Die Jülicher City braucht dringend Hilfe

Von: Volker Uerlings
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Die Aachener Landstraße (oben) ist eine Lebensader, die das Jülicher Zentrum zwischen Hexenturm und oberer Kölnstraße mit Kunden aus dem Umland versorgt. Der Einzelhandel hofft auf eine Belebung der Innenstadt durch ein Entwicklungskonzept. Foto: Jansen

Jülich. Die Belebung der Jülicher Innenstadt ist seit vielen Jahren in aller Munde. Das Thema fehlt in kaum einem Wahlprogramm. Fassbare Ergebnisse gibt es – abgesehen vom „Kleinen Kreishaus“, das derzeit aber noch sehr klein ist – nicht.

Der Verein Stadtmarketing Jülich fordert deshalb ein Entwicklungskonzept für die City, denn die Dringlichkeit zu handeln sei hoch. Vereinschef Wolfgang Hommel benutzte bei den Beratungen im Fachausschuss ein Bild: „Die Jülicher Innenstadt als Herz wurde über 100 Jahre vom Handel angetrieben. Es ist ins Stocken geraten. Wir brauchen einen Herzschrittmacher.“ Der Buchhändler war um seine Einschätzung nach einer ersten „Lesung“ des Antrags gebeten worden und hielt damit auch nicht hinter dem Berg: „Ich erwarte mir etwas mehr Empathie für die Lage der Innenstadt.“

Am Ende brachte der Vorstoß einen Teilerfolg, denn der Verein hatte zur Erarbeitung des geforderten Konzeptes einen Arbeitskreis vorgeschlagen. Die Bildung eines weiteren Gremiums stieß allerdings im Ausschuss für Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing unter Vorsitz von Peter Capellmann (CDU) auf wenig Sympathie. Harald Garding (SPD): „Das brauchen wir nicht.“ Nun wird ein vorhandenes Instrument befristet mit dieser Mission betraut. Bürgermeister Axel Fuchs hatte diesen mehrheitsfähigen Vorschlag unterbreitet: Der neue Lenkungskreis Stadtmarketing, der bislang erst einmal zusammengetreten ist, soll sich vorerst „ausschließlich“ um die Innenstadtbelebung kümmern und geeignete Maßnahmen entwickeln.

Kein Mangel an Ideen

Genau das ist scheinbar das große Problem: An Ideen und Möglichkeiten mangelt es nicht. Die schaffen es dann aber nicht in die Politik, werden nicht Realität, sondern fristen ihr geduldiges Dasein auf Papier. Das bemängelte Lutz Baumgarten (Bündnisgrüne): „2011 haben wir einen fast identischen Antrag im Rat schon einmal diskutiert. Damals hieß es: Das brauchen wir nicht.“ Die Grünen seien natürlich für ein Entwicklungskonzept und hätten schließlich auch bereits ein eigenes entwickelt.

Elmar Fuchs (CDU) bewertete den Vorstoß des Vereins Stadtmarketing sehr eindeutig: „Der Antrag ist eigentlich eine schallende Ohrfeige für den Rat und die Ausschüsse. Es ist eine Aufgabe von uns, zu einem Ergebnis zu kommen und etwas zu beschließen.“ Wenn also nun Arbeit investiert werde, müssten dabei in etwa zwei Jahren beschlussfähige Vorlagen herauskommen.

Was wären Beispiele für Maßnahmen in der Innenstadt? Der Verein Stadtmarketing beschreibt die Probleme so: „Die Attraktivität Jülichs als Einkaufsstadt schwindet.“ Folgen seien weniger Laufkundschaft („Frequenzverlust“) oder auch zunehmend Laden-Leerstände. Das sei zwar ein generelles Problem von Mittelzentren, erfordere aber ein konsequentes Gegensteuern. „Mit der Bebauung des Walramplatzes steht eine große Entscheidung – die größte seit Jahren – an.“ Das meistdiskutierte Thema sei aber die Frage, ob der Marktplatz wieder von Autos befahren werden dürfe, befindet der Vereinsvorstand. Das müsse in einem Gesamtkonzept entschieden werden: entweder eine Fußgängerzone oder ein „shared place“ (ein von Fußgängern und Autos geteilter Platz) oder Autoverkehr. Grundlegend laute die Frage, wie sich Jülich in der Innenstadt aufstellen möchte. Der Verein sieht zwei Möglichkeiten.

Eine Richtungsentscheidung

Die Stadt könne sich vorrangig so aufstellen, dass sie den Bedarf Einzelner schnell in Handel, Gastronomie oder bei Dienstleistern (Ärzte) deckt. Oder fällt eine Entscheidung für eine „Erlebnisqualität mit längerer Verweildauer und Aufenthaltsqualität“. Stehe die grundlegende Richtung fest, könne über Zielgruppen und passende Maßnahmen – bis hin zum Autoverkehr im Zentrum – diskutiert werden. Das ist die Sicht des Stadtmarketing e.V. Jülich. Wie der Lenkungskreis die Aufgaben definiert, dürfte in der zweiten Sitzung des Gremiums deutlich werden, wenn der Arbeitsauftrag definiert wird. Sie ist im März geplant.

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