Die neue „Volksschule“ ab Donnerstag in Titz ?

Von: Guido Jansen
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Hereinspaziert: Leiterin Stefanie Törkel-Howlett (l.) und ihre Vertreterin Anja Schüürmann freuen sich auf die Erstklässler. Foto: Jansen

Titz. Am Mittwoch sind die Klassenräume fertig. Am Montag war davon noch nicht viel zu sehen, denn da waren die Maler noch dabei, den Wänden einen neuen Anstrich zu verpassen. In der Schulklasse steht dann ein runder Tisch in der Mitte. Drumherum 25 sogenannte Bewegungshocker, auf denen die Kinder wackeln können.

Das preußisch akkurate Bilden von Bankreihen gehört in Titz der Vergangenheit an. Die Bänke im Randbereich der Klassen sind keine Katzen- oder Straftische. Da sollen die Kinder in Ruhe für sich oder in kleinen Gruppen arbeiten. Stundenpläne mit Worten wie Mathematik, Deutsch oder Religion gibt es auch nicht mehr. Die Schüler erhalten bis zur achten Klasse einschließlich keine Noten.

Das sind drei Teile des Konzepts, mit dem die Primusschule in Titz am Mittwoch in den Räumen des Schulzentrums an den Start geht. Die 51 angemeldeten Kindern sind die ersten, die im Regierungsbezirk Köln eine sogenannte Primusschule besuchen.

Die Idee ist zwar nicht neu, die Klassen eins bis zehn auf eine Schule zu schicken. Das gab es früher bei Volksschulen ebenfalls, vor allem auf dem Land, wo es nicht genügend Kinder eines Jahrgang für eine Klasse gab. Das Konzept, das hinter einer Primusschule wie Titz steckt, ist allerdings neu. Kinder werden mit älteren Schülern zusammen unterrichtet, wenn sie in einzelnen Bereichen weiterentwickelt sind. Aus ihrer Klasse heraus müssen sie deswegen nicht. In Titz passiert das Lernen mit Älteren, sobald es Ältere gibt. Jetzt ist erst einmal Start mit den 51 angemeldeten Kindern, die zwei erste Klassen bilden.

Die Titzer Primusschule ist die fünfte ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. Für Titz war die neue Schulform möglicherweise eine Art letzte Chance, überhaupt weiterführender Schulstandort zu bleiben. Die Hauptschule, im Moment noch einzige Einrichtung im Sekundarbereich in der Gemeinde, hat schon zum dritten Mal in Folge keine Eingangsjahrgänge mehr und führt deswegen nur noch die Klassen acht, neun und zehn. Drei Schuljahre, dann ist Schluss. „Für uns ist das Modell der Primusschule die beste Möglichkeit“, sagt die neue Rektorin Stefanie Törkel-Howlett. „Für Titz ist es vielleicht wirklich die letzte Chance.“

Eine sehr gute Chance, wie Törkel-Howlett und ihre Stellvertreterin Anja Schüürmann betonen. Nicht nur, weil andere Kommunen sich auch darum beworben haben, die neue Art Schule bei sich einzuführen und eine Absage erhalten haben. „Das Problem an anderen Stellen könnte gewesen sein, dass eine Primusschule den Standorten die Schüler wegnimmt“, sagt Törkel-Howlett. In Titz ist das nicht der Fall, die Hauptschule läuft aus, die Grundschule in einigen Jahren ebenfalls.

Die Lehrer der Grund- und Hauptschule, die in das neue Modell wechseln wollen, haben die Möglichkeit dazu. Wie viele diesen Schritt machen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Dann sitzen sie auch auf den Bewegungshockern. Die Rektorin nimmt den Eltern die Angst davor, dass die Sprösslinge umfallen oder sich zu Zappelphilippen entwickeln könnten. „Ich habe versucht, damit umzufallen“, sagt Törkel-Howlett von ihrem persönlichen Härtetest auf dem Bewegungshocker. Das neue Konzept wird die Schüler also nicht vom Hocker reißen. Aber möglicherweise die Eltern, die feststellen, wie gut sich ihre Kinder entwickeln.

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