Die erste Frau in der Leitung der Titzer Wehr

Von: jago
Letzte Aktualisierung:
13404919.jpg
Dass sie einmal Karriere bei der Freiwilligen Feuerwehr machen würde, war für Sabrina Reitz schon als junges Mädchen klar, als sie im Feuerwehrauto bei ihrem Vater Josef mitfahren durfte. Foto: Jagodzinska

Titz. Die Begeisterung für die Feuerwehr hat Sabrina Reitz von ihrem Vater Josef geerbt. Besonders stolz war sie in jungen Jahren immer dann, wenn sie im Feuerwehrauto mitfahren oder bei Zusammenkünften und Kameradschaftstreffen der Freiwilligen Feuerwehr dabei sein durfte.

Wenn die Männer von Einsätzen oder Übungen erzählten, hörte sie immer genau zu und wusste, irgendwann würde sie selbst auch einmal eine Feuerwehrfrau sein. Am 20. August dieses Jahres wurde Sabrina Reitz, die beruflich als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin im OP-Bereich tätig ist, zur Brandmeisterin befördert.

Bevor das kleine Mädchen mit dem großen Traum von der Feuerwehr jedoch als erste Frau in der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Titz eine Führungsposition übernommen hat, war ein langer Weg mit Lehrgängen und vielen Ausbildungsstationen zurückzulegen. „Ich habe mich mit acht Jahren beim Jugendrotkreuz angemeldet, da ich wusste, dass bei der Jugendfeuerwehr keine Mädchen aufgenommen würden“, erinnert sich die junge Frau an ihre Anfänge im ehrenamtlichen Einsatz. Schon im Verlauf ihrer DRK-Jahre hat Sabrina Reitz Führungsqualitäten gezeigt und als logische Konsequenz die Ausbildung zur Gruppenführerin absolviert.

„Als man 2006 mit dem Hinweis auf mich zugekommen ist, jetzt würden auch Frauen bei der Feuerwehr aufgenommen und fragte, ob ich mitmachen wolle, war klar, dass ich nicht nein sagen würde“, schildert sie ihren Einstieg bei der Titzer Löschgruppe. Zur Vermeidung von Unklarheiten bei der Zuständigkeit vereinbarten die Führungskräfte, dass ihre Tätigkeit im Katastrophenschutz weiterhin unter dem Dach des DRK erfolgen solle, bei dem sie bis 2014 aktiv war. Der Einstieg war für Sabrina Reitz genau so wie bei ihren männlichen Kameraden zunächst die „Anwärterschaft“. Diese gestaltet sich so, dass zumeist auf kommunaler Ebene eine Truppmann-Grundausbildung in verschiedenen Stufen erworben werden muss. Für Sabrina Reitz freilich kein Problem, hatte sie doch beim DRK bereits Katastrophenschutz gelernt, und so wurde ihr 2007 der Dienstgrad Feuerwehrfrau verliehen.

Nach erfolgreicher Absolvierung der vorgeschriebenen Lehrgänge wie beispielsweise Sprechfunk oder Atemschutz erfolgte 2009 automatisch die Beförderung zur Oberfeuerwehrfrau. Dass Feuerwehrleute einen großen Teil ihrer Freizeit zum Schutz der Allgemeinheit opfern, wird in der Gesellschaft häufig übersehen – sie sind ja da, wenn man sie braucht. Doch von fehlender Anerkennung lassen sich die Kameraden nicht irritieren. Sabrina Reitz stellt dazu fest: „Ohne individuelle Einsatzbereitschaft funktioniert unsere Gesellschaft nicht, das sollte sich so mancher mal etwas genauer überlegen.“ Für sie persönlich ging es voll motiviert weiter mit der Truppführerausbildung auf Kreisebene, an deren Abschluss im März 2012 die Beförderung zur stolzen Unterbrandmeisterin stand.

In der Rückschau bei diesem Zeitpunkt angelangt, verrät sie selbstbewusst: „Es war schon immer mein Ziel, zum Lehrgang nach Münster auf die Landesfeuerwehrschule zu gehen.“ Aus dem Mund von Sabrina Reitz hört sich das erstaunlich locker und entspannt an, doch um vom Wehrleiter am „Institut der Feuerwehr NRW“, wie die Schule inzwischen offiziell bezeichnet wird, angemeldet zu werden, muss ein Anwärter beachtliche Voraussetzungen erfüllen. Was wird zur Befähigung einer Brandmeisterin verlangt? Neben dem umfangreichen Fachwissen sind soziale Kompetenz, Durchsetzungsvermögen oder auch Nervenstärke unerlässlich. Sabrina Reitz hat alle Kriterien gemeistert und ihr großes Ziel erreicht.

Auf die Frage, ob es Probleme geben könne, wenn ein männlicher Kollege nicht bereit sei, sich von einer Frau als Gruppenführerin etwas sagen zu lassen, gibt sie die einzig richtige Antwort: „Bei der Feuerwehr gibt es eine Rangordnung, deren strikte Befolgung im Krisenfall über Leben und Tod entscheiden kann. Wer sich für die Freiwillige Feuerwehr entscheidet, ist sich dessen bewusst und hat damit kein Problem.“

Ob es Zufall ist, dass Brandmeisterin Reitz in Titz seit acht Jahren die Kleiderkammer betreut und von den Kameraden liebevoll „Kleidermutter“ genannt wird, beantwortet Sabrina Reitz mit einem umwerfenden Lächeln. Ganz zum Schluss möchte sie einen Wunsch loswerden, der ihr am Herzen liegt: „Ich wünsche mir sehr, dass sich mehr Bürger für die Mitarbeit bei der Feuerwehr entscheiden würden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert