Die neue Heimat liegt „Zwischen den Höfen”

Von: Christoph Lammertz
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Morschenich hatte die Wahl: Die Mehrheit im Ort entschied sich für den Umsiedlungsstandort „Zwischen den Höfen”. Foto: Lammertz

Morschenich. Am Morgen dieses letzten Frühlingstags 2010 unterscheidet den Ort auf den ersten Blick nichts von anderen im Südosten des Kreises. An manchen Häusern wehen Deutschlandfahnen, in den Vorgärten grünt und blüht es. Morschenichs Straßen sind so gut wie menschenleer.

Eine Sonntagsmesse gibt es nicht; sie ist am Abend vorher gelesen worden. Man muss schon genauer hinsehen, um zu erkennen, dass dieser Tag für die Menschen in Morschenich ein bedeutender ist.

237 von 307 Stimmen

Hin und wieder setzt sich ein Auto in Bewegung. Kurz vor dem Ortsausgang biegen die Wagen links in einen Wirtschaftsweg ab. Ein paar hundert Meter weiter liegt das Schützenheim. Dort entscheidet Morschenich über seine Zukunft. 430 Menschen dürfen zwischen drei alternativen Standorten für „Morschenich neu” wählen. Sie dürfen bestimmen, wo ihre neue Heimat sein soll, wenn ab 2014 die Braunkohlenbagger den alten Ort von der Landkarte tilgen.

Bis 18 Uhr nutzen 307 Morschenicher ihr Wahlrecht - und sprechen sich sich mit überwältigender Mehrheit für das Umsiedlungsgebiet „Zwischen den Höfen”, den nordöstlich von Merzenich gelegenen Standort, aus: 237 Stimmen sorgen für ein eindeutiges Votum. Die Standorte „An der Elle” (39 Stimmen) und „Am Burghof” (31) folgen mit großem Abstand.

„Ich würde am liebsten Alt-Morschenich ankreuzen”, sagt Josef Krichel noch am Morgen in der Dorfkneipe. Mit seinen Skatbrüdern Dieter Gumprecht und Hubert Hoven ist er sich einig, dass ein Verbleib in der alten Heimat mit Abstand die beste Lösung wäre. Gerade die ältere Generation im Ort treffe die Umsiedlung hart, sagt Krichel: „Ich bin viel zu alt, um Steine zu schleppen. Ich kann doch nicht mehr neu bauen.”

Sein Kreuzchen will er später trotzdem noch machen - hinter „An der Elle”, dem Umsiedlungsstandort nördlich von Merzenich.

Seine beiden Skatbrüder haben sich dagegen für „Zwischen den Höfen” entschieden. „Das scheint mir der Favorit zu sein”, sagt Merzenichs Bürgermeister Peter Harzheim, als er am Mittag unter anderem mit dem Bürgerbeiratsvorsitzenden Bruno Rüth im Schützenheim in die Glaskugel schaut.

Harzheim, selber Morschenicher, hat sein Kreuz hinter „An der Elle” gemacht. „Ich glaube aber, dass die Aussicht auf einen eigenständigen Standort den Ausschlag für Zwischen den Höfen geben wird”, prognostiziert der Bürgermeister. Das sieht Bruno Rüth genauso. Die jüngsten Nachrichten über die Pläne, ein Container-Terminal am Vorbahnhof nahe den beiden anderen möglichen Umsiedlungsstandorten einzurichten, hätten sicher viele Morschenicher noch beeinflusst, mutmaßt er.

Aber die Morschenicher entscheiden an diesem letzten Frühlingstag 2010 anders. Etwa 100 von ihnen sind ins Schützenheim gekommen, um die Auszählung mitzuerleben. Eine Viertelstunde nach Schließung der Wahlurne um 18 Uhr verkündet Vera Müller von der Bezirksregierung das Ergebnis. „Gut, dass es so eine eindeutige Aussage gegeben hat”, freut sich Bürgermeister Harzheim. Beim Bierchen wird über das Ergebnis debattiert. Die meisten sind zufrieden. Die Stimmung ist gut. Auch wenn sicher viele wie Josef Krichel „Alt-Morschenich” angekreuzt hätten, wenn es auf dem Wahlzettel gestanden hätte.
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