Jülich - Die Fachhochschule als Jülicher China-Connection

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Die Fachhochschule als Jülicher China-Connection

Von: Guido Jansen
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Ausbildung made in Germany: Boxuan Huang (l.) und Yifan Hu wollen von ihren Erfahrungen in Jülich profitieren. Foto: Guido Jansen

Jülich. Eigentlich müsste Jülich eine Chinatown haben, ein Stadtviertel, das ganz von der chinesischen Kultur und Bauweise geprägt ist. So wie in Amsterdam, oder New York. Zumindest in etwa. Es gibt mehr als 1200 Menschen chinesischen Ursprungs in Jülich, damit machen sie in der Herzogstadt nach den Deutschen in Sachen Herkunftsland den zweitgrößten Teil der Bevölkerung aus.

Jeder 30. Jülicher stammt aus dem Reich der Mitte. Die meisten Menschen aus China kommen des Studiums halber nach Jülich. Wie Boxuan Huang und Yifan Hu, die beide am Jülicher Campus der Fachhochschule Aachen Maschinenbau studieren. Heute sind die beiden 23-Jährigen Jülicher aus Überzeugung. „Am Anfang hatte ich keine Ahnung von Jülich“, sagt Hu. Das ist längst anders. „Ich bin wirklich gerne hier.“

2012 sind beide nach Jülich gekommen. Aber zuerst nicht, um an der FH zu studieren, sondern um am Freshman-Institut, das zur FH gehört, die sogenannte Hochschulzugangsberechtigung zu erwerben. Das Behörden-Wort-Monster bedeutet, dass Studierende aus dem Ausland Deutsch lernen und all das nachholen, was sie brauchen, um in Deutschland zu studieren.

Land der Bürokratie

Das lange Wort steht aber auch für eine Beobachtung, die Huang und Hu gemacht haben: Deutschland ist kompliziert. Im vergangenen Jahr wollte Yifan Hu eine Bücherei mit kleinem Café in der Innenstadt eröffnen. Er hat die Idee aber aufgegeben. „Es gibt so viele Gebühren, so viel Bürokratie. Ich verstehe nicht, warum es so kompliziert ist, eine Idee zu etablieren“, sagt Hu. Vor allem nicht, wenn er sich anschaut, wie sehr die Zahl der Leerstände in der Innenstadt zugenommen hat. „Die Unterstützung für neue, junge Ideen ist in China größer“, fügt Hu an.

Nach Jülich gekommen sind beide, weil das Studium in Deutschland und besonders in Jülich zwar nicht unbedingt besser, aber anders sei als in ihrer Heimat, mit viel mehr Praxis. „In China gibt es nur Theorie. Ein Maschinenbau-Student in China ist vermutlich damit überfordert, selbst etwas an seinem Auto zu reparieren. Ein Student in Deutschland kann das vielleicht doch“, beschreibt Huang einen Unterschied. Großer Vorteil Jülich: Weil der Campus nicht groß ist, sei die Möglichkeit für den Austausch mit den Dozenten gut.

Alleine das Studium in Jülich reiche nicht mehr aus, um später in der Heimat ein gemachter Mann zu sein. „Am besten geht man nach dem Studium hier zuerst bei einem deutschen Unternehmen arbeiten“, sagt Hu. Made in Germany gelte als Qualitätsmerkmal in China; für Produkte und Absolventen mit Praxis-Erfahrung.

Deutschland ist aber auch anders, als sie es am Anfang erwartet haben. Langsamer zum Beispiel. „Ich dachte, dass Deutschland schneller ist“, sagt Huang. „Und dann erlebe ich hier Bahnstreiks, viele Feiertage und dass sonntags alle Geschäfte geschlossen sind.“ In China laufe alles schneller. Auch die ältere Generation habe eine größere Affinität zu Hochtechnologie und Innovation.

Feste werden anders gefeiert

Ein Wort werde in China wesentlich seltener gebraucht, vor allem, wenn es mit Nachdruck gesprochen wird, „Nein zu sagen und dabei mit Hand auf den Tisch hauen – das ist in China undenkbar“, sagt Huang. „So jemand gilt dann schon fast als verrückt“, fügt Hu hinzu. Ebenfalls ungewohnt war, dass unbekannte Menschen grüßen, einen guten Tag wünschen. Chinesen redeten meistens erst, wenn sie ihren Gegenüber kennen, dann aber um so offener.

Feste werden anders gefeiert. Sie sind mehr ein geselliges Beisammensein, rund um einem Tisch mit Essen und vielen Gesprächen. „Partys, auf denen viel Alkohol getrunken wird, kennen wir so eigentlich nicht“, schildert Huang.

In der Geldbörse setzt sich der Kulturschock oft fort. Dienstleistungen seien in Deutschland teurer. Ein Schlüsseldienst habe ihn zuletzt fast 300 Euro gekostet, berichtet Huang. „In China wären das umgerechnet vielleicht drei Euro gewesen.“

Pluspunkte am Leben in Deutschland und Jülich seien die intakte Natur, die „großartigen Autobahnen“, betont Huang, und das Gefühl, dass man in Jülich sicher leben könne. Nur das Essen sei ein Problem. „Das deutsche Essen ist für uns schwierig.“ Deswegen setzen sich die Jülicher Studenten häufiger ins Auto oder die Bahn, fahren nach Köln oder Düsseldorf, um dort zu essen. Diese „Reisen“ zu den Speisen stören sie nicht. Der Weg führt ja über die „großartige Autobahn.“

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