Die Rückkehr des Kaisers nach Linnich

Von: Guido Jansen
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Ungewohnter Anblick für Karl-Leo und Dorothea Gerards: Die Kaiser-Figur (ganz links) ist wieder zurück in Linnich. Anfang der 70er Jahre war sie von Unbekannten aus dem Altar herausgebrochen worden. Foto: Guido Jansen
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Da ist Maxentius wieder: Von links verfolgt der Kaiser jetzt, wie die Philosophen verbannt werden, die Katharina (rechts) bekehren sollten. Foto: Guido Jansen
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Wieder komplett mit sieben Kaisern: der Katharinenaltar in St. Martin Linnich. Foto: Guido Jansen

Linnich. Der Kaiser ist zurückgekehrt nach Linnich. Seit genau einer Woche ist Maxentius wieder an seinem Platz im Katharinenalter der Pfarrkirche St. Martinus. Die Figur des Kaisers war seit den frühen 70er Jahren verschwunden, geraubt vermutlich von einem Kenner der Kirchenkunst, der zudem über ein hohes Maß an krimineller Energie verfügt haben muss.

„Da wusste jemand, was er tut“, sagt Marc Peez, Restaurator beim Landschaftsverband Rheinland. Denn der unbekannte Täter hatte es damals mehrfach getan, er raubte aus mehreren Kirchen im Bistum Aachen Figuren aus sogenannten Antwerpener Altären.

Wieder aufgetaucht waren die Kirchenkunstgegenstände im September 2016, als Unbekannte sie in zwei Reisetaschen verpackt über die Mauern der Abtei Maria Laach geworfen hatten. „Ob es die Erben des Kunstdiebes waren, die mit dem Nachlass nichts anfangen konnten, oder ob der Dieb so späte Reue gezeigt hat, das wissen wir nicht“, sagt Peez. Vergangene Woche Dienstag setzte er den Kaiser wieder an seinem Stammplatz ein.

Verbrennung der Philosophen

Im September schickte Peez per Mail Fotos rund an Gemeinden, bei denen bekannt war, dass Teile des Kirchenschatzes fehlen. „Als ich das Foto gesehen habe, da wusste ich sofort, dass es sich um Maxentius handelt“, erzählt Karl-Leo Gerards, Mitglied des Kirchenvorstandes an St. Martin und der Mann, der für Kirchenführungen verantwortlich ist. Denn erstens war ihm die Lücke im Altar immer aufgefallen. Und zweitens gibt es sechs weitere Maxentius-Figuren im Altar, der das Leben der Heiligen Katharina von Alexandrien erzählt. Maxentius ist der Kaiser, der Katharina zum Glauben der Römer bekehren wollte. Weil es ihm nicht gelang, ließ er Katharina schließlich hinrichten.

Der Altar der Katharina hängt links des Hochaltars. Die Maxentius-Figur wurde aus dem linken Relief des Altars herausgerissen, da, wo dargestellt wird, wie die Philosophen verbrannt werden, die Katharina vom Christentum abbringen sollten, das nicht schafften und stattdessen selbst Christen wurden.

Alle drei Altäre in St. Martin werden aufgrund ihres Herstellungsortes den Antwerpener Altären zugeordnet und stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Kirchenschätze Antwerpener Machart kommen laut Peez im Bistum Aachen häufiger vor. Der Katharinenaltar und der Hauptaltar stammen laut Gerards sogar aus einer Werkstatt und sind Produkte des Antwerpener Manierismus. „Die Figuren sind dargestellt wie Schauspieler auf einer Bühne, ihre Bekleidung wirkt wie aus einem Katalog für aktuelle Mode der damaligen Zeit“, erklärt Gerards.

Auf jeden Fall sind sie mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. „Es ist kaum fassbar, wie viel Arbeit sich die Menschen beim Herstellen dieser Altäre gemacht haben. Das bedeutet für uns heute eine Verpflichtung“, sagt Gerards‘ Frau Dorothea, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand. Schon früh nach dem Diebstahl der Figur hatte die Pfarre reagiert und hinter der Eingangstür ein gusseisernes Tor einbauen lassen, damit der Innenraum zwar eingesehen, aber nicht unbeaufsichtigt betreten werden kann.

Warum in Linnich ein Katharina-Kult entstanden ist, kann Karl-Leo Gerards nur vermuten. Im späten 9. Jahrhundert wird Linnich erstmals erwähnt als Kirchenstandort, und zwar im Zusammenhang mit der Steuerpflicht gegenüber dem Aachener Marienstift, also dem Dom. Katharina war Schutzheilige der Kreuzritter. „Möglicherweise hat sich das Haus derer von Palant in dieser Tradition gesehen“, vermutet Gerards. Die von Palant, die in verschiedener Schreibweise an vielen Stellen in der Region zu finden waren und sind, haben die Linnicher Altäre gestiftet. Es gibt auch eine nicht zugängliche, weil zugemauerte Familiengruft des Adelsgeschlechts in St. Martin.

Katharina ist auch die Patronin der Wissenschaft und Bildung. „Linnich wurde eine Schulstadt. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang“, sagt Gerards weiter. Fest steht, dass er künftig bei Führungen nicht mehr sagen muss, dass hier die leere Stelle im Altar ist, an der eigentlich der Kaiser stehen müsste.

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