„Die Knef“ doppelt auf Jülicher Bühne

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Auf der Bühne in Jülich: Die junge Hilde, die mit dem Skandal-Film „Die Sünderin“ 1951 den Durchbruch schaffte, und die gereifte „Knef“, gespielt von Yvonne Klamant und Sacha Holzheimer. Foto: Daniela Mengel-Driefert

Jülich. Etwas überraschend war es schon für alle Beteiligten. Wegen akuter Erkrankung zweier Schauspieler des Landestheaters Dinkesbühl fiel das angekündigte Theaterstück „Ein Herz und eine Seele“ in der Stadthalle aus. „230 Karten waren im Vorverkauf weggegangen“, sagte Christoph Klemens vom Kulturbüro der Stadt Jülich.

Ein Ersatz musste her und kurzfristig wurde umdisponiert. Für „Ekel Alfred“ kam Hidegard Knef. Das Landestheater zeigte „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ von James Lyons und William Ward Murta unter der Regie von Frank Piotraschke. Das Publikum reagierte auf die plötzliche Programmänderung sehr unterschiedlich. Eingefleischte „Ekel Alfred-Fans“ zeigten sich natürlich enttäuscht, einige Besucher gaben auch ihre Karten zurück.

Publikum gespannt

Andere nahmen es mit Humor und meinten die „Knef“ wäre ihnen sowieso lieber. Und Klemens war glücklich, eine Alternative anbieten zu können. Der Saal war trotzdem gut gefüllt, das Publikum gespannt.

Auf der Bühne wurde Hildegard Knef (1925 - 2002) dann gleich von zwei Schauspielerinnen verkörpert. Die „Knef“, eine gereifte und vom Leben gezeichnete Frau, spielte Sacha Holzheimer und in die Rolle der jungen Hilde, noch voller Träume und Hoffnungen, schlüpfte Yvonne Klamant. Dominik Tremel begleitete am Piano. Die beiden Knefs sprachen und sangen über das Leben aus unterschiedlichen Perspektiven. Es ging um Erfolge und Misserfolge, um die Liebe, die Leidenschaft, Schicksal und Krankheit, Zerrissenheit und Selbstzweifel. Ein sensibel gezeichnetes Portrait der großen Diva, Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin.

So standen Hilde und die „Knef“ auf der Bühne und sinnierten: „Meine Selbstgespräche nehmen überhand. Ich habe mir 50 Schlaftabletten gekauft, obwohl ich nie welche nehme“, oder sangen ihre Lieder wie zum Beispiel „In dieser Stadt“ oder „Für mich soll´s rote Rosen regnen“. Das Leben der Hildegard Knef war gekennzeichnet von großartigen Erfolgen und unglaublichen Tiefen.

Sängerin ohne Stimme

Sie wurde mit Preisen überhäuft, schrieb Bestseller, war Theater- und Filmschauspielern, veröffentlichte zahlreiche Singles, LP-und CD- Alben. Ella Fitzgerald bezeichnete die Knef als die „beste Sängerin ohne Stimme“. Ihr rauchiges Organ und die lakonische Ironie ihrer Texte waren ihr Markenzeichen. Sie war dreimal verheiratet, hatte eine Tochter, wechselte häufig den Wohnort und durchlebte schwere Erkrankungen.

„Knef“ und Hilde ließen dieses Leben Revue passieren mit Texten und Liedern der Künstlerin. Ob als Sängerin neben dem Piano, Diva im Abendkleid oder Autorin an der Schreibmaschine, immer stand die starke und zugleich fragile Persönlichkeit im Fokus. Am Ende honorierte das Publikum die Darsteller mit großem Applaus. Kein Abend für die Lachmuskeln wie angekündigt, aber ein Neustart der Theaterreihe 2013/14.

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