Jülich - „Die Lüge“: Gelungener Ausklang der Jülicher Theaterreihe

„Die Lüge“: Gelungener Ausklang der Jülicher Theaterreihe

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Hier sieht es noch nach Entspannung aus. Doch was sich im Verlauf der verstrickten Handlung entwickelt, ist alles andere als entspannt. Foto Wolfgang Emde Foto: Wolfgang Emde

Jülich. In der Jülicher Theaterreihe gastierte das Grenzlandtheater Aachen mit der Komödie „Die Lüge“ von Florian Zeller. Aus einer anfänglich recht schlichten Szenerie entwickelt sich ein raffiniertes Spiel um Lüge und Wahrheit.

Das Philosophieren über die Berechtigung einer Lüge wird Inhalt eines amüsanten Spiels um Ehe, Seitensprünge und Freundschaft.

Alice und Paul haben ihre besten Freunde, das Ehepaar Laurence und Michel, zum Essen eingeladen. Kurz vor ihrem Eintreffen versucht Alice, ihren Mann zu bewegen, die Einladung noch abzusagen. Ihren anfänglichen Ausreden folgt schließlich der wahre Grund. Sie hat nachmittags Michel gesehen, der eine fremde Frau küsste. Nun sieht sie sich mit dem Konflikt konfrontiert, entweder ihrer Freundin alles zu sagen oder den ganzen Abend aus taktischen Gründen diesen Fakt zu verschweigen.

Die Diskussion mit ihrem Mann ist nicht so recht hilfreich, da ihre Meinungen absolut konträr sind. Sie endet abrupt, denn als Paul absagen will, stehen die Gäste schon vor der Tür.

Pikante Handlung

Schwungvoll entwickelt sich nun die raffiniert pikante Handlung, die von geschliffenen Dialogen, Esprit und französischem Charme sprüht. Die Schauspieler bringen in ständigem Schlagabtausch in verschiedensten Versionen die Kernfragen zur Sprache: Was ist Lüge? Ist Lüge ein Beweis von Takt, Freundschaft oder sogar Liebe?

Die Zuschauer folgten diesem Spiel mit großer Freude und Spannung, denn nicht immer war sofort klar, wer nun wem die Wahrheit sagte oder den anderen mit Lügen provozieren wollte.

Der Regisseur Jens Pesel inszenierte die Komödie mit deutlicher Akzentsetzung. Das klare, nicht überdimensionierte Bühnenbild stellte ein modernes Wohnzimmer in Paris dar und beschränkte sich auf das Wesentliche.

Die Raffinesse des Bühnenbildes zeigte sich in der Schlussszene, als auf einmal nicht nur der Durchblick zur Küche ermöglicht wurde, sondern damit auch perfekt inszeniert der Durchblick bei der Handlung gelang.

Die schauspielerischen Fähigkeiten des Ensembles und die geistreichen Dialoge standen im Vordergrund. Jonas Eckert als Paul, Julia Wolff als Alice verkörperten das Ehepaar, das sich immer mehr in Lügen verstrickt, mit großer Brillanz. Anschuldigungen und Provokationen ließen Fassaden bröckeln, die jedoch schnell wieder errichtet wurden und eine heile Welt vorgegaukelten. Dagegen verkörperten Guido Renner als Michel und Franziska Arndt als Laurence eher das ruhigere Paar, das die Lüge eher als eine Form von Weisheit und Hang zum Geheimnis sah.

Diese schwungvolle, bitterböse Komödie um Wahrheit und Lüge mit Tiefgang bot beste Unterhaltung, amüsierte, regte aber auch zum Nachdenken an.

„Die Lüge“ war ein gelungener Ausklang der Theaterreihe für diese Spielzeit und erhielt vom Publikum den verdienten begeisterten Schlussapplaus.

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