Die Gefahr von oben: Lawinen, Eiszapfen und drückende Last

Von: ng/gep/-vpu-
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Keine gute Idee: Die Warnung vor Schneelawinen zu ignorieren, ist ein großes Risiko. Foto: Imago/Fabian Matzerath

Jülich. Wintermärchen und Schneealptraum: Alle sind eingeschneit worden, einige leider auch eingegipst. So hatte die Unfallambulanz im Jülicher Krankenhaus zwischen Heiligabend und Montag Hochkonjunktur.

„Dort behandelten die Ärzte in dieser Zeit zahlreiche gestürtzte Personen, 30 davon mit Knochenbrüchen”, sagte Silke Freialdenhoven von der Caritas Trägergesellschaft West (ctw) auf Anfrage. Ruhiger ging es dagegen im Krankenhaus Linnich zu. Dort behandelten die Ärzte aber beim Wintereinbruch zwei Wochen vor dem Fest die Folgen zahlreicher Stürze.

Doch nicht nur in den Krankenhäuser werden die Folgen des Winters anhand der Zahl der Knochenbrüche deutlich, auch viele Dächer sind belastet. Von Satteldächern können sich in nächster Zeit zu Lawinen lösen. Flachdächer drohen unter der Last des Schnees zu brechen. Deshalb bleiben zahlreiche öffentliche Gebäude aufgrund der Einsturzgefahr geschlossen. Diese besteht auch im Jülicher Land an einigen Stellen.

In der Gemeinde Titz sind keine Flachdächer einsturzgefährdet, sagt Bürgermeister Jürgen Frantzen. Die Gemeinde habe nach der Katastrophe von Bad Reichenhall - dort war am 2. Januar 2006 die Wintersporthalle eingestürzt, dabei wurden 15 Menschen getötet - alle Dächer der öffentlichen Gebäude überprüft und keine statischen Probleme feststellen können. Die Dächer würden jetzt erneut begutachtet. Frantzen hofft, dass „spätestens zum Ferienende komplett Entwarnung gegeben werden kann”.

Auch in der Herzogstadt wurden sämtliche Flachdächer öffentlicher Gebäude vor wenigen Jahren einer genauen Prüfung unterzogen - ein Risiko durch auf ihnen liegende Schneemassen bestehe hier nicht, sagt Martin Schulz, Beigeordneter der Stadt Jülich. Einziger Schwachpunkt sei die Bürgerhalle in Kirchberg. Dort sei der Zustand kritisch, weswegen das Gebäude auch gesperrt worden ist. Nun werde regelmäßig geprüft, wann man Entwarnung geben könne: Täglich überprüft ein Mitarbeiter der Stadt mit speziellen Instrumenten den Schnee.

„Interessant ist dabei insbesondere das Gewicht des Schnees”, verrät Schulz. Denn auch wenn der Schnee nur wenige Zentimeter hoch auf dem Dach liegt, so kann er beträchtlich an Gewicht zunehmen. Beispielsweise durch Regen, der nicht abfließen kann und gefriert. Wenn der Schnee zu Eis gefriert, kann er etwa neunmal mehr Gewicht auf das Dach ausüben als frisch gefallener Schnee. Und deshalb bleibt die Bürgerhalle laut Schulz noch eine ganze Weile gesperrt.

In der Gemeinde Aldenhoven hatte Kämmerer Michael Ossenkopp - er hatte Bereitschaftsdienst an den Feiertagen - sämtliche öffentliche Gebäude mit Flachdächern vorsorglich gesperrt, berichtet Baudezernentin Anita Klotz. „Wir prüfen jetzt jedes Gebäude durch.Ó Dies sei bereits nach der Katastrophe von Reichenhall durch ein Fachbüro geschehen, „doch wir gucken noch einmal hin”. Jeder Fall werde jetzt einzeln entschieden. Die Sperrung bedeute auch, dass auch die Feuerwehr die Dächer nicht betreten dürfe und mangels einer Drehleiter auch nicht räumen könne.

Als Beispiel für die laufenden Prüfungen führt die Baudezernentin das Haus des Dorfes in Niedermerz an. Dort bestehe die Dachkonstruktion nicht aus Holzleimbindern, sondern aus Trapezblechen auf Stahlträgern und habe somit eine andere Tragfähigkeit. 30 Zentimeter hohen halbtrockenen Schnee könne das Dach verkraften, „dann hört es aufÓ, so Klotz. Derzeit sei die Schneeschicht rund zehn Zentimeter hoch. Entscheidung: Das Haus des Dorfes „darf genutzt werden”. Aber alle Turnhallen blieben vorerst gesperrt, bis auch hier alle „Schritt für SchrittÓ überprüft worden seien.

In der Stadt Linnich hat es „keine Probleme gegeben, schildert Arno Gerwien, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Liegenschaften und Gebäudemanagement. Das gelte auch für die städtischen Schulen, deren Dächer ja saniert worden seien. „Wir haben Glück gehabt.” Lediglich am Hallenbad sei ein Schaden aufgetreten, weil sich Schmelzwasser gestaut und ins Gebäude getropft sei.

Doch in Titz „graust es” Bürgermeister Frantzen schon jetzt davor, wenn Schnee und Eis geschmolzen sind und die Frostschäden an den Straßen sichtbar werden. Das dürfte teuer werden. Frantzen: „Ich befürchte, dass die Finanzmittel der Vorjahre nicht ausreichen.”

Unterdessen bilden auch Satteldächer potenzielle Gefahren: Wenn nämlich Schneelawinen abgehen oder dicke Eiszapfen abfallen. Inzwischen findet man vielerorts von Privatbesitzern mit rot-weißem Flatterband abgesperrte Gehwege. Darf man das überhaupt? In Jülich ist diese Frage eindeutig zu bejahen. Kim Fussen vom Ordnungsamt: „Wir dulden es und empfehlen es, wenn Gefahr droht.” Außerdem sollten Hausbesitzer keine riskanten Kletterpartien aufs Dach wagen, um den Schnee zu räumen. Fussen weiter: „Eigentümer sollten sich nicht selbst in Gefahr begeben. Sie dürfen dann die Bürgersteige vor ihrem Haus absperren.”

Das gelte aber ausschließlich bei erkennbaren Risiken und keinesfalls, um sich vor dem Schneeräumen zu drücken. Sollte ein solcher Verdacht vorliegen, werde das Ordnungsamt kontrollieren.

Die Feuerwehr greife übrigens derzeit nur ein, „wenn Gefahr im Verzug und kein Eigentümer greifbar ist”.
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