Die Ahnung der Opfer vor dem Sportplatzüberfall

Von: jan
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Welldorf-Güsten Prozess Gericht Schläger Sportplatzüberfall verpixelt
Der Prozess zum Sportplatzüberfall bringt schrittweise neue Details ans Licht. Foto: Guido Jansen

Aachen/Güsten. „Mir scheint, hier sind mehrere Pistolen im Spiel“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Gatzke, als es am Mittwoch vor der 4. Strafkammer des Aachener Landgerichtes unübersichtlich wurde. Zunächst war von einer Schreckschusspistole die Rede, die eines der Überfallopfer bei der Sportplatzattacke von Güsten am 6. November mit sich geführt haben könnte. Am Ende des Verhandlungstages hatte sich der Eindruck erhärtet, dass wenigstens zwei Opfer Pistolen mit zum Fußballspiel gebracht hatten.

Jedenfalls wurde erkennbar, dass die am 6. November auf dem Sportplatz attackierten Libanesen aus Jülich geahnt haben müssen, was auf sie zukommt. Das ergaben die Aussagen der Zeugen und die Ergebnisse der Polizeivernehmungen, die Gatzke verlas.

Türkischstämmige Männer aus Düren und Umgebung hatten den Sportplatz überfallen und zielgerichtet Spieler libanesischer Abstammung angegriffen, die für die beteiligten Vereine Grün-Weiß Welldorf-Güsten und Sportfreunde Düren spielen. Einer der Sportfreunde-Spieler, C., hat laut Gatzke bei seiner Vernehmung einem Polizisten mitgeteilt, dass er eine Schreckschusspistole mit sich geführt und auf die Angreifer gerichtet habe, allerdings ohne dass sich Schüsse lösten. Das könnte mit zwei nicht abgefeuerten Patronen zusammenhängen, die am Tag nach dem Überfall auf dem Sportplatz gefunden wurden.

Mit dem Zeugen M. aus Düren, der den Sportfreunden angehört, kam die zweite Schreckschusspistole ins Spiel der Verhandlung. „Ich hatte die Waffe plötzlich in der Hand. Ich weiß nicht, von wem. Er war schwarz gekleidet und vermummt. Ich hatte das Gefühl, dass er die Waffe loswerden wollte“, sagte M., der bestritt, den Mann zu kennen, der ihm die Pistole überreichte.

Er beschrieb, wie er ein Kind in Sicherheit gebracht und wie ein Unbekannter ihm die Pistole übergeben habe. Beides war im Beweisvideo der Spielbeobachtungskamera nicht zu sehen. Fest steht, dass der Zeuge die Waffe später den Polizisten übergeben hat.

Sie entspricht nicht dem Kaliber der gefundenen Patronen. Die Verteidigung hat angeregt, M. wegen einer Reihe widersprüchlicher Aussagen noch einmal vorzuladen. So gab er an, nicht genau sagen zu können, wo er sich während der Überfalls aufgehalten hatte. Auch konnte er sich auf dem Video nicht finden.

Rachepläne nach Schlägerei

Die Aussage des Zeugen H. aus dem Vorstand von Grün-Weiß Welldorf-Güsten brachte unter anderem Licht in die Vorgeschichte des Überfalls. Bekannt und bereits thematisiert worden war der Vorfall zwei Tage vor der Attacke, als jeweils Jülicher Libanesen und zwei Dürener Türken aneinandergeraten waren, weil sie sich im Straßenverkehr an einer Verengung auf der Bundesstraße 56 nicht einig wurden, wer zuerst fahren darf. Daraus entstand die Schlägerei, bei der die Dürener den Kürzeren gezogen haben müssen. Daraufhin schmiedeten sie mit Verwandten und Freunden Rachepläne.

Das hätten ihm die Libanesen, die für Grün-Weiß spielen, anvertraut, wie H. berichtete, der Polizist ist. Sie hätten auch von einem Schlichtungsversuchen zwischen Libanesen und Türken erzählt und einem Friedensangebot, das die Libanesen zwar nicht ablehnen, aber offenbar aus Stolz auch nicht sofort annehmen wollten. Deswegen, und weil einige der Dürener Türken im Internet zur Hetze auf die Libanesen aufgerufen hätten, sei die Sache eskaliert. Die Verhandlung wird am Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt.

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