Die Ganoven kommen am helllichten Tag

Von: Jörg Abels
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Die meisten Ganoven treiben zwar immer noch im Schutze der Dunkelheit ihr Unwesen, aber die Zahl der Tageswohnungseinbrüche steigt im Kreis Düren deutlich an. Foto: Imago/JochenTack

Kreis Düren. Die Statistik ist weiter besorgniserregend: Zwar ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr im Kreis Düren um 72 oder 7,3 Prozent zurückgegangen. Trotz einer umfangreichen Präventionskampagne der Kreispolizeibehörde bewegt sie sich im Zehnjahresvergleich mit 914 Fällen immer noch auf einem Spitzenwert.

Die anfänglichen Erfolge der Aktion „Wachsamer Nachbar” sind verpufft. Deshalb wird die Aktion in 2010 nicht nur mit verstärktem Personaleinsatz fortgesetzt, Landrat Wolfgang Spelthahn nahm die Vorstellung der Kriminalitätsstatistik auch zum Anlass, noch einmal an die Wachsamkeit der Bürger zu appellieren, verdächtige Beobachtungen umgehend zu melden. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Notruf 110 wählen.”

Denn der Wohnungseinbruch sei immer auch ein Einbruch in die Privatsphäre, der psychisch von den Betroffenen nicht immer verkraftet werde. Trotzdem konnte sich Kriminalrat Ingo Wünsch, Leiter der Direktion Kriminalität, des Eindrucks nicht erwehren, dass „zwischen dem Sicherheitsbedürfnis des Bürgers und seinem eigenen sicherheitsbewussten Verhalten” eine große Diskrepanz besteht.

„Nicht einmal ein Prozent aller Hausbesitzer ließ sich im letzten Jahr von unserem Kommissariat Vorbeugung beraten”, zog er eine enttäuschende Bilanz. Und viele Hausbesitzer machten es Einbrechern, die im Dreiländereck oft nur auf der Durchreise sind, viel zu einfach.

Weil selbst im ländlichen Raum, der früher von einer hohen sozialen Kontrolle geprägt war, die Anonymität zu- und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Nachbarn abnimmt, steigt der Anteil der Tageseinbrüche weiter an. Immer mehr Ganoven dringen am helllichten Tag in die Wohnungen ein.

Da der Polizei zu selten Zeugen zur Verfügung stehen, ist die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen wieder zurückgegangen und liegt bei nur noch 7,22 Prozent. Das ist der zweitschlechteste Wert der letzten zehn Jahre, mit dem „wir nicht zufrieden sein können”, schloss sich Wünsch dem Appell des Landrats an und forderte die Bürger zu mehr Mitarbeit auf. Schließlich seien auch die personellen Ressourcen der Polizei begrenzt, stießen andere Ermittlungsmethoden beim klassischen Wohnungseinbruch schnell an ihre Grenzen. „Die wenigsten Täter hinterlassen nun einmal DNA-Spuren.”

Die 914 Wohnungseinbrüche ausgeblendet, liegen die Zahlen der Kriminalitätsstatistik durchweg günstiger als in der Vergangenheit. Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr um gut 800 oder vier Prozent zurückgegangen. Damit stemmt sich der Kreis gegen den leicht zunehmenden Landestrend. Auch bei der Aufklärungsquote liegt die Kreispolizeibehörde im NRW-Vergleich weiter an der Spitze.

Mit über 10.000 Straftaten (52,42 Prozent) konnten die Beamten erneut mehr als die Hälfte aufklären. Noch besser liegt die Quote bei den Gewaltdelikten, deren Zahl mit 637 Fällen weiter rückläufig ist. Hier konnten erneut mehr als Dreiviertel aller Fälle aufgeklärt werden. Insgesamt ermittelte die Polizei im Kreis über 7500 Tatverdächtige, knapp 30 Prozent davon unter 21 Jahren.

Die Zahl der Körperverletzungen hat sich bei knapp 188 stabilisiert, die Fälle häuslicher Gewalt haben mit 471 aber ein Rekordniveau erreicht, bei 600 bearbeiteten Strafanzeigen in dem Bereich.
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