„Die Polizei nimmt jeden Hinweis ernst”

Von: ptj
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Informative Gesprächsrunde im Familienzentrum Gemeindekindergarten „Zauberwelt” mit Theo Happe vom Kommissariat Vorbeugung. Foto: Jagodzinska

Titz. Aus „ganz aktuellem Anlass” hatte Birgit Kradepohl, Leiterin des Titzer Familienzentrums und Gemeindekindergartens „Zauberwelt”, Kontakt zu Kriminalhauptkommissar Theo Happe vom Kommissariat Vorbeugung aufgenommen: Vor den Augen einer Mutter war ein Kind von einem Fremden angesprochen und nach seiner Adresse gefragt worden.

Gerne erschien Happe im Familienzentrum zu einem Gesprächs- und Infoabend, denn „wir nehmen jeden Hinweis ernst”. Allerdings sollte er nachvollziehbar und zeitnah sein. Also „nicht zuerst mit der Freundin reden, rufen Sie uns an”, ermunterte der Kommissar. Im Übrigen ist „die 110 immer ein guter Ruf, wenn man sich Sorgen macht”.

Im lockeren Gesprächston erarbeitete der Experte gemeinsam mit den anwesenden Müttern und einem Vater in gut eineinhalb Stunden, wie man „gewisse Handlungsspielräume entwickelt und ohne Emotionen professionell reagiert”. Zunächst sollte ein Kind wissen, „dass es sich Fremden gegenüber ablehnend verhalten kann und darf”, wenn sein Bauchgefühl ihm zur Vorsicht rät.

Dieses Bauchgefühl müsse „bis zu einer gewissen Grenze” akzeptiert werden, was sogar für die ablehnende Haltung gegenüber den Küssen der Oma gelte. Wird das Kind von Fremden angesprochen, „einfach ignorieren und weggehen”. Der Hilferuf sei letztes Mittel, wenn es wirklich bedrängt wird. Happe riet allerdings davon ab, einem Kind grundsätzlich zu verbieten, mit Fremden zu sprechen, denn jeder Erwachsene sei eine „Rettungsinsel” in der Not.

Interessant war Happes Ausspruch: „Kinder machen nichts falsch. Sie lernen nur das Falsche”. Berichtet ein Kind also von einem Vorfall, Ruhe bewahren, aufmerksam zuhören, ohne Vorhaltungen zu machen oder „nachzubohren”, dann erst Kontakt zu Fachleuten aufnehmen. Ein Kind würde sich nicht wiederholt an jemanden wenden, der in Panik gerät oder aber sich ablehnend verhält. Kinder kopierten immer das Verhalten von Eltern und Betreuern.

So riet er Eltern unter anderem, nicht bei jedem Klingeln gleich die Haustüre aufzureißen oder sich nicht aus falsch verstandener Höflichkeit zu einem Fahrzeug hinunterzubeugen, wenn dessen Fahrer nach dem Weg fragt, sondern höfliche Distanz zu halten. Das Thema Vorbildfunktion wurde im Gespräch ausgeweitet auf Streit und Versöhnung, Alkohol- oder Internetkonsum, Familientraditionen oder die Umgangssprache in der Familie. Präventionsmittel gegen Missbrauch sei ein funktionierendes Elternhaus, wo dem Kind täglich Zeit gewidmet wird und es Respekt und Selbstvertrauen erfährt. Täter bevorzugten unsicher wirkende Kinder, zu denen sie unbemerkt Kontakt aufbauen können.

Ein Grundsatztipp war ein guter Kompromiss dazwischen, „ein Kind unter der Glasglocke zu halten” oder ihm einfach zu viel zuzutrauen und zuzumuten. So sei es empfehlenswert, Kinder zu mehreren auf den Schulweg oder den Spielplatz zu schicken.

Ein anderes Thema war der Mut zur Zivilcourage Erwachsener. Wird ein Kind angesprochen, besteht die Möglichkeit, sich einzumischen und sich in neutralem Tonfall nach dem Grund zu erkundigen und im Verdachtsfall die 110 zu rufen. Auch hier gilt, nicht überzureagieren oder sich an einer eventuellen Hetzjagd zu beteiligen, die sich laut Happe gelegentlich auch in „social networks” anbahnt.

Der Kommissar berichtete von Vorfällen, zu denen die Polizei gerufen wurde, wo wirklich nur der Onkel nach Absprache mit den Eltern mit seinem Dienstwagen ein Kind aus dem Kindergarten abgeholt hatte. Und, wie nebenstehendes Interview zeigt, in den meisten Missbrauchsfällen ist es nicht der böse Fremde.
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