Jülich - Die Jülicher Tafel zieht in eine neue Bleibe um

Die Jülicher Tafel zieht in eine neue Bleibe um

Von: Maria Pakura
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Maria Güldenberg (Vorsitzende, von rechts), Heinz Georg Plott (2. Kassierer), Dr. Gerhild Lottner (Schriftführerin), Ilka Winter (Kassiererin) und Edelgard Heidelberg (stellvertr. Vorsitzende) planen die neuen Räume.
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Das neue Sorgenkind: Ellen Grobusch und Josef Witz sprechen über die Kühltheke, die ihren Geist aufgegeben hat. Foto: Pakura
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Anpacken beim Umzug ist angesagt für die Bundesfreiwilligendienst-Leistenden Joshua Brendel und Lena Bergrath.

Jülich. Die Miete verdoppelt sich, die Erreichbarkeit wird schlechter: Der Umzug der Jülicher Tafel ist nicht gerade das, was Vereinsvorsitzende Maria Güldenberg und ihr Team sich gewünscht haben. Die Kündigung vom Vermieter des bisherigen Standortes an der Lorsbecker Straße kam so überraschend wie ungelegen.

Wo einst ein Getränkemarkt war und seit Januar 2007 regelmäßig Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben werden, sollen nach Abriss des alten Gebäudes neue Wohnungen entstehen. Und so blieb der Tafel gerade mal ein halbes Jahr, um eine neue Bleibe zu finden. „Alles rechtens und nachvollziehbar“, betont Kassiererin Ilka Winter. Dennoch hat diese Herausforderung die Menschen, die hier ihre Freizeit investieren, um Bedürftigen von nebenan zu helfen, vor noch mehr Hürden gestellt.

„Wir könnten noch viele Hände mehr brauchen, die mitanpacken, insbesondere im Fahrdienst“, unterstreicht Güldenberg, dass der Bedarf groß ist und sie ihm trotz rund 40 Ehrenamtlern und weiteren Beschäftigten – Aufstocker, Menschen, die Sozialstunden ableisten, Rentner im Bundesfreiwilligendienst – schon im Alltag nur mit Anstrengung nachkommen. Der Umzug aber potenziert die Probleme. „Da ist zum einen unser neuer Standort, für den wir zwar sehr denkbar sind, der aber eben gegenüber dem alten auch Nachteile hat“, schaut Güldenberg in die Pläne der Halle an der Margaretenstraße 14.

Künftig alles auf einer Ebene

„Ein Vorteil ist ganz klar, dass sich alles auf einer Ebene befindet, wir die Raumeinteilung nach unseren Bedürfnissen gestalten können, das Verladen und Verräumen deutlich einfacher wird.“ Auf der anderen Seite befinde die Immobilie sich im Gewerbegebiet Heckfeld und damit zentrumsfern, „was für unsere Kunden die Logistik erschwert, weil die meisten eben nicht mobil sind“. Außerdem steigen die Mietkosten auf das Zweifache. „Aber wir waren alternativlos“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Edelgard Heidelberg. Und ergänzt: „Nein, die Alternative wäre gewesen, unsere Arbeit aufzugeben.“

Das stand indes nie zur Debatte. Schon die rund zwei Wochen dauernde Schließung, die der Umzug nötig macht, sei für viele der Kunden eine Katastrophe. Das Telefon klingelt während der Lagebesprechung ein ums andere Mal, weil Menschen, die auf den Service der Tafel angewiesen sind, wissen wollen, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird. „Am 6. November“, hält Güldenberg an ihrer Antwort fest, obwohl sie noch auf die Zusage für eine mobile Kühl-Lösung wartet.

Unverhofft hat sich nämlich die Kühltheke mit einem irreparablen Defekt verabschiedet und zieht nicht mit um. Ersatz, zumal mit limitiertem Budget, lässt vier bis sechs Wochen auf sich warten. „Aber das können wie nicht machen: so lange schließen“, sagt Schriftführerin Dr. Gerhild Lottner.

Das würde für mehr als 460 registrierte Bedarfsgemeinschaften (Details siehe Kasten) bedeuten, dass sie insgesamt zwei Monate auf Unterstützung verzichten müssten. Und auch die vielen Unternehmen, die die Tafeln mit Nahrungsmittelspenden unterstützen, wären dann irritiert. „Wir finden Lösungen, und wir machen weiter, und zwar am Montag, 6. November, zumal sich an dem Datum die Gründung der Jülicher Tafel exakt zum elften Mal jährt“, checkt Güldenberg immer wieder Mails und hakt Listen ab.

Am Freitag kommt der Wagen

Sie und ihre Vorstandskollegen haben noch viel zu organisieren. Der Umzug selbst sei bestens vorbereitet: „Wenn der große Wagen nächsten Freitag kommt, muss alles nur verladen werden.“ Aber Formalien wollen bearbeitet, die wichtige Frage, ob die Übergangskühlung in trockene Tücher gebracht werden kann, will beantwortet werden. „Dann müssen wir noch kleine Transporter anmieten, um im Laufe der nächsten Woche schon einen Teil rüberzubringen“, so Güldenberg. Etwa Mobiliar, das die Bäckerei Mainz-Weitz nach einer Filialschließung gespendet hat.

Völlig offen sei noch, wie sich eine kleine Kaffeeküche für die Ehrenamtler realisieren lässt. Ein Herd, ein Kühlschrank, die Möglichkeit, sich zwischendurch zu stärken: Das wünscht sich Güldenberg für ihr Team. „Wenn wir sechs Stunden und länger hier sortieren, heben, ausgeben, ist es auch gut, einen Rückzugsort zu haben, um Kräfte zu sammeln. Der Raum ist nur 2,10 mal 2,30 Meter groß, vielleicht findet sich ja jemand, der etwas in der Größe abzugeben hat“, hofft sie auf Unterstützung. Schließlich ist ihre Kasse mittlerweile ordentlich strapaziert. Und andere Probleme, prioritär die Kühlung, haben Vorrang.

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