Die Grünen der ersten Stunde im Jülicher Land

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Dierk Simons: Mitbegründer des Ortsverbandes Titz und rund 20 Jahre Fraktionsvorsitzender.
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Fraktionsvorsitzender In Linnich: Cato Hilfert engagierte sich in den 80er Jahren auf Kreisebene. Foto: Mengel-Driefert
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Grüne in Inden: Hella Rehfisch war von Anfang an dabei. Foto: Mengel-Driefert
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Viele Jahre aktiv im Stadtrat: Armin Kaleck zählt zu den Gründern des Jülicher Ortsverbandes. Foto: Mengel-Driefert

Jülicher Land. 35. Geburtstag bei den Grünen. Am 13. Januar 1980 fand der Gründungsparteitag in Karlsruhe statt. Anfänglich als „enfant terrible“ verlacht, sind die Grünen heute aus der politischen Landschaft kaum noch wegzudenken. Wir haben in den lokalen Ortsverbänden nachgefragt, wie es so war in der Gründungszeit.

Was waren die Ziele, wie stellte sich die politische Arbeit auf kommunaler Ebene dar? „Wir wurden als Provokation behandelt“, sagt Cato Hilfert, Grüner der ersten Stunde aus Linnich. Es galt, politisches Handwerk zu lernen, sich im Rahmen eines Haushaltes zu bewegen, Grundsatztreue oder pragmatische Orientierung wurden gegeneinander abgewogen.

Manchmal hätten sich die Grünen auch provokativ verhalten, Veränderungen gingen aber oft nicht ohne Provokation, sagt Hilfert, der sich in den ersten Jahren auf Kreisebene engagierte, in verschiedenen Funktionen aktiv war. Heute sei es manchmal schwierig, sein Profil zu behalten, Einen Linnicher Ortsverband gab es zu Beginn noch nicht.

Dierk Simons aus Titz trat der Partei 1983 bei. Simons war der einzige Grüne am Ort, in einer CDU-geprägten Umgebung. Zahlreiche Vorurteile kursierten. In Einzelfällen hörte er Sätze wie: „Wenn die Grünen an der Macht sind, werden wir alle enteignet“.

So hat es gedauert, bis er acht Mitstreiter für die Gründung eines Ortsverbandes fand. Das war 1989. Mit einem Sitz zogen die Newcomer in den Rat ein, seit der zweiten Legislaturperiode sind die Grünen als Fraktion vertreten. Friedenspolitik und der ökologische Gedanke bildeten die Grundlagen der politischen Ebene. In der konkreten Umsetzung ging es um das Aufbrechen festgefahrener Strukturen. Im Rat schlug heftiger Gegenwind entgegen. Barbara Simons, heutige Sprecherin: „ Grüne Anträge wurden grundsätzlich abgelehnt“.

„Wie gehen wir mit unserem Müll um?“, lautet eine heiß diskutierte Fragestellung in dieser Zeit. Um die Entstehung von geplanten Mülldeponien abzuwenden, forderten die Titzer Grünen Maßnahmen der Müllvermeidung. Der Ortsverband kippte in einer Aufsehen erregenden Aktion Müll vor das Rathaus. Die Empörung war groß, Ratsmitglieder reagierten sauer, erzählt Dierk Simons. Zu guter Letzt verfehlte die Demonstration nicht ihr Ziel. Fünf Jahre später, in einer Zeit der Koalition von SPD und Grüne in Titz, führte die Gemeinde die Müllentsorgung nach dem Verursacherprinzip ein.

An anderer Stelle liefen grüne Forderungen ins Leere. Simons kämpfte im Zusammenhang mit den Planungen für den Rahmenbetriebsplan Garzweiler II für eine Verschiebung der Abbaukante von 1000 Metern, später 450 Metern. Der Grubenrand sollte vom Ortsteil Jackerath so weit wie möglich ferngehalten werden. Der Einsatz blieb erfolglos, brachte den Grünen allerdings einen Zuwachs an Wählerstimmen.

In Inden lag den Menschen das Thema Müll ebenfalls am Herzen. Die ersten Mitglieder des Ortsverbandes gingen aus der Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennungsanlage Weisweiler hervor. Seit 1994 sind die Grünen als Fraktion im Gemeinderat vertreten, informiert Gründungsmitglied Hella Rehfisch,

Im Gegensatz zu den Landgemeinden fand der Jülicher Ortsverband schon 1984 zusammen. Armin Kaleck war damals aktiv, der von sich selbst sagt, politisch interessiert, aber auch frustriert von den etablierten Parteien gewesen zu sein. Mit den Grünen wollte er einen neuen Weg bestreiten, ließ sich als Kandidat aufstellen. Schnell kam es zu öffentlichen Angriffen. Kaleck, der als Physiker seit 1963 an der ehemaligen Kernforschungsanlage beschäftigt war, wurde, wie auch seine Parteikollegen, in einem Leserbrief scharf kritisiert.

Dem Ortsverband wurde vorgeworfen mit der Vertretung Grüner Ziele auch gegen Atomenergie, somit gegen den eigenen Arbeitgeber zu agieren. In der Tat zeigte sich in diesem Punkt ein Konflikt. „Wir waren damals sehr skeptisch gegenüber Kernenergie“, sagt Kaleck heute. Andererseits arbeitete der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis an dem missliebigen Kugelreaktor. Die Grünen reagierten auf die Kritik, eine Antwort wurde veröffentlicht.

Die Leser empfanden diese, nach Aussage Kalecks, als klug, den Grünen brachte sie Wählerstimmen. Kaleck erhielt viel Zuspruch im Kollegenkreis, sie drückten sogar Sympathie für die neue Partei aus. Die ersten fünf Jahre im Rat seien jedoch schwierig gewesen, die Grünen fühlten sich nicht ernst genommen. Obwohl grüne Anträge oft einstimmig im Rat durchgingen, seien sie auf dem Verwaltungsweg versandet.

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