Die halbe Liga jagt TTC-Star Ricardo Walther

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
Vor dem Sprung in die Tischten
Vor dem Sprung in die Tischtennis-Nationalmannschaft? Ricardo Walther dürfte vom TTC Indeland über die laufende Saison hinaus kaum zu halten Foto: Kròl

Jülich. Michael Servaty, Spieler in Reihen des Tischtennis-Zweitligisten TTC Indeland Jülich, hat unlängst „trainiert wie noch nie”, wie TTC-Manager Arnold Beginn berichtet: Der 17-Jährige nahm für den Landessportbund NRW an einem Kultur- und Sportaustausch in Shanghai teil, wo er auch Trainingsspiele gegen chinesische Tischtennisspieler bestritt.

Ein weiterer Mann mit Zukunft bei den Herzogstädtern ist Ricardo Walther, der von der halben Tischtennis-Bundesliga gejagt wird. Der talentierte 19-Jährige aus Brühl passt hervorragend ins Suchraster vieler Erstligisten: Ein junger, spielstarker deutscher Spieler mit Potenzial, der in der Weltrangliste momentan für Furore sorgt. Von Platz 496 schaffte Ricardo innerhalb von zwei Monaten den Sprung auf Rang 181 bei den Herren. Arnold Beginn: „Das ist sensationell!”

Senkrechtstarter in der Rangliste

Gesammelt hat der Senkrechtstarter die dafür notwendigen Punkte durch Siege bei der Austrian Open in Wien und bei den Skandinavischen Meisterschaften in Stockholm, wo der Junior Weltklassespieler aus China und Japan geschlagen hat, die in der ITTF-Weltrangliste weit besser platziert sind, etwa Cheung Yuk, aktuell die Nr. 47 der Welt, den Ricardo Walther mit 4:0 von der Platte fegte.

Der TTC-Spieler hat erst Mitte diesen Jahres seine Profikarriere begonnen und für seine sportliche Leidenschaft auch das Gymnasium und sein Abitur sausen lassen. „Abitur und Profisport funktioniert zusammen nicht”, sagt Arnold Beginn, der aus Erfahrung weiß, wie wichtig das erste Juniorenjahr für die weitere Entwicklung ist.

Beginn managt nicht nur den TTC Indeland, sondern steht auch Ricardo Walther als Berater zur Seite und betreut ihn über seine Sportmarketing-Firma. Damit begibt er sich in eine Zwickmühle, denn längst ist dem TTC-Ehrenpräsidenten auch klar, „dass Jülich den Jungen nicht mehr halten kann”. Namhafte Bundesligisten hätten schon angeklopft, die zurzeit den Kader für die neue Spielzeit zusammenstellen.

„Unfair, ihn in Jülich zu halten”

Zudem - und hier spricht der Berater Beginn - habe Ricardo Walther „einen Punkt erreicht, wo er wechseln muss”, um sportlich voran zu kommen. Da wäre es „unfair, ihn hier behalten zu wollen”. Zudem habe der TTC auch nicht das Geld, um Ricardo Walther langfristig in Jülich zu halten. Der TTC-Manager geht davon aus, dass Anfang Dezember die Entscheidung über die nähere sportliche Zukunft von Ricardo Walther fällt.

Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf ist ebenfalls schon auf den jungen aufstrebenden Spieler aufmerksam geworden und hat ihn zu Konditionslehrgängen eingeladen. Beginn nimmt an, dass Walther schon bald einen Platz im A/B-Kader der Nationalmannschaft einnimmt.

„Er hat die Chance, in die Weltspitze vorzudringen”, bescheinigt Beginn dem Youngster eine gute sportliche Zukunft als solider A-Nationalspieler. „Ich hätte nicht gedacht, dass er schon so weit ist.” Zudem besteche Ricardo Walther die Zuschauer durch seine attraktive Spielweise aus der Halbdistanz, die oft mit langen Ballwechseln verbunden ist.

Doch bei allen Lobeshymnen, die Arnold Beginn auf seinen hoffnungsvollen Schützling singt, findet er auch kritische Worte. „Mit der Leistung am Wochenende bei TuS Celle hat er zum ersten Mal enttäuscht. Ich war sauer, wie ich noch nie sauergewesen bin”, kritisiert Walthers persönlicher Berater die Überheblichkeit seines Spitzenspielers, der dazu neige, im Liga-Alltag eher namenlose Gegenspieler auf die leichte Schulter zu nehmen. So verwundert es nicht, dass der Spitzenspieler des TTC bei den Niedersachsen lehrreiche Niederlagen im Einzel und Doppel quittierte.

TTC-Team wird stark verändert

Was die Personalplanung des TTC Indeland für die nächste Saison betrifft geht Manager Beginn davon aus, dass sich das Gesicht der Mannschaft nicht nur durch den zu erwartenden Weggang von Ricardo Walther stark verändern wird. Angesichts der vielen Talente, die Jülich in der Hinterhand hat, komme der Einschnitt, so Beginn, „ein Jahr zu früh”.

So geht der Manager von einem weiteren „Zwischenjahr” aus, bis der eigene Nachwuchs so weit ist, um eine Mannschaft aufzubauen, die in der DTTL bestehen kann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert