Die Leichtigkeit des Reitens

Von: ptj
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Herausforderungen der „maniabilité”: Die Teilnehmer und ihre Pferde meistern in jeweils zwei Minuten eng gesteckte Hindernisse. Foto: Jagodzinska

Opherten. An einem heißen Sommertag ziehen weiße, kraftvolle Camarguepferde durch eine prächtige Landschaft. Sie werden von ihren „Gardians” in südfranzösischer Ausrüstung nach französischem Reglement beritten, also hauptsächlich durch Schenkel- und Gewichtshilfen des Reiters bei leicht anstehender Kandarre.

Mit dabei sind zwei junge Frauen in den traditionellen Kostümen der Städterinnen von Arles im 17. und 18. Jahrhundert.

Von diesem spontanen Schaubild fühlte sich der Besucher beim dritten „Camargue-Stammtisch zu Pferd” auf dem Capitelshof in Opherten nach Südfrankreich versetzt. Gastgeberin Susanne Renker, die nach einem Reitunfall allerdings ruhig gestellt ist, veranstaltete mit ihrem Camargue-Verein ein publikumswirksames Spaßturnier in Anlehnung an die Geschehnisse um die „course camarguaise”, die unblutige Stierkampfvariante in Arles. Der Morgen war geprägt von der „reprise de travail”, der Arbeitsreitweise und einer Dressur in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

19 Teilnehmer stellten ihre Pferde vor, „jeder, wie er will”, lautete hier die Maxime - im Gegensatz zu südfranzösischen Vorschriften. Mit dabei waren auch zwei „artfremde” Pferde: Ein Quarterhorse und ein Haflinger.

Unter anderem demonstrierte Christiane Franzen, wie gut das Verstehen zwischen Pferd und Reiter wirklich funktionieren kann. Sie ritt ihr Pferd vor- und rückwärts nur mit Halsring, ohne Kandarre. „Die Nachahmung ist beim ersten Mal nur bei umgrenzter Koppel zu empfehlen”, lautete der fachmännische Rat. Auf Disziplinen wie den „trie de bétail”, das Aussortieren der Stiere, musste der fehlenden Tiere wegen verzichtet werden.

Gelassen und gehorsam

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der „maniabilité”, der Gelassenheits- und Gehorsamsprüfung: Die Teilnehmer und ihre Pferde meisterten in jeweils zwei Minuten eng gesteckte Hindernisse jeder Art: Sprünge, Lateralverschiebungen und Rückwärtsschritte des Pferdes oder das Gehen über eine Plane. Sie führten die Fahne mit dem Brandzeichen der Camargue, Herz, Kreuz und Anker mit sich oder nahmen vom Pferd aus eine Flasche „vin gris” von einem Tisch und schenkten ein Glas davon ein.

Unter den zahlreichen Zuschauern befand sich auch eine Gruppe junger Gesellen aus Lyon, die „Compagnons du Devoir”, die in Deutschland handwerkliche Erfahrungen sammeln. Die alle zwei Jahre stattfindende Hommage an die Camargue und die gleichnamige Pferderasse war für das Publikum erneut ein Event und für die Teilnehmer eine gute Turniervorbereitung.

Susanne Renker will nach ihrer Genesung sofort wieder reiten. „Das Pferd konnte nichts dafür. Es ist ausgerutscht”, will sie nicht unerwähnt lassen. Pech war dabei nur, dass der Tierkörper dabei genau auf ihr Bein fiel. „Dem Pferd ist nichts passiert”, scheint ihr das Wichtigste zu sein.
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