Rödingen - Die Männer das Fürchten gelehrt

Die Männer das Fürchten gelehrt

Von: ptj
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Vor 20 Jahren waren sie das erste weibliche Dreigestirn weit und breit, heute fließt immer noch karnevalistisches Blut in ihren Adern: (v. l.) Helene Dolfus, Margot Ochsenfort und Beatrix Waloszyk. Foto: Jagodzinska

Rödingen. „So manchem Rödinger Mann wurde es angst und bange.“ So stand es vor 20 Jahren in unserer Zeitung, nachdem Harald Düren, damals Sitzungspräsident der Rödinger KG Rot-Gold, auf der Prunksitzung in deren Jubiläumssession (4 x 11 Jahre) das erste weibliche Dreigestirn proklamiert hatte.

„Zum ersten Mal hat damit in Rödingen eine rein weibliche Herrscherriege den närrischen Thron bestiegen“, hieß es weiter. Es war nicht nur das erste Frauendreigestirn in Rödingen, sondern nach Bekunden der Protagonisten eine Premiere weit und breit, eine Sensation und ein kleiner Skandal gleichzeitig. Auch der „Geistlichkeit blieb damals ein Seitenhieb nicht erspart: „Wenn es schneit, muss Pfarrer Telorac seine Hunde als Schlittenhunde für den Prinzenwagen zur Verfügung stellen.“

Der Titzer Bürgermeister hieß damals noch Wilhelm Lieven. Beim abendlichen jecken Altweiberempfang im Rathaussaal ließ das Spieler Urgestein die Rödinger Prinzessin Margot (Schnitzler, heute Ochsenfort), Bauer Helene (Dolfus), Jungfrau Beatrix (Waloszyk) und Page Elisabeth (Minkenberg) natürlich „nicht ungeküsst von der Bühne“.

„Wir, Margot, Helene und ich, wollten immer schon einmal im Leben Dreigestirn sein. Natürlich wussten wir, dass das nie sein kann, weil das nur Männer machen konnten“, erinnert sich Beatrix Waloszyk. Dann kam es aber doch anders: Bei einem zufälligen Gespräch im Lokal mit dem „Rot-Gold“-Vorsitzenden Hermann-Josef Becker und Schriftführer Bert Hermanns im „Kapellchen“ fanden die beiden sichtlich Gefallen an der Idee und setzten sie im Vorstand durch.

Die Damen wurden jedoch „ordentlich boykottiert“. So stornierte beispielsweise ein Vorstandsmitglied die Ordensbestellung – ohne Ordensverkauf hätte sich das Dreigestirn nicht finanzieren können. Kurzfristig gelang aber doch die Produktion der halben Bestellmenge. „Damals kostete ein Orden 50 DM. Die meisten gaben sehr viel mehr oder kauften zwei Orden und mehr“ – so war das karnevalistische Treiben gesichert. Das Dreigestirn ließ sich nicht unterkriegen, und: „Der größte Teil des Vorstands stand hinter uns, viele halfen uns bei den Vorbereitungen.“ Waloszyk erinnert sich an die selbst gesteckten Sträusschen aus Trockenblumen, „die heute noch in einigen Wohnzimmern zu sehen sind“.

Marina Peredery half bei der Ordensgestaltung: Motiv waren vier Frauen unter Feuerwerk, tanzend auf einem Apfel und einer Schlange. Ihr Motto hieß „Vier Frauen kommen langsam, aber gewaltig“. Die geballte Frauenpower präsentierte sich stets mit einem selbst geschriebenen Lied. „Wir sind sehr gut angekommen, es war toll. Wir fuhren von einer Einladung zur nächsten und sind spontan mit unseren Musikanten gefahren und sie mit uns.

Plötzlich hatte Rödingen wieder viel Gastvereine, die zu unserem Straßenbiwak gekommen sind“, erzählt Waloszyk. Alle karnevalistischen Ideen konnten die drei Grazien plus Page umsetzen, etwa mit der „platten Schüpp Kamelle schmeißen“. Andererseits war es „trotzdem jedesmal ein Kampf: Vor allem für die KG-Mitglieder, die hinter uns standen. Mindestens einmal pro Woche wurde wegen uns eine außerordentliche Sitzung einberufen.“

Am Rosenmontag schließlich „hatten die letzten Verächter ein Lächeln für uns übrig, als sie uns traurig und weinend am Ende des Rosenmontagszuges erlebten“. Vergessen wird das Trio die Session bestimmt nie: „Fremde Vereine haben Lieder auf uns getextet...“

Jetzt, 20 Jahre später, ist Jungfrau Daniela (Dolfus), Helenes Schwiegertochter, mit im ebenfalls weiblichen Dreigestirn, das heute allerdings niemandem mehr Angst macht. Das Dreigestirn im Karneval ist lange keine Männerdomäne mehr. Das erste weibliche Dreigestirn ebnete sogar den Frauen den Weg, Mitglied in der KG zu werden.

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