Aldenhoven - Die Kommende ist ein Fall für eine riesige Kreissäge

Die Kommende ist ein Fall für eine riesige Kreissäge

Von: Guido Jansen
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Die Schäden an dem Herrenhaus sind enorm. Foto: Guido Jansen
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Die Schäden an dem Herrenhaus sind enorm. Foto: Guido Jansen
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Die Schäden an dem Herrenhaus sind enorm. Foto: Guido Jansen
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Die Schäden an dem Herrenhaus sind enorm. Foto: Guido Jansen
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So stattlich sah das Herrenhaus in frühen Zeiten aus. Foto: Förderverein

Aldenhoven. Der Turm ist nicht schief, er wackelt auch nicht. Und trotzdem ist der Westturm der Ruine des Herrenhauses der Siersdorfer Kommende das große Sorgenkind all derer, die versuchen, das alte Gemäuer zu retten. Denn der Turm versinkt ganz langsam im Boden. 13 Zentimeter ist er in den vergangenen 60 Jahren abgesackt.

Das klingt nicht nach viel. Das Problem: Im übertragenen Sinn versucht der Turm, den Rest des Herrenhauses aus dem Jahr 1578 mit in die Tiefe zu reißen. Die Folge: Rund um den Turm gibt es massive Risse im Bauwerk. Der vom Artilleriebeschuss im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Renaissancebau ist deswegen zwar nicht akut vom Einsturz bedroht. „Wir müssen trotzdem was tun, sonst geht das mit den Rissen immer weiter“, sagt Guido von Büren, der Vorsitzende des Fördervereins Kommende Siersdorf.

Seit drei Jahren versucht der Verein, das Herrenhaus für die Nachwelt zu retten. Mittlerweile wissen die Retter, dass der Westturm wohl ihre größte Herausforderung wird. Die Lösung für das Problem klingt nicht nur spektakulär, sie ist es auch: Mit einer riesigen Spezial-Kreissäge soll der sinkende Turm vom Rest des Gebäudes abgetrennt werden und sich selbst überlassen werden. „Reisende soll man nicht aufhalten. Deswegen trennen wir den Turm ab“, sagt von Büren. Einen solchen Säge-Einsatz hat es vor rund 30 Jahren schon einmal gegeben, ebenfalls an einem Renaissance-Bau. Damals wurde an der Jülicher Zitadelle gesägt, weil Teile ebenfalls in den Boden gesunken sind.

Der Grund damals in Jülich und aktuell in Siersdorf sind tektonische Störzonen, über denen das Erdreich langsam absinkt. Das Herrenhaus reißt quasi an den von den Erbauern unfreiwillig geschaffenen Sollbruchstellen. „Irgendwo müssen die Kräfte ja hin. Sie zeigen sich da, wo das Gemäuer am schwächsten ist, nämlich an den Fenstern neben dem Turm. Da sieht man von außen die größten Risse“, sagt von Büren. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen ist das Gewölbe, das im Keller an den Turm angrenzt.

Es ist wichtig für die Stabilität des Haupthauses in diesem Teil. Allerdings sind die Risse hier massiv und die Tragfähigkeit des Gewölbes kann derzeit nur mit Stützen gewährleistet werden. Fünf vor Zwölf Laut von Büren sieht der Zeitplan vor, dass ein Statiker in diesem Jahr berechnen soll, wo die Sägeschnitte am besten angesetzt werden und wie. Spätestens im kommenden Jahr soll der Westturm dann abgetrennt werden. Wie teuer die spektakuläre Säge-Aktion wird, ist derzeit noch unklar, die Planungen laufen beim Förderverein. So viel ist allerdings sicher: Es muss gesägt werden, wenn der Bau erhalten bleiben soll, den der Orden der Deutschritter damals hochgezogen hat, um zwölf Rittern plus Gesinde Platz zu bieten.

Wenn das Entstehen der Risse nicht gestoppt wird, dann waren die vielen schweren Arbeiten des Fördervereins bisher vergebens. „Wir wünschen uns oft, dass wir früher hätten anfangen können, hier zu arbeiten. Der Verfall ist überall erkennbar, es ist Fünf vor Zwölf. Aber wir sind uns sicher, dass es noch nicht zu spät ist.“

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