger Martin Marquardt (l.) macht sein Versprechen wahr, das er dem „Lazarzus“ und Präsident Hein Ningelgen gegeben hat. Foto: Uerlings

Jülich. Der Schwanenteich zu Jülich war viel, aber in seiner jahrhundertelangen Existenz nur etwa acht Jahrzehnte ein von Schwänen besiedelter Tümpel. Das wird sich wieder ändern. Genau am 1. Mai kehren die größten aller Entenvögel zurück. Das geschieht nicht ganz freiwillig, sondern in Form eines Geschenks, denn der frühere stellvertretende Bürgermeister Martin Marquardt löst sein Versprechen ein.

Als jüngster Träger des Hexenturmordens der Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus hatte genau das bei der Verleihung im Februar angekündigt. Die Tiere könnten am Mittwoch gegen 11 Uhr kurz selbst rüberfliegen, werden aber wohl kutschiert. Denn es handelt sich um die letztjährige Brut der Schwäne aus dem Brückenkopf-Zoo. Im übertragenen Sinne könnte man von „Muttkraten“ sprechen.

Das Biotop ist natürlichen Ursprungs, wird vom Ellbach und Mühlenteich gespeist und ist in einem sumpfigen Gebiet vor „unvordenklicher Zeit“ entstanden, wie der Herausgeber des Jülicher Kreisblatts, Adolf Fischer, in der Heimatbeilage namens „Rurblumen“ 1912 geschrieben hat. In diesem Artikel wird auch dargelegt, dass der Teich nicht etwa im Zuge des Festungsbaues angelegt worden sein kann. Sehr wohl aber machten ihn sich die Jülicher Grafen und Herzöge vor Jahrhunderten zunutze.

Der „Grafen-Weiher“ sorgte dafür, dass die Adeligen stets frischen Fisch speisen konnten. In einem Kaufbrief von 1512 heißt das kleine Gewässer „Herren-Weiher“, wie Adolf Fischer weiter darlegt, um nach dem Untergang des einst bedeutenden Herrscherhauses dem breiten Volk zur Verfügung zu stehen. Damit änderte sich auch der Name: in Schwemmteich.

Hier wurden die Pferde gewaschen und getränkt, hier wurde auch die Wäsche geschwemmt, denn der Teich lag damals eben nicht mitten in der Stadt.

Ganz sicher ist es nicht, aber um die vorletzte Jahrhundertwende – etwa 1903 – sollen eigens von der Hamburger Alster Schwäne beschafft und in Jülich angesiedelt worden sein, was dem Weiher den bis heute gültigen Namen verliehen hat. Überliefert aber ist: Die Tiere wurden sogar mit Waffengewalt verteidigt (siehe Info rechts).

In den 80er Jahren verschwanden die Schwäne; inzwischen findet man Enten und Nilgänse, aber eben nicht die anmutigen Patronatstiere. Nun erfolgt der Versuch der Wiederansiedlung – mit Musik, Fassbier und Anwesenheit der Lazarus-Brüder. „Kommen kann natürlich jeder“, sagt Martin Marquardt, dem vom Zoo-Tierpfleger Henry Fischer versichert worden ist, dass die neuen Schwanenteich-Schwäne auch nicht ausbüxen, wenn sie ordentlich angefüttert werden. Einen Futter-Sponsor gibt es auch schon: Kaiserhof-Hotelchef Reinhard Steiner will quasi eine 3-Sterne-Versorgung sicherstellen.

Auch Lazarus-Präsident Hein Ningelgen freut sich über die gute Idee. Nur – die Farbe stimmt nicht. Die Historische Gesellschaft trägt vorwiegend blau. „Und der Martin wollte auch blaue Schwäne haben. Aber der Martin kennt sich nicht aus und hat so viel Farbe zusammengeschüttet, dass jetzt schwarz herausgekommen ist.“ Dem Stifter ist‘s egal: „Wir haben bald wieder einen Schwanenteich, der den Namen verdient.“

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