Die Kasel: Ein Jülicher Kirchenschatz aus Selgersdorf

Von: Josefine Meurer, Kuratorin
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Gottesdienstliche Textilie: die Kasel aus der Kirche St. Stephanus Selgersdorf, zwischen 1880 und 1900. Foto: Bernhard Dautzenberg

Jülich. Die Pfarrei Heilig Geist Jülich beheimatet viele Schätze. Diese reichen von großformatigen Altären bis zum unscheinbaren Kelch. Sie alle legen Zeugnis ab vom tief verwurzelten christlichen Glauben, aber auch vom steten Wandel der katholischen Kirche.

Gebräuche ändern sich, Liturgien wandeln sich oder werden einschneidenden Neuerungen unterworfen, mancher liturgische Gegenstand verliert dadurch seinen „Sitz im Leben“ oder erscheint nicht mehr zeitgemäß. Bis zum 10. September 2017 hat sich die Turmhalle im Westturm der Propstei- und Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt Jülich zu einer Schatzkammer auf Zeit verwandelt (Öffnungszeiten siehe Terminkalender). Für jede der 16 in der Pfarrei Heilig Geist Jülich zusammengeschlossenen Gemeinden wurde ein Objekt ausgewählt.

Es handelt sich dabei nicht immer um das materiell oder künstlerisch wertvollste Objekt der Kirche, sondern um dasjenige, das bei der Auswahl am meisten berührte – durch sein Erscheinungsbild genauso wie durch die Geschichte, die sich mit ihm verbindet. Alle Gegenstände haben mit der Messfeier und der Eucharistie zu tun. Deshalb lautet der Titel: „Alle um einen Tisch“. Die Präsentation wird von einer Publikation begleitet, in der alle 16 Ausstellungsstücke dokumentiert sind. In einer sechsteiligen Artikelreihe stellen die Kuratoren der Ausstellung in nächster Zeit einige Objekte vor.

Kasel aus der Kirche St. Stephanus Selgersdorf: Gottesdienstliche Textilien sind in der katholischen Kirche oft künstlerisch aufwendig gestaltet. Die Kasel, das Obergewand des Priesters, ist häufig mit vielfältig künstlerischen Sinnbildern versehen. Die Aussagekraft der Symbole hat sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) stark verändert. Prunkvolle Gewänder mit bildlichen Motiven sind von klaren abstrakten Formen abgelöst worden. Als der Priester damals die Messe mit dem Rücken zum Volk zelebrierte, war die Rückseite des Gewandes schwerpunktmäßig künstlerisch ausgearbeitet.

Den Gläubigen wurden an Hand von Symbolen kirchliche Bildnisse dargestellt. Die fünfblättrige Rose, ein Symbol für die fünf Wunden Christi, wurde oft verwendet, ebenso die Lilien, ein Symbol für die Gottesmutter Maria. In das Tuch eingewebt waren Tier- und Blumenmerkmale, der Hirsch als Symbol für den Menschen, der Gott sucht. Der Adler, der die Fürsorge Gottes darstellt. Seit der Liturgiereform betet der Priester mit den Gläubigen von Angesicht zu Angesicht. Die künstlerische Gestaltung der Vorder- und Rückseite ist heute gleich. Die liturgischen Farben für die Gewänder sind geblieben: weiß, Sinnbild des Lichts, wird bei Hochfesten wie Weihnachten und Ostern verwendet; rot, die Farbe des Blutes, Feuers, Sinnbild des Heiligen Geistes; grün, Farbe für erneuerndes Leben und Hoffnung; violett ersetzt heute oft schwarz, Sinnbild für den Übergang und die Verwandlung. Alle Gewänder haben auch heute noch ihre eigene Aussagekraft und Bedeutung.

Die reich bestickte Kasel aus Selgersdorf stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie wurde aus in Krefeld hergestelltem Satin gefertigt, der mit eingewebten Hirsch- und Adlermotiven verziert ist. In der Chronik der Pfarrei Selgersdorf hat Pfarrer Joseph von Gils aufgeführt, dass die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche mit Sachen versorgt wurde, die in den vom Krieg verschonten Teilen des Bistums Aachen gesammelt wurden. Auf diese Weise wird auch die Kasel nach Selgersdorf gekommen sein.

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